
Commerzbank + Wero, Sparneigung, Insolvenzen, Amazon, Paypal, ChatGPT-Werbung, Temu, Baidu, Voice Assistents
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Commerzbank steigt bei Wero ein
Die Commerzbank wird sich am europäischen Bezahldienst Wero beteiligen, wie Computerbild.de berichtet. Dies beende die anderthalbjährige Zurückhaltung der zweitgrößten deutschen Privatbank. Das Trauma des gescheiterten Vorgängers Paydirekt und finanzielle Zwänge hätten die Bank bislang abwarten lassen. Wero positioniere sich als Alternative zu PayPal, Visa und Mastercard und ermögliche außer Handy-zu-Handy-Zahlungen auch Online-Bezahlungen bei momentan 185 Händlern. Neben Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Deutschen Bank wolle auch N26 den Dienst integrieren.
Sparneigung trifft Freizeit härter als Lebensmittel
Deutsche sparen vorrangig bei Kulturausgaben statt bei Lebensmitteln, berichtet Proplanta.de. 42 Prozent der Befragten drosselten ihre Ausgaben für Kino, Theater, Konzerte und Restaurant, während nur 14 Prozent beim Lebensmitteleinkauf kürzer träten. Auch Urlaub (34 Prozent), Möbel (32 Prozent) und Bekleidung (29 Prozent) stünden auf der Sparliste. Junge Erwachsene zwischen 18 und 34 Jahren machten eher bei Essen und Kleidung Abstriche, gönnten sich jedoch weiterhin Freizeitvergnügen. Die Zurückhaltung dürfte mit der Inflation zusammenhängen: Seit 2020 seien die Verbraucherpreise um 23 Prozent gestiegen.
Unternehmensinsolvenzen steigen 0,4 Prozent
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland stieg im November um 0,4 Prozent auf 1794 Fälle, meldet das Statistische Bundesamt. Von Januar bis November seien es bereits 10 Prozent mehr Fälle als im Vorjahreszeitraum gewesen. Die Gläubigerforderungen schrumpften allerdings von 2,8 auf 1,5 Mrd. Euro – ein Hinweis darauf, dass vorwiegend kleinere Unternehmen betroffen seien. Auch Verbraucher gerieten häufiger in finanzielle Schieflage: Ihre Insolvenzen stiegen im November um 7,3 Prozent.
HANDEL INTERNATIONAL
Amazon verliert in der Schweiz an Tempo
Amazons Umsätze sind in der Schweiz 2025 nur im mittleren einstelligen Bereich gewachsen, schätzt Carpathia.ch. Das wirke „blass“ verglichen mit den Zahlen von Digitec Galaxus. Der globale Umsatz des Konzerns sei um zwölf Prozent auf 717 Mrd. Dollar gestiegen. Auch in Deutschland sei der Konzern nur halb so schnell gewachsen: Der geschätzte Handelsumsatz – Eigenhandel plus Marktplatz – habe lediglich um 4,7 Prozent auf 52,7 Mrd. Euro zugelegt.
Paypal startet im zweiten Quartal eine KI-Reiseplattform mit Sabre und Mindtrip, meldet Ad-Hoc-News.de. Nutzer könnten Reisepläne in natürlicher Sprache beschreiben, ein KI-Assistent schlage personalisierte Optionen vor und ermögliche Buchung samt „Pay Later“-Funktion in einem Vorgang. Der Schritt folge verheerenden Quartalszahlen: Der Umsatz von 8,68 Mrd. Dollar und ein Gewinn von 1,23 Dollar je Aktie hätten enttäuscht, das Kerngeschäft „Branded Checkout“ sei nur um ein Prozent gewachsen. Die Aktie sei seit Jahresbeginn um über 30 Prozent gefallen.
Österreich: Rechnungshof nimmt Online-Shops ins Visier
Österreich nahm 2023 rund 1,26 Mrd. Euro Umsatzsteuer von ausländischen Online-Händlern ein, kontrollierte deren Geschäfte aber kaum, kritisiert der Rechnungshof laut ORF.at. Von 148.000 im One-Stop-Shop registrierten Unternehmen seien bis Januar 2025 gerade 20 geprüft worden, eine automatisierte Risikoanalyse fehle komplett. Bei Kleinsendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten bestehe „massives“ Betrugspotenzial, weil Zoll- und Steuerdaten oft nicht verknüpft seien. Der Rechnungshof fordere Personal, Automatisierung und ein EU-weites Zuordnungssystem – sonst drohe heimischen Händlern Wettbewerbsverzerrung.
Target, Albertsons und Williams-Sonoma werben jetzt im Chatbot
Albertsons, Target und Williams-Sonoma testen als erste Händler Werbeanzeigen in ChatGPT, wie Digitalcommerce360.com berichtet. Die seit Anfang Februar laufende Pilotphase zeige eingeloggten US-Nutzern der kostenlosen und und der Go-Variante (acht Dollar monatlich) kontextbezogene Anzeigen, die klar vom Chatbot-Text getrennt seien. Target verzeichne bereits 40 Prozent Wachstum beim Traffic von ChatGPT zur eigenen Website. Analysten beobachteten einen Paradigmenwechsel: Statt Websites könnten Chatbots zur primären Einkaufsumgebung werden – wer hier früh präsent sei, sichere sich Marktanteile.
Temu spielt in der Türkei nach neuen Regeln
Temu verkauft wieder in der Türkei, nachdem das Land vereinfachte Zollverfahren für Waren unter 30 Euro abgeschafft hat, berichtet Hurriyetdailynews.com. Die zuvor weitgehend inaktive türkische Tochter Whaleco Turkey Teknoloji übernehme nun die komplette Importabwicklung, Steuern würden direkt beim Kauf eingezogen. Die neue Struktur beende Temus bisherige Vorzugsbehandlung: Der Konzern unterliege künftig denselben Sicherheitschecks wie andere Importeure und trage selbst die Zölle, was sich auf die Preise auswirken dürfte.
Handelsüberschuss der EU schrumpft trotz Exportplus
Die EU erzielte 2025 einen Handelsüberschuss von 133,5 Mrd. Euro, wie Eurostat mitteilt. Das seien 7,1 Mrd. Euro weniger als im Vorjahr. Die Exporte seien um 2,0 Prozent auf 2.645 Mrd. Euro gestiegen, die Importe aber noch deutlicher mit 2,4 Prozent auf 2.511 Mrd. Euro. Der Handel innerhalb der EU habe um 2,6 Prozent auf 4.143 Mrd. Euro zugelegt – ein stärkeres Wachstum als im Außenhandel.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Markttrend: E-Commerce wächst – nur nicht bei allen
Der deutsche E-Commerce wächst wieder – doch die Gewinne verteilen sich höchst ungleich. Während die Marktplätze florieren, sähen reine Onlinehändler ihre Margen von 7,4 auf 0,8 Prozent schrumpfen. Die Analyse auf Etailment.de.
Baidu integriert den KI-Agenten Openclaw direkt in seine Haupt-Suchmaschine, die monatlich 700 Mio. aktive Nutzer hat, berichtet Cnbc.com. Bisher sei der Open-Source-Agent nur über Messenger wie Whatsapp zugänglich gewesen, nun könne er direkt über die Such-App Termine planen, Dateien organisieren und Code schreiben. Der Schachzug erfolge strategisch kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest. Allerdings warnen Experten vor unbeschränktem Systemzugang für solche Agenten, auch WDR.de weist auf „gewaltige Sicherheitslücken“ hin.
Online-Shopper wollen mit dem Shop sprechen
Deutsche Online-Käufer zeigen sich ungewöhnlich aufgeschlossen für Sprachassistenten, zitiert Markenartikel-Magazin.de eine Studie von Akeneo. 43 Prozent wünschten sich „Voice Assistants“, die Produktmerkmale erklären und Fragen beantworten. Insgesamt seien 42 bis 47 Prozent offen für digitale Beratungstechnologien wie Chatbots oder „Augmented Reality“ – deutlich mehr als in anderen Märkten, wie den Niederlanden mit nur 31 Prozent. Besonders „Voice Payment“, also vollständige Käufe per Sprachbefehl, gewinne an Bedeutung.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge