3D-Illustration: Luxus-Store, Retouren-Symbol, Zahlterminal und Lieferwagen im E-Commerce-Briefing
© Black Forest Labs / Flux

Mytheresa + Luxexperience, Widerrufs-Button, Temu + Shein, Müller, Amazon + Pay per Bank, UPS + Temu, Pix, KI + Gen Z, Dark Web

Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
6 Min.· Aktualisiert am
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HANDEL NATIONAL

Mytheresa schleppt Luxexperience in die schwarzen Zahlen
Die Luxexperience Group vermeldet, zum ersten Mal unter diesem Namen, ein Umsatzplus von 1,1 Prozent auf 645 Mio. Euro, berichtet Retail-News.de. Die Ebitda-Marge liege bei zwei Prozent, was einem Gewinn von 13,2 Mio. Euro entspreche. Das sei vor allem dem Münchner Luxusmode-Shop Mytheresa zu verdanken, dessen Umsatz um 8,8 Prozent auf 242 Mio. Euro gestiegen sei. Die Schwestern Net-A-Porter und Mr Porter hätten sich im Vergleich zu den Vorquartalen verbessert, doch die Umsätze seien rückläufig geblieben. The Outnet werde für 30 Mio. Dollar an „The O Group“ verkauft, um sich ab dem dritten Quartal auf das Yoox-Kerngeschäft konzentrieren zu können.

Österreich sperrt den Zoll für unregistrierte Händler
Ausländische Unternehmen im Handel mit Österreich müssen sich seit Februar im System „Smart Border Austria“ registrieren, berichtet IT-Boltwise.de. Die aktualisierte Ergänzungsregisterverordnung verlange eine gültige EORI-Nummer – ohne sie seien Zollanmeldungen schlicht blockiert. Betroffen seien alle Firmen ohne österreichisches Firmenbuch, auch Gesellschaften bürgerlichen Rechts. Als neuen Identifikator führe Österreich die „Global Location Number“ ein, die bisherige Ordnungsnummern ablöse. Veraltete Registerdaten könnten zur Zurückweisung von Zollerklärungen führen – wer mit Österreich handeln wolle, müsse seine Einträge zeitnah prüfen.

Händlerbund bietet Mitgliedern einfache Widerrufs-Button-Integration
Der Händlerbund meldet, dass er an einer zentralen Lösung für den Widerrufsbutton arbeitet, der ab dem 19. Juni 2026 in nahezu allen B2C-Online-Shops Pflicht wird. Der Gesetzgeber verlange nicht nur eine simple Schaltfläche, sondern einen durchgängig rechtssicheren Prozess: Die Widerrufserklärung müsse beim Händler ankommen, der Eingang unverzüglich bestätigt und der gesamte Ablauf dokumentiert werden. Die Bundesregierung veranschlage rund 1.000 Euro Umsetzungskosten pro Shop. Die Händlerbund-Lösung solle günstiger ausfallen, werde aber nur Mitgliedern offen – Voranmeldung hier möglich.

HDE fordert von Merz Importstopp für Temu und Shein
Der Handelsverband HDE fordert Bundeskanzler Merz in einem Brief auf, notfalls einen Importstopp für chinesische Billigwaren zu verhängen, berichtet Heise.de. Temu und Shein setzten sich systematisch über EU-Sicherheits- und Umweltstandards hinweg und verzerrten so den Wettbewerb. Vor dem EU-Sondergipfel am 12. Februar dränge der Verband auf entschlossenes Handeln. Der Hintergrund: Laut einer EHI/ECDB-Studie vervierfachte Temu sein Handelsvolumen in Deutschland 2024 auf 3,4 Mrd. Euro, Shein stieg mit 1,1 Mrd. Euro Nettoumsatz in die Top Ten der Online-Shops auf.

120 Roboter sollen Müllers Online-Versand beschleunigen
Müller investiert einen zweistelligen Mio.-Betrag in ein AutoStore-System am Standort Ulm-Jungingen, berichtet Retail-News.de. 120 autonome Roboter sollen künftig rund 30.000 Lagerbehälter auf 1700 Quadratmetern bewegen – bis zu 4000 Zugriffe pro Stunde, erweiterbar auf 6.500. Der Rund-um-die-Uhr-Betrieb verkürze die Durchlaufzeiten im Online-Handel spürbar, auch bei saisonalen Spitzen. Gleichzeitig sinke der manuelle Aufwand und die Fehlerquote schrumpfe.


HANDEL INTERNATIONAL


Amazon UK führt „Pay by Bank“ ein
Amazon UK führt die Zahlungsoption „Pay by Bank“ ein, berichtet Channelx.world. Kunden könnten Einkäufe künftig direkt vom Bankkonto abwickeln – ohne Kartendaten zu hinterlegen. Anders als beim Lastschriftverfahren autorisiere der Käufer jede Transaktion einzeln per Banking-App in Echtzeit. Rückerstattungen erreichten das Konto innerhalb von Minuten. Auch die Prime-Mitgliedschaft solle bald per Direktzahlung möglich sein. Der Vorstoß füge sich in Großbritanniens „National Payment Vision“ ein, die Konto-zu-Konto-Zahlungen im Online-Handel stärken will.

UPS verklagt Temu wegen 37 Mio. Euro unbezahlter Frachtkosten
UPS hat beim irischen Handelsgericht Klage gegen Temus Europa-Betreiber Whaleco Technology eingereicht, berichtet Retail-News.de. Der Paketdienstleister fordere über 37 Mio. Euro für Lieferungen zwischen September 2024 und September 2025. Nach gescheiterten Neuverhandlungen habe UPS das Kundenkonto gesperrt. Whaleco weise die Summe zurück und spreche von Abrechnungsfehlern, signalisiere aber Interesse an einer Mediation vor der nächsten Anhörung im Mai.

Brasiliens Pix überholt Kreditkarten im Online-Handel
Brasiliens Instant-Payment-System Pix dürfte bis 2028 die Hälfte aller E-Commerce-Transaktionen des Landes abwickeln, berichtet Investing.com. Bereits 2024 habe Pix mit 42 Prozent erstmals mehr Online-Käufe verbucht als Kreditkarten mit 41 Prozent. Das von der Zentralbank betriebene System, das Ende 2020 startete, bringe mittlerweile 70 Mio. Menschen ins Finanzsystem und setze die Marktführer Mastercard und Visa unter Druck. Kreditkarten dürften allerdings, dank zinsfreier Ratenzahlungen bei teureren Anschaffungen, ihre Stammkundschaft behalten.

E-Commerce wächst durch häufigere Käufe statt neuer Kunden
Der globale Online-Handel wird bis 2027 über 22 Prozent des gesamten Einzelhandels umfassen, prognostiziert Researchandmarkets.com. Das entspräche einem Anstieg von sechs auf acht Bio. Dollar innerhalb von drei Jahren. Künftiges Wachstum entstehe dabei weniger durch neue Käufer als durch häufigere Transaktionen auf bestehenden Plattformen. Parallel dazu verschiebe sich der Zahlungsverkehr massiv: Bargeldlose Transaktionen sollen 2028 die Marke von 2,5 Bio. überschreiten; KI-Systeme im Fintech-Sektor würden ihren Wert von 18 auf 53 Mrd. Dollar verdreifachen.


Jeder dritte Deutsche zahlt biometrisch
Jeder dritte Deutsche zahlt bereits biometrisch, bei der Generation Z ist es sogar jeder Zweite, wie die GfK-Studie „Mastercard Payment Pulse“ zeigt. Am häufigsten komme Biometrie beim Entsperren von Smartphones zum Einsatz, gefolgt von Onlinebanking und digitalem Shopping. Sicherheit sei mit 43 Prozent das wichtigste Argument, dicht gefolgt von Bequemlichkeit. Fingerabdruck und Gesichtserkennung würden Passwörter ersetzen; die Tokenisierung schütze sensible Daten durch verschlüsselte Codes.

Gen Z nutzt KI als Freund und misstraut ihr trotzdem
Fast 60 Prozent nutzen KI mindestens mehrmals monatlich, bei der Gen Z seien es sogar 87 Prozent, zeigt die Publicis-Media-Studie „Wie KI unser Leben verändert“ laut Pressemitteilung. Besonders bemerkenswert: Über die Hälfte der Gen Z vertraue KI persönliche Themen an, die sie mit Menschen nicht teilen würden, und nutze Chatbots als Freundschafts-Ersatz. Gleichzeitig hege dieselbe Gruppe tiefes Misstrauen gegenüber KI-generierter Werbung – sie wirke unauthentisch. Die Online-Suche verschiebe sich dramatisch: 47 Prozent der Jüngeren vertrauten KI-Antworten mehr als klassischen Treffern; 46 Prozent ignorierten Websites komplett und nutzten nur noch KI-Zusammenfassungen.

Dark Web: KI-Systeme frustrieren Cyberkriminelle
Das Dark Web entwickle sich zum Betrugs-Supermarkt mit niederschwelligem Zugang für Kriminelle, zeigt eine Studie von Lexisnexis.com. Besonders verbreitet seien Videoanleitungen, die Einsteigern Schritt für Schritt Betrugsmaschen erklärten. Doch KI-gestützte Erkennungssysteme bereiteten den Tätern wachsende Probleme: Bei der Video-Identifikation analysierten sie biometrische Merkmale wie Blutfluss und Mikro-Muskelbewegungen – ein Nutzer kommentierte resigniert, es gebe keine Möglichkeit mehr zur Umgehung. Aber auch Betrüger seien vor Betrug nicht sicher. Sogenannte Exit-Scams, bei denen illegale Plattformbetreiber mit Kundengeldern verschwinden, trieben Kriminelle zunehmend auf etablierte Social-Media-Kanäle.
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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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