
DM-Apotheke, Ceconomy, Meta + Telekom, Dekra + Temu, AI Act, Digitaler Euro, Jd.com, Amazon, Westwing + DHL
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Klage gegen DM: Drogerie oder Apotheke?
Die Wettbewerbszentrale verklagt DM wegen des Arzneimittelversands unter der Marke „DM-Med“, berichtet Pharmazeutische-Zeitung.de. Die Drogeriekette verschicke seit Mitte Dezember nicht rezeptpflichtige Präparate aus dem tschechischen Bor und vermische dabei unzulässig Drogerie- mit Apothekensortiment. Eine „Apothekenecke“ im stationären Handel wäre verboten – online gelte nichts anderes. DM habe die Abmahnung ignoriert und keine Unterlassungserklärung abgegeben. Die Zentrale bezweifle zudem, ob durch Ausweichen ins nahe Ausland eine günstigere Rechtslage geschaffen werden könne.
Ceconomy verdient 30 Prozent online
Die Mediamarkt-Saturn-Mutter Ceconomy steigerte ihren Umsatz im ersten Quartal 2025/26 um 3,4 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro, meldet Retail-News.de. Der Online-Anteil habe erstmals die 30-Prozent-Schwelle überschritten – ein Rekord außerhalb der Pandemie. Retail Media wachse deutlich zweistellig; Services wie Garantieverlängerungen und Geräteschutz sowie die Eigenmarken stärkten die Marge. Die Kundenzufriedenheit erreiche mit einem Net Promoter Score von 61 ein Allzeithoch.
Meta schuldet Telekom 30 Mio. Euro
Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt die Meta-Tochter „Edge Network Services“ zur Zahlung von 30 Mio. Euro an die Deutsche Telekom, berichtet Golem.de. Meta habe im März 2021 den Vertrag für IP-Transit gekündigt, da man sich nicht auf einen Rabatt einigen konnte – 40 Prozent forderte Meta, 16 bot die Telekom. Trotz Kündigung habe Meta weiterhin Daten für Facebook, Instagram und Whatsapp durch das Telekom-Netz geleitet. Das Gericht sehe darin ein „schlüssiges Verhalten“, das einen neuen entgeltlichen Vertrag begründe.
Dekra prüft künftig Elektronik für Temu
Temu integriert laut Pressemitteilung die Angebote des internationalen Prüfkonzerns Dekra direkt in sein Seller Center. Händler könnten dann ausgewählte Elektronik-Kategorien – von Auto-Elektronik bis zu Haushaltsgeräten – durch die Dekra testen lassen, bevor sie ihre Ware listen. Bestimmte Produktgruppen wie Spielzeug oder Heizgeräte verlangten bereits heute Compliance-Nachweise anerkannter Prüfinstitute. Temu verdoppele 2026 seine Investitionen in Produktsicherheit auf 200 Mio. Dollar und arbeite mittlerweile mit über 20 internationalen Prüforganisationen zusammen.
Das Bundeskabinett hat gestern das Durchführungsgesetz zum EU AI Act beschlossen, berichtet der Bitkom. Die Bundesnetzagentur werde künftig als zentrale Stelle im Behördenverbund fungieren. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst warne, der AI Act treffe auf eine komplexe deutsche Behördenstruktur – mit nur etwa 60 zusätzlichen Mitarbeitern für umfassende Aufgaben. Ohne eigenen KI-Einsatz der Behörden und schnelle Anerkennung unabhängiger Prüfstellen drohe ein Innovationsstillstand wie bei der Medizinprodukteverordnung.
Handel will digitalen Euro – aber nicht zum Kreditkarten-Preis
Der Handelsverband Deutschland unterstützt laut Medienmitteilung den digitalen Euro als Gegenmittel zur Abhängigkeit von US-Zahlungssystemen, fürchtet aber das Scheitern durch überbordende Komplexität. Der deutsche Einzelhandel wickle jährlich 20 Mrd. Transaktionen ab und leide unter steigenden Kosten durch amerikanische Kartensysteme. Das geplante Kompensationsmodell bedeute faktisch die Übernahme ineffizienter Kreditkarten-Gebührenstrukturen. Statt prozentualer Entgelte fordere der HDE maximal vier Cent pro Transaktion, auch weil für die Banken kein Kreditrisiko bestehe.
HANDEL INTERNATIONAL
JD.com bringt eigenen Lieferdienst nach Europa
JD.com, Chinas umsatzstärkster Online-Händler, startet laut Pressemitteilung mit Joyexpress einen eigenen Lieferdienst in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. Der Service unterstütze zunächst die neue Europa-Plattform Joybuy, die im März aus der Beta-Phase komme. In Großstädten liefere Joyexpress am selben oder nächsten Tag, bei Haushaltsgroßgeräten inklusive Installation. Die Flotte umfasse bereits über 60 Lager und Depots, von denen die LKWs, Vans und E-Bikes ausrücken würden. Später solle der Dienst auch Drittanbietern offenstehen.
Amazon arbeitet offenbar an einem Marktplatz, auf dem Medienhäuser ihre Inhalte an KI-Unternehmen lizenzieren können, berichtet Techcrunch.com. Das Unternehmen habe bereits Verlagschefs über die Pläne informiert und vor einer AWS-Konferenz entsprechende Präsentationen zirkulieren lassen. Microsoft betreibe bereits eine ähnliche Plattform. Die Initiative reagiere auf die Flut von Urheberrechtsklagen gegen KI-Firmen und sinkende Website-Zugriffe durch KI-generierte Zusammenfassungen in Suchmaschinen. Verlage erhofften sich durch das Marktplatz-Modell skalierbare Einnahmen – als Gegengift zur schleichenden Entwertung ihrer Arbeit.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Digitalisierung wird zur Überlebensfrage
Digitale Vorreiter im europäischen Einzelhandel sind zwischen 2019 und 2024 fast doppelt so schnell gewachsen wie ihre analogen Konkurrenten, zitiert Retail-News.de eine Zühlke-Studie. Während digitale Champions ihre Vorsteuergewinne um 47 Prozent steigerten, rutschten die Nachzügler um 13 Prozent ab. Besonders Omnichannel-Anbieter hielten stabile Margen um fünf Prozent, während reine Online-Händler zunehmend Verluste verzeichneten. Die Crux: Drei Viertel der Unternehmen strebten modulare Systemlandschaften an, doch nur ein Drittel setze dies um – gebremst durch voneinander isolierte IT-Lösungen und den Fachkräftemangel.
Wirtschaft ohne Internet: Nach 20 Stunden ist Schluss
Deutsche Unternehmen könnten bei einem Internetausfall ihren Betrieb im Schnitt nur 20 Stunden aufrechterhalten, zeigt eine Bitkom-Befragung. Jedes fünfte müsse sofort schließen, nur acht Prozent hielten länger als 48 Stunden durch. Dabei erwarteten 83 Prozent eine ernsthafte Krise durch hybride Angriffe, gut die Hälfte rechne sogar mit einer militärischen NATO-Russland-Konfrontation binnen fünf Jahren. Trotz dieser Einschätzung halte sich kein einziges Unternehmen für sehr gut vorbereitet – nur zwölf Prozent sähen sich überhaupt einigermaßen gerüstet.
Zoll prüft 20.000 Artikel – 84 Prozent gefährlich
Eine EU-Zollkontrolle stufte 84 Prozent der im Labor geprüften Spielzeuge und Elektronikartikel aus Drittstaaten als gefährlich ein, berichtet die Beratungsgesellschaft SKR. Von 20.000 kontrollierten Produkten hätten mehr als die Hälfte die EU-Normen verfehlt. Täglich erreichen über zwölf Mio. Pakete die Union – kontrolliert würden davon 0,008 Prozent. Die geplante Drei-Euro-Pauschale ab Juli 2026 lindere das Problem nicht, Plattformen wie Temu würden dann auf Containerimporte und EU-Lager umstellen.
NACHHALTIGKEIT
Mode-Riesen bündeln Nachhaltigkeits-Abfragen
Zalando, About You und fünf weitere Modehändler starten laut Pressemitteilung einen gemeinsamen Fragebogen und eine kostenlose digitale Plattform, um die Flut an Nachhaltigkeits-Abfragen einzudämmen. Der „Retailer Brand Due Diligence Questionnaire“ vereinheitliche erstmals die Prüfung von Menschen- und Umweltrechten in Lieferketten nach OECD-Standards. Die Plattform „One Retail Hub“ ermögliche Marken, ihre Antworten KI-gestützt auszufüllen und mit allen teilnehmenden Händlern gleichzeitig zu teilen – statt auf fragmentierte Einzelanfragen zu reagieren.
Der Münchner Online-Händler Westwing weitet die Zusammenarbeit mit DHL aus und verspricht schnellere Lieferzeiten sowie klimafreundlichere Zustellung, berichtet Retail-News.de. Künftig würden alle Sendungen über DHLs Gogreen-Plus-Programm mit alternativen Kraftstoffen und Elektromobilität laufen; papierbasierte Verpackungen ersetzten Plastik komplett. Ein neues DHL-Logistikzentrum in Polen, nur zwei Kilometer vom Westwing-Lager entfernt, verkürze zudem die Transportwege – deutsche Kunden erhielten ihre Bestellungen teilweise binnen zwei Tagen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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