
Amazon, Plagiarius + Germens, Tiktok + Sucht, Mexiko, Ssense, Kundenkommunikation + KI, 3D-Produktbilder, Valentinstag, AI.com
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Amazon I: Schuh-Spikes für elf Euro, Versand für 2.000 Euro
Marktplatz-Händler bei Amazon verlangen für stark nachgefragte Winterartikel wie Schuh-Spikes und Streusalz teils absurde Versandkosten, berichtet Golem.de. Ein Anbieter habe für Spikes zum Kaufpreis von elf Euro einen Expressversand für 2.000 Euro angeboten. Die Gebühren würden erst im Kassenbereich sichtbar und beträfen ausschließlich Händler, die selbst versenden. Amazon habe zwar einige Anbieter gesperrt, doch Expresslieferungen für bis zu 200 Euro fänden sich immer noch auf dem Marktplatz.
Amazon II: Gegen Kartellamt-Verbot vor Gericht
Amazon fechtet das Verbot automatisierter Preiskontrollen auf dem deutschen Marketplace vor dem Bundesgerichtshof an, berichtet Retail-News.de. Deutschland-Chef Bräuninger kritisiere die Kartellamt-Entscheidung als national motiviert und dem EU-Wettbewerbsrecht widersprechend. Die Verpflichtung, auch offensichtlich überteuerte Angebote prominent zu platzieren, verschlechtere das Einkaufserlebnis und untergrabe das Vertrauen in die Plattform. Zudem belaste die Auflage gerade kleine Händler im grenzüberschreitenden Geschäft. Der Konzern betont, Verkaufspartner könnten ihre Preise weiterhin frei festlegen.
Plagiarius für Fake-Kopien des Germens-Shops
Zwei Fake-Shops kopierten zwischen Juli und November 2025 das Chemnitzer Modelabel Germens samt Logo, Texten und Produktfotos, wie das Unternehmen mitteilt. Die Betrüger hätten hochwertige Designhemden zu Dumpingpreisen angeboten, jedoch ohne zu liefern. Der Fall erhielt auf der Frankfurter Messe Ambiente einen Sonderpreis beim 50. Plagiarius-Negativpreis. Wirtschaftsverbände forderten schärfere Plattformhaftung und verbindliche Regeln gegen das Wiederauftauchen gelöschter Plagiate.
HANDEL INTERNATIONAL
Amazon III: KI-Wette verschreckt Investoren
Amazon erhöht seine Investitionen in KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Satelliten mit 200 Mrd. Dollar um mehr als die Hälfte, berichtet Heise.de. Der Sprung überrasche Analysten, die mit 146,6 Mrd. Dollar gerechnet hätten. Trotz starker Zahlen – der Cloud-Umsatz sei im vierten Quartal um 24 Prozent auf 35,6 Mrd. Dollar gestiegen, das Handelsgeschäft habe 213,4 Mrd. Dollar eingebracht – fiel die Aktie nachbörslich um bis zu elf Prozent.
13 der 30 umsatzstärksten Schweizer Online-Shops seien Marktplätze, analysiert Carpathia.ch. Anders als in den Nachbarländern führe Amazon nicht die Rangliste an – vor ihm lägen Zalando, Galaxus und Digitec; danach folge Ricardo auf Platz fünf mit nur 100 Mio. Franken weniger Umsatz. Die Plattformen funktionierten nach unterschiedlichen Logiken: Reichweiten-Marktplätze wie Galaxus böten zwar Millionenpublikum, machten Händler aber abhängig. Kategorie-Plattformen wie Zalando passten zur Zielgruppe, kannibalisierten aber eigene Verkaufskanäle. Preisgetriebene Anbieter wie Temu schädigten den Markenwert.
Die EU-Kommission wirft TikTok ein „süchtig machendes Design“ vor, das gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste verstoße, meldet Tagesschau.de. Unendliches Scrollen, automatisch startende Videos und ein hochpersonalisiertes Empfehlungssystem versetzten das Gehirn in einen „Autopilot-Modus“. Die Plattform habe bei der eigenen Risikobewertung die Risiken für Minderjährige nicht ausreichend bewertet. TikTok weise die Vorwürfe als „kategorisch falsch“ zurück. Parallel müsse sich Tiktok, neben Meta und Youtube, auch in den USA wegen Suchtvorwürfen vor Gericht verantworten, wie Morning Briefing berichtete.
Mexikos E-Commerce überflügelt den stationären Handel
Mexikos Online-Handel wächst siebenmal schneller als der stationäre Einzelhandel, berichtet Mexicobusiness.news. Die Mitgliedsketten des Handelsverbands ANTAD steigerten 2025 ihre digitalen Umsätze um fast 24 Prozent auf umgerechnet 4,25 Mrd. Euro, während seit mindestens einem Jahr bestehende Läden nur 3,1 Prozent zulegten. Warenhäuser verbuchten online ein Plus von 26,9 Prozent, Selbstbedienungsformate 16,2 Prozent. 85 Prozent aller Käufe erfolgten per Smartphone. Der Online-Anteil am Gesamtumsatz dürfte 2026 bei 17,7 Prozent liegen – ein Niveau, das ungefähr den USA entspreche.
Gericht erlaubt Ssense-Rückkauf trotz 135 Mio. Euro Schulden
Ein kanadisches Gericht genehmigte den Rückkauf des insolventen Luxusmode-Online-Händlers Ssense durch die Gründer Rami, Firas und Bassel Atallah, berichtet Retail-News.de. Die Brüder wollten gemeinsam mit privaten Investoren das Unternehmen wieder übernehmen, das im Herbst Gläubigerschutz beantragt habe. Trotz einer Zwischenfinanzierung von 27 Mio. Euro bestünden Verbindlichkeiten von rund 135 Mio. Euro. Gläubiger unter Führung der Bank of Montreal seien mit ihrem Versuch gescheitert, eine Liquidation durchzusetzen. Der Deal benötige noch regulatorische Genehmigungen.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Radikale Veränderung: Kundenkommunikation im KI-Zeitalter
Marilyn Repp, CEO von „The Community Building Company“, analysiert bei Etailment.de, wie KI und Algorithmen Social Media von sozialen Räumen zu Distributionsmaschinen verwandelt haben – und warum Online-Händler mit Haltung und Expertise statt austauschbarem Content punkten müssen.
Dreidimensionale Produktdarstellungen steigern die Konversionen um bis zu 94 Prozent und senken Retourenquoten um durchschnittlich 35 Prozent, so eine aktuelle Analyse des Bundesverbands Digitale Wirtschaft. Intershop melde Konversions-Verbesserungen von 50 Prozent; Werbefilm.de beobachte ein um 49 Prozent höheres Engagement – bei gleichzeitig 38 Prozent kürzerer Kaufentscheidungszeit. Die Technologie entwickle sich vom Experiment zur Infrastruktur, schreibt Studienautor Arnold Pötsch. KI-gestützte Erstellung beschleunige Produktionen so drastisch, dass Verfügbarkeit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werde. Im B2B-Bereich könnte die Wirkung noch größer ausfallen als im Endkundengeschäft.
Valentinstag in der Suchmaschine
Deutsche suchen zum Valentinstag verstärkt nach Sneakern statt nach Schmuck, meldet Google. Die Adidas Spezial-Kollektion in „Sandy Pink“ und die italienische Schreibwarenmarke Legami verzeichneten „Breakout“-Status. Lego-Blumen aus der Botanical Collection ersetzten zunehmend den Floristen. Besonders auffällig: Das Suchvolumen für „Valentinstag Geschenk Mann“ sei um über 250 Prozent gestiegen, während sich Anfragen nach „Schenken Frauen Männern was?“ binnen einer Woche verdoppelt hätten. DIY-Geschenke legten um 120 Prozent zu, Single-Events um 230 Prozent – Erlebnisse rangierten bei der Suche vor gekauften Produkten.
70 Mio. Dollar für die Domain AI.com
Kris Marszalek, Chef der Kryptobörse Crypto.com, erwarb die Domain AI.com für 70 Mio. Dollar in Kryptowährung – der höchste öffentlich bekannte Domain-Preis, wie Heise.de berichtet. Unter der Adresse starte eine Plattform für autonome KI-Agenten, die eigenständig Nachrichten versenden, Arbeitsabläufe organisieren oder Aktien handeln sollen. Das Besondere: Die Agenten entwickelten fehlende Funktionen selbst und teilten Verbesserungen im Netzwerk. Nutzer könnten kostenlos oder per Abo mehrere Assistenten erstellen, alle Daten würden verschlüsselt gespeichert.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge