
KI-Suche, BNPL + Rechungskauf, Digitaler Euro, Lidl + Schweiz, Kuaishou, Digital Fairness Act, ChatGPT-Werbung, KI-Traffic
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von Etailment.de.
HANDEL NATIONAL
Jeder Dritte fragt die KI, nicht die SuchmaschineKI-Assistenten sind laut einer Yougov-Analyse zur zweitwichtigsten Informationsquelle der deutschen Online-Nutzer aufgestiegen, berichtet Retail-News.de. 39 Prozent griffen zu Chatbots, während 79 Prozent weiter Suchmaschinen bevorzugten. Allerdings sei das Vertrauen in die Antworten der KI nicht besonders hoch. Gewünscht seien nachvollziehbare Erklärungen, verlässliche Quellenangaben und eine stärkere Anlehnung an offizielle Informationen.
Brüssel nimmt sich BNPL und Rechnungskauf vor
Am 20. November 2026 tritt die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie CCD II in Kraft und erfasst beliebte Zahlarten wie Rechnungskauf, Ratenkauf und BNPL, meldet Haendlerbund.de. Bislang ausgenommene Kleinkredite und Zahlungsaufschübe unterlägen künftig dem Verbraucherkreditrecht. Den Löwenanteil der Pflichten schulterten die Zahlungsdienstleister, doch Händler blieben bei Werbung, Checkout und Kundeninfos gefordert. So verlange Finanzierungswerbung künftig einen Warnhinweis zu Kreditrisiken, und im Bestellprozess seien vorangekreuzte Zusatzleistungen wie Versicherungen nicht mehr erlaubt.
Keiner versteht den digitalen Euro
Obwohl der digitale Euro gerade in den Trilogverhandlungen in einen rechtlichen Rahmen gegossen wird, haben 41 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren noch nie von ihm gehört, wie Bitkom.org meldet. Und selbst wer schon einmal von ihm gehört habe, tut sich schwer: Nur acht Prozent könnten plausibel erklären, worum es sich beim neuen EZB-Zentralbankgeld handele. 23 Prozent wüssten „ungefähr“ Bescheid, 21 Prozent würden nur den Begriff kennen.
HANDEL INTERNATIONAL
Lidl testet steuerfreien Einkauf für Schweizer
Lidl testet als erster Lebensmittelhändler die Zoll-App „dAKZ“, die für Schweizer Kunden in Deutschland die Mehrwertsteuererstattung digital abwickelt, meldet Retail-News.de. Die App erkenne den Grenzübertritt automatisch und erstelle den Ausfuhrnachweis, wodurch der Papierstempel an der Grenze entfalle; nur in Einzelfällen kontrolliere der Zoll noch physisch. Getestet werde in 25 grenznahen Filialen, wo Kunden lediglich ihre digitale Karte vorzeigten. Lidl ziehe eine positive Zwischenbilanz, räume aber ein, dass die Registrierung noch zu aufwändig sei.
Kuaishou, Chinas dienstältester Kurzvideo-Anbieter, hat sein Geschäft in drei Sparten zerlegt: Marken, Influencer und nicht markengebundene Händler, meldet 35kr.com. Gleichzeitig habe man ein Betrugsmodell verboten, dass sich als „Gefälschte Lebensdramen mit anschließendem Warenverkauf per Live-Verbindung“ summieren lasse. Beide Schritte sollen die Wiederkaufsrate beleben, da das Wachstum stocke: Der GMV-Zuwachs sei von 78 Prozent (2021) auf 15 Prozent (2025) gefallen; im vierten Quartal 2025 habe die Plattform acht Mio. täglich aktive Nutzer verloren.
Digital Fairness Act nimmt auch kleine Händler ins Visier
Die EU nimmt mit ihrem geplanten „Digital Fairness Act“ künftig auch kleine Online-Händler und Spielehersteller ins Visier, berichtet Heise.de. Bislang zielten DMA und DSA vor allem auf Großanbieter wie Google, Shein und Temu; gegen kleinere Firmen habe es keine Verfahren gegeben. Der DFA solle diese Lücke schließen und zugleich Abofallen sowie Dark Patterns bekämpfen, besonders zum Schutz Minderjähriger. Die erste Fassung folge Ende 2026.
TRENDS & TECHNOLOGIE
ChatGPT-Werbung: Deutschland wartet noch auf seinen Slot
Software-Anbieter Monday.com belegt mit 4,3 Prozent aller Anzeigen den Spitzenplatz unter den Werbetreibenden auf ChatGPT, zitiert Onlinemarketing.de eine Untersuchung von Similarweb. Dahinter reihten sich Jotform (2,4 Prozent) und Shopify (2,1 Prozent) ein. Auffällig sei die geografische Schieflage: 70,9 Prozent der Ads liefen in den USA, die EU bleibe vorerst außen vor. Ein Start in Deutschland zeichne sich allerdings ab, OpenAI suche bereits Ad-Manager für München.
KI-vermittelte Shopper konvertieren 42 Prozent besser als anderer Traffic, bleiben länger und geben mehr aus, berichtet Retaildive.com. Der Vorteil verpuffe jedoch nach dem Klick: Pro zusätzlicher Lade-Sekunde sinke die Konversion um 17 Prozent, 53 Prozent der Mobilnutzer verließen zu langsame Seiten. Erschwerend liefere mehr als die Hälfte der Shops eine schwache Suchfunktion, die KI-Kunden wieder in die Katalog-Logik zwinge. Wer den Gesprächsfaden der KI nicht aufnehme, werde ein zweites Mal unsichtbar.
Zaras Todeshose: Wenn der Saum zur Stolperfalle wird
Unter dem Hashtag #deadlyzarapants filmen sich Tiktok-Nutzende reihenweise im Krankenhaus-Wartezimmer, meldet Fashionunited.de. Schuld sei eine fließende Zara-Hose für 22,95 Euro, so weit und lang, dass Tragende über den eigenen Saum stolperten und mit aufgeschlagenen Knien auf dem Bürgersteig landeten. Rechtlich handle es sich natürlich nicht um ein fehlerhaftes Produkt, da das Risiko offen und offensichtlich sei.
NACHHALTIGKEIT
Irland: Rechenzentren überholen bald den privaten Stromverbrauch
Irlands Rechenzentren verschlingen inzwischen 23 Prozent des nationalen Stroms, ein Plus von 360 Prozent binnen zehn Jahren, meldet Techradar.com. Bei diesem Tempo überholen die Server den Haushaltsanteil von 28 Prozent in der nahen Zukunft. Darum müssten neue Großanlagen künftig eigene Erzeugung vor Ort organisieren und binnen sechs Jahren 80 Prozent ihres Stroms aus neuen Erneuerbaren ziehen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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