3D-Illustration zu E-Commerce-Themen: Optik, Payment, Mode und Marktplätze
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Mister Spex, Testsiegel, europäische Payment-Allianz, Bol, Vestiaire Collective, Tiktok Shop UK, Social-Media-Verbote, Klarna

Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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HANDEL NATIONAL

Mister Spex schrumpft sich weiter gesund
Mister Spex bestätigt in einer Medienmitteilung seine Jahresprognose, obwohl der Umsatz 2025 um 18 Prozent auf 178 Mio. Euro sank. Der Omnichannel-Brillenhändler habe bewusst internationale Niederlassungen geschlossen und Rabattaktionen zurückgefahren, was das bereinigte Wachstum auf acht Prozent steigen ließ. Das Abo-Modell „Switch“ sei mittlerweile für 16 Prozent des Store-Umsatzes verantwortlich. Kunden zahlten für Korrektionsbrillen im Schnitt 20 Prozent mehr als im Vorjahr – getrieben durch Premium-Gläser und das Switch-Modell, dessen Abonnenten einen 2,4-fach höheren Bestellwert aufwiesen.

Händler haften für gekaufte Testsiegel
Ein Online-Händler, der seine Website mit einem „Testsieger“-Siegel geschmückt hatte, wurde laut Anwalt.de vom Landgericht Bochum wegen irreführender Werbung verurteilt. Der Beklagte hatte sein Produkt einem externen Anbieter zum bezahlten Test zugesandt, der das Siegel vergab, obwohl nachweislich kein Vergleich mit anderen Produkten stattgefunden habe. Das Gericht sehe die Bezeichnung als Verstoß gegen § 5 UWG, da Verbraucher bei „Testsieger“ einen Vergleich erwarteten. Händler hafteten auch für gekaufte Siegel externer Anbieter – Regressansprüche gegen diese seien oft möglich, aber nur bei rechtzeitiger Mangelanzeige.

Einzelhandel wächst überraschende 2,7 Prozent
Der deutsche Einzelhandel legte 2025 real um 2,7 Prozent zu, berichtet das Statistische Bundesamt. Der Zuwachs übertreffe die Januar-Schätzung um 0,3 Prozentpunkte. Besonders der Online-Handel habe mit einem Plus von 10,1 Prozent zum Wachstum beigetragen – allerdings verstärkt durch einen Sondereffekt: Die Umstrukturierung eines „größeren Versandunternehmens“ im August 2024 habe bisher nicht erfasste Umsätze in die Statistik gespült. Gemeint ist wahrscheinlich Amazon, wie Business-Punk.com vermutet.

Verbraucher hoffen, aber horten weiter
Die Verbraucherstimmung steigt im Februar auf den höchsten Stand seit Sommer 2025, wie das Konsumbarometer des HDE zeigt. Die Kaufzurückhaltung nehme jedoch kaum ab, die Sparneigung bleibe hoch – die geopolitischen Turbulenzen verunsicherten weiter. Dennoch blickten Konsumenten optimistischer auf Konjunktur und Einkommen als die Unternehmen. Der private Konsum dürfte in den nächsten Monaten zunehmen, eine spürbare Erholung setze aber erst bei nachhaltigem Aufschwung ein.


HANDEL INTERNATIONAL


Fünf Zahlungsdienstleister schmieden europäische Allianz
Fünf europäische Zahlungsdienstleister – Bancomat, Bizum, EPI, Sibs und Vipps MobilePay – schließen sich zu einer paneuropäischen Payment-Allianz zusammen, wie Epicompany.eu meldet. Die Koalition umfasse 130 Mio. Nutzer in 13 Ländern und decke damit 72 Prozent der Bevölkerung in der EU und Norwegen ab. Eine zentrale Interoperabilitäts-Plattform solle ab 2026 grenzüberschreitende Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichen, 2027 dann auch E-Commerce und Kartenzahlungen am Point-of-Sale. Die bestehenden Marken blieben erhalten, ein gemeinsames Badge zeige Kunden künftig, wo ihre gewohnte Lösung europaweit funktioniere.

Bol öffnet Fulfillment-Netzwerk für Externe
Bol, der größte niederländische Marktplatz, öffnet sein Fulfillment-Ökosystem für externe Logistikfirmen, berichtet Ecommercenews.eu. Bislang konnten die 45.000 Verkäufer nur Bol selbst mit der Lagerabwicklung beauftragen – künftig stünden ihnen auch Drittanbieter zur Verfügung. Das Ziel sei noch schnellere Lieferung. Die Vorzüge des Select-Programms (Bols Version von Amazon Prime) wie kostenlose Zustellung würden wohl auf das externe Netzwerk übertragen. Gleichzeitig baue die Tochterfirma Ampère die Last-Mile-Logistik mit eigenen Abholpunkten und Zustelldiensten aus.

Britischer E-Commerce: Hund statt Hose, Europa statt USA
Im vierten Quartal wurden im britischen E-Commerce 48,7 Mio. Pakete versandt, ein Plus von 17 Prozent, berichtet Channelx.world. Auffallend sei die sehr spezifische Nachfrage gewesen: So hätten vor allem Haustierbedarf (plus 35 Prozent) und Beauty (plus 10 Prozent) profitiert, was den Rückgang bei Mode (minus neun Prozent) und Haushaltswaren (minus 25 Prozent) mehr als ausgleichen konnte. Da Nordamerika-Verkäufe durch Zölle ungefähr ein Drittel einbrachen, verkauften britische Online-Händler verstärkt nach Deutschland (plus 35 Prozent), Polen (plus 27 Prozent), Belgien (plus 30 Prozent) und Dänemark (plus 23 Prozent).

Vestiaire Collective prüft Luxusmode mit KI
Die Recommerce-Plattform Vestiaire Collective, die sich der 200-Mio.-Euro-Umsatzmarke nähert, setzt laut Retail-News.de auf Künstliche Intelligenz für automatisierte Produkterkennung, Bildoptimierung und eine personalisierte Nutzererfahrung. Dies werde aber weiterhin mit menschlicher Expertise bei der Authentifizierung kombiniert. Mit vier Hebeln – Vertrauen durch Expertenprüfung, Nachhaltigkeit als Markenkern, technologischer Vorsprung und globale Skalierung – wolle das Unternehmen neue Branchenstandards etablieren.

Schnellstwachsender Online-Händler in UK: Tiktok Shop
Tiktok Shop hat sich 2025 zum viertgrößten Beauty-Händler im Vereinigten Königreich entwickelt, meldet Retail-News.de. Die Plattform sei mit 60 Prozent Jahreswachstum der schnellsten wachsende Online-Händler Großbritanniens gewesen, allein im November seien alle zwei Sekunden fünf Produkte verkauft worden. Besonders koreanische Marken wie Medicube hätten profitiert – deren „Zero Pore Pads“ verzeichneten 400 Prozent mehr Suchanfragen. Auf Tiktok virale Produkte landeten anschließend im stationären Handel: Die Kosmetikmarke „The Beauty Crop“ habe so den Sprung in die Regale der Drogeriekette Boots geschafft.

Schweizer Einzelhandel legt 2,9 Prozent zu
Der Schweizer Einzelhandel steigerte seine Umsätze gegenüber dem Vorjahr im Dezember real um 2,9 Prozent, meldet Handelszeitung.ch. Besonders die Festtage hätten die wichtigste Verkaufszeit befeuert. Nahrungsmittel, Getränke und Tabak legten um 2,1 Prozent zu, während Treibstoffe 4,6 Prozent verloren. Bekleidung und Schuhe stagnierten.


Social-Media-Verbote: Reichweite leidet mehr als Umsatz
Social-Media-Verbote für Jugendliche breiten sich aus: Australien hat bereits eines umgesetzt und Frankreich könnte bald folgen. Warum der Umsatzeffekt überschaubar sein, aber Markenreichweite und Kommunikation massiv leiden könnten, erläutert Managing Director Tobias Göbbel von der Unternehmensberatung Accenture im Etailment-Interview.

Klarna nutzt Googles KI-Commerce-Protokoll
Klarna schließt sich Googles „Universal Commerce Protocol“ an, wie Marketscreener.com berichtet. Der offene Standard ermögliche KI-Agenten, über den gesamten Einkaufsprozess hinweg zusammenzuarbeiten – von der Produktsuche bis zum Kundendienst. Verbraucher könnten so direkt in KI-Chatfenstern einkaufen. Die Unterstützung baue auf Klarnas frühere Integration von Googles „Agent Payments Protocol“ auf und erweitere die langjährige Partnerschaft, die bereits Google Pay und den Google Store umfasse.

KI-bedingte Kündigungen oder „AI Washing“?
Über 50.000 Beschäftigte verloren 2025 ihre Jobs, laut offizieller Angaben wegen künstlicher Intelligenz – darunter auch bei Amazon und Pinterest, berichtet Techcrunch.com. Doch ein Forrester-Report entlarve dies als „AI-Washing“: Viele Unternehmen hätten nicht einmal ausgereifte KI-Systeme bereit, welche die anfallenden Aufgaben übernehmen könnten. Die KI-Begründung sei lediglich eine investorenfreundliche Botschaft, erkläre Molly Kinder von der „Brookings Institution“: Die Alternative wäre, einzugestehen, dass das Geschäft schwächele.
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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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