
Ebays Speedpak, Widerruf, Mittelstand, Selbständige, Italien + Amazon, Indien, Metaverse, Betrugsprävention, E-Mails, Bist Du tot?
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Ebay startet Speedpak in Deutschland
Ebay startet Speedpak für deutsche Verkäufer, die in die USA, nach Großbritannien und Australien versenden wollen, so das Unternehmen. Der von Orange Connex betriebene Service übernehme die komplette Zollabwicklung inklusive Einfuhrabgaben und zeige Käufern den Endpreis ohne versteckte Gebühren. Verkäufer seien zudem vor Bewertungsschäden durch Lieferprobleme geschützt – Beschwerden über nicht erhaltene Artikel würden nicht in die Servicemetriken einfließen. Bis Ende März gebe es außerdem zehn Prozent Einführungsrabatt.
BGH entschärft Risiko bei Widerrufsbelehrungen
Online-Händler dürfen sich auf allgemeine Widerrufsbelehrungen verlassen, entschied der Bundesgerichtshof laut Haendlerbund.de. Kleinere Abweichungen vom Mustertext oder fehlende Details zu Rücksendekosten führten nicht automatisch dazu, dass die Widerrufsfrist endlos laufe. Die Richter stellten klar, dass eine gesetzeskonforme Standardbelehrung ausreiche – Händler müssten weder den Verbraucherstatus jedes Kunden einzeln prüfen, noch formaljuristische Detailkritik fürchten. Das Urteil reiht sich in eine Serie ähnlicher Verfahren ein, bei denen Käufer das Widerrufsrecht strategisch nutzten, um Tesla-Käufe nachträglich rückabzuwickeln.
Altersexodus im Mittelstand: 114.000 Betriebe schließen jährlich
Bis 2029 planen 569.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland die Schließung, jährlich seien das etwa 114.000 Betriebe, berichtet KfW Research. Erstmals übersteige damit die Zahl der Stilllegungen die der Nachfolgesuchen. Der Hauptgrund: 57 Prozent der Geschäftsführer seien 55 Jahre oder älter – vor zwei Jahrzehnten habe dieser Anteil erst bei 20 Prozent gelegen. Die Nachfolgesuche scheitere oft am fehlenden Familieninteresse (47 Prozent) und der Bürokratielast (42 Prozent, Rekordwert). Gleichzeitig stiegen die Kaufpreisvorstellungen drastisch: Der Median verdoppelte sich seit 2019 auf 375.000 Euro.
Selbständige starten pessimistisch ins Jahr
Mehr als ein Drittel der Selbständigen erwartet für 2026 eine Verschlechterung der Geschäftslage, wie der Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt. Der Index sank im Dezember auf minus 23,7 Punkte. Nur 14 Prozent rechneten mit besseren Geschäften – die Hälfte mit keiner Veränderung. Die Skepsis sei damit ausgeprägter als in der Gesamtwirtschaft, sagt Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. Zudem falle es mehr als einem Drittel der Befragten schwer, die eigene Entwicklung vorherzusagen. Außerdem berichte fast die Hälfte von Schwierigkeiten beim Kreditzugang.
HANDEL INTERNATIONAL
Italiens Kartellstrafe gegen Amazon schrumpft auf 752 Mio. Euro
Italiens Kartellbehörde hat die Rekordstrafe gegen Amazon wegen Missbrauchs seiner Marktmacht bei Logistikdiensten von ursprünglich 1,128 Mrd. auf 752,4 Mio. Euro reduziert, berichtet Reuters.com. Die Neuberechnung sei Folge eines Urteils eines regionalen Verwaltungsgerichts vom vergangenen September. Die ursprüngliche Strafe stamme aus dem Jahr 2021.
Indiens Arbeitsministerium fordert Quick-Commerce-Anbieter wie Blinkit, Instamart und Zepto auf, ihre Zehn-Minuten-Lieferversprechen aufzugeben, berichtet Techcrunch.com. Minister Mansukh Mandaviya begründe dies mit Sicherheitsrisiken für die Gig-Worker, die letztlich diejenigen sind, die durch den Verkehr hetzen müssten. An Silvester hätten über 200.000 Fahrer in Großstädten protestiert und rechtlichen Schutz sowie bessere Löhne gefordert. Blinkit habe sein Versprechen bereits gelöscht, die Konkurrenten würden folgen.
Deutsch-indisches Logistik-Bündnis für den E-Commerce
Indien und Deutschland schmiedeten in Ahmedabad ein Logistik-Bündnis, das grenzüberschreitenden E-Commerce beschleunigen soll, berichtet Freepressjournal.in. Die Partnerschaft verbinde India Posts Zustellnetz mit der globalen Reichweite von DHL, wodurch zeitdefinierte Lieferungen möglich würden. Indische Unternehmen erhielten verbesserten Zugang zu internationalen Märkten, Transitzeiten sänken, Zuverlässigkeit steige. Das indische Kommunikationsministerium verspricht sich höhere Exportvolumina und gestärkte Teilnahme an globalen Wertschöpfungsketten.
Metaverse verliert gegen KI: 1500 Jobs gestrichen
Meta streicht rund zehn Prozent der Stellen in seiner Reality-Labs-Division, berichtet die New York Times laut Golem.de. Von den 15.000 Mitarbeitern, die an VR-Headsets und virtuellen sozialen Netzwerken arbeiteten, verlören etwa 1500 ihren Job. Die eingesparten Gelder sollen in KI-Forschung fließen – Mark Zuckerberg pumpe Milliarden in superintelligente KI, um mit OpenAI und Google mitzuhalten. Das Metaverse, seit dem Oculus-Kauf 2014 Zuckerbergs große Vision, sei nun nur noch ein Nebenschauplatz.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Künstliche Intelligenz statt mehr Mitarbeiter gegen Betrug
Mehr als die Hälfte der Online-Händler weltweit plant, ihre Personalausgaben für Betrugsprävention trotz steigender Bedrohungen konstant zu halten oder zu senken, so eine Studie von PYMNTS Intelligence. Stattdessen setze die Branche auf sogenannte „Fraud Orchestration“ – zentrale Systeme, die Identitätschecks, Verhaltenssignale und Machine-Learning-Modelle in Echtzeit koordinieren. 85 Prozent der Händler nenne es die größte Herausforderung, Hemmschwellen für legitime Kunden zu minimieren, ohne Betrüger durchzulassen. Fast die Hälfte schätze, dass bis zu fünf Prozent legitimer Bestellungen fälschlicherweise abgelehnt würden – ein Milliardenverlust.
Zwei Drittel der europäischen Konsumenten haben bereits Online-Vorgänge wegen mangelnder Barrierefreiheit abgebrochen, so eine Umfrage von Accessiway. In Deutschland lägen die Abbrüche bei 80,7 Prozent, in Italien sogar bei 84 Prozent. Besonders die Generation Z zeige null Toleranz für schlechte Usability – vier Fünftel der jungen Deutschen hätten bereits frustriert aufgegeben. Die größten Stolpersteine seien nervige Pop-ups, unleserlich kleine Schriften und verwirrende Navigation. Online-Shops ignorierten nicht nur den European Accessibility Act, sondern würden so auch massiv Umsatz verlieren.
E-Mail-Flut im Job steigt auf 53 Nachrichten täglich
Berufstätige erhalten mittlerweile 53 Mails pro Arbeitstag, wie eine Bitkom-Umfrage zeigt. Vor zwei Jahren seien es noch 40, im Jahr 2021 lediglich 26 Nachrichten gewesen. Jeder Siebte kämpfe sogar mit 100 oder mehr Mails täglich, während knapp die Hälfte zwischen zehn und 50 Nachrichten verarbeite. Die E-Mail bleibe die wichtigste berufliche Kommunikationsform – sie funktioniere zuverlässig und schaffe keine Abhängigkeit von einzelnen Plattformen.
Chinas Spitzen-App: „Bist Du tot?“
Auf dem Spitzenplatz der kostenpflichtigen Apps im chinesischen App Store steht seit Anfang Januar „死了么“ – was übersetzt „Bist Du tot?“ bedeutet, berichtet Spiegel.de. Die Anwendung ist eine Art digitaler „Totmannschalter“: Nutzer müssten per Knopfdruck ein tägliches Lebenszeichen geben – nach 48 Stunden Stille werde der angegebene Notfallkontakt per Mail informiert. Aktuell werde die App von rund 12.400, oft älteren, Alleinlebenden genutzt. Der Name allerdings stoße auf allgemeine Kritik – die Entwickler erwögen eine Umbenennung in „Bist du am Leben?“.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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