
Recht auf Reparatur, Elektroschrott-Logo, Produkthaftung, Walmart, #BookTok, Lazada + Facebook, Shopper-Recherche, Cyberschäden
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von Etailment.de.
David WöllensteinRedakteur+++Anzeige+++
NRF 2026: Retail’s Big Show Europe Programm und Höhepunkte
Die NRF 2026: Retail’s Big Show Europe kehrt vom 15. bis 17. September 2026 nach Paris zurück und verspricht drei Tage voller Innovation, Diskussionen, Begegnungen und Inspiration. Die Veranstaltung findet in der Paris Expo Porte de Versailles statt und dauert genau diesen Zeitraum. Mehr
HANDEL NATIONAL
Recht auf Reparatur müllt die Paketdienste zuEine juristische Feinheit könnte das ab August geltende Recht auf Reparatur scheitern lassen, mahnt DHL laut Haendlerbund.de. Ein Großteil der zu reparierenden Geräte dürfte per Paket hin- und her versendet werden und müsste nach dem weit gefassten Abfallbegriff des Kreislaufwirtschaftsrechts als Müll deklariert werden. Damit würden sie unter die Anzeige-, Erlaubnis- und Kennzeichnungspflichten für Paketdienste fallen. Das wäre im Massengeschäft kaum umsetzbar und bedeute außerdem für Händler mit Reparaturservice mehr Bürokratie, mehr Kosten und längere Bearbeitungszeiten.
Elektroschrott-Logo: DUH kontrolliert ab sofort
Seit dem 1. Juli müssen Online-Händler mit Elektrogeräten im Sortiment ein einheitliches Sammelstellenlogo für Elektroschrott gut sichtbar auf Produktseiten oder im Bestellprozess zeigen, meldet Haendlerbund.de. Die Deutsche Umwelthilfe kündige bereits Stichproben im Web und in Filialen an und wolle Verstöße rechtlich verfolgen. Laut der DUH betrage die Sammelquote bei Altgeräten momentan magere 29 Prozent.
Vier von zehn Firmen setzen auf KI
Vier von zehn deutschen Unternehmen setzen inzwischen Künstliche Intelligenz ein, meldet Heise.de. Seit 2024 habe sich die Nutzung um 118 Prozent erhöht. KI habe damit das Versuchsstadium verlassen und reiche bis in Kleinbetriebe unter 50 Mitarbeitern, wo die Quote auch bei knapp 40 Prozent liege. Die abwartende Mehrheit begründe ihr Zögern mit fehlender Relevanz für ihr Geschäftsmodell (61 Prozent), knappen Kapazitäten (34 Prozent) und Datenschutzbedenken (29 Prozent).
Pop-up in die Sackgasse – Verbraucherschützer klagen gegen Sparkasse
Die Verbraucherzentrale Sachsen hat Klage gegen die Sparkasse Zwickau eingereicht, meldet Golem.de. Auslöser sei ein Pop-up beim Onlinebanking-Login, das zur Zustimmung geänderter AGB auffordere, indem man auf „Zustimmen“ oder „Später zustimmen“ klickt. Wegklicken wäre genauso wenig eine Option wie Ablehnen; das Fenster kehre bei jeder Anmeldung zurück. Eine Zustimmung wäre somit keine „frei gebildete Willenserklärung“ mehr, sondern werde unter Druck erzwungen.
IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland
Der IWF senkt seine Wachstumsprognose für Deutschland erneut und verweist vor allem auf die Folgen des Iran-Kriegs, berichtet Welt.de. Für dieses Jahr rechne der Fonds nur noch mit 0,7 Prozent Wachstum, für 2027 mit einem Prozent. Die Schätzung setze allerdings auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus – eine Annahme, die nach der Ankündigung von Präsident Trump, der Waffenstillstand mit dem Iran sei nichtig, bereits nicht mehr greife. Die weltweite Inflation werde laut IWF mindestens auf 4,7 Prozent steigen.
HANDEL INTERNATIONAL
88 Organisationen für strengere Produkthaftung
88 europäische Organisationen fordern in einem gemeinsamen Brief strengere Regeln für Produkte auf E-Commerce-Plattformen, meldet Interiordaily.com. Angeführt von der Schwedischen Handelskammer verlangten sie, der geplante „European Product Act“ solle die Haftungslücke beim Direktverkauf durch Nicht-EU-Händler schließen. 2025 seien knapp sechs Mrd. Billigartikel von außerhalb der EU eingeführt worden, ein erheblicher Teil verfehle aber europäische Sicherheits- und Umweltvorgaben. Jedes Produkt brauche einen greifbaren Wirtschaftsakteur in der EU, sonst habe die Plattform zu haften.
Walmart senkt in seinen US-Filialen und im Online-Handel die Preise für Tausende Sommerartikel, meldet Retail-News.de. Betroffen seien vor allem Lebensmittel, Getränke und Haushaltswaren: Rinderhackfleisch etwa falle um zwölf Prozent, Süßmais koste nur noch 25 statt 68 Cent. Walmart begründe die Aktion als spezifische Sommerstrategie. Da der Konzern zuletzt vermehrt einkommensstärkere Kunden gewonnen habe, dürfte die Erhöhung des Preisdrucks auf Mitbewerber wie Kroger, Costco und Dollar Tree aber durchaus Teil des Kalküls sein.
#BookTok belebt den britischen Buchhandel
Die Buchverkäufe über Tiktok Shop haben in Großbritannien in den letzten zwölf Monaten um 250 Prozent zugelegt, berichtet Channelx.world. Die vier größten Verlage der Insel verkauften dort drei Bücher pro Minute, getragen von der #BookTok-Community und täglich mehr als 6.000 Live-Shopping-Sessions. Harper Collins beispielsweise sei 2022 mit 40 Titeln gestartet und vermarkte mittlerweile über 23.000 Bücher auf der Plattform. Wichtig auch der Halo-Effekt: Wer auf #BookTok angesagt sei, werde auch im Laden besser verkauft.
Südostasien: Lazada verkauft direkt über Facebook
Lazada verzahnt sein Affiliate-Marketing direkt mit Facebook, berichtet Vietnam.vn. Die Alibaba-Tochter habe mit Meta ein Programm gestartet, das Content-Ersteller in sechs südostasiatischen Ländern Lazada-Produkte unmittelbar in Reels verlinken lasse; Instagram solle bald folgen. Shoppable Videos machten rund 25 Prozent des gesamten E-Commerce-Umsatzes in Südostasien aus. Abgesehen davon verfolge Konkurrent Shopee bereits die gleiche Strategie.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Online-Shopper recherchieren immer genauer
97 Prozent der Online-Shopper konsultieren vor dem Kaufen-Klick mehrere Quellen, zitiert Channelx.world eine Untersuchung von Bazaarvoice. 60 Prozent zögen zwei bis drei Quellen heran, 37 Prozent sogar vier oder mehr. Influencer stießen zwar die Entdeckung an, doch die Kaufentscheidung falle woanders: 38 Prozent wechselten dann zur Suchmaschine und öffneten Tab um Tab auf der Jagd nach Ein-Stern-Bewertungen. Über alle Generationen dominiere mittlerweile derselbe Typ: der recherchewütige Archivar.
Der litauische Hoster Hostinger bietet seinen Kunden die Möglichkeit, Waren ohne eigenen Online-Shop zu verkaufen, berichtet Techradar.com. Ein Produktfoto genüge, dann baue eine KI eine entsprechende Seite inklusive Beschreibung und Preisvorschlag, die dann an soziale Netzwerke, Messenger und bald auch an KI-Agenten ausgespielt werde. Die Verwaltung der Produkte, der Zahlungen und des Lagerbestands erfolge im Dashboard von Hostinger. Verkaufe man den letzten Artikel bei Tiktok Shop, stehe er überall auf „ausverkauft“. Der fehlende Web-Aufterspare dem Händler nicht nur Design, Technik oder Wartung eines eigenen Shops, sondern verschiebe auch einen Gutteil der rechtlichen Pflichten zum Host.
Cyberschäden auf 25.000 Euro gesunken
Die durchschnittliche Schadenhöhe bei Cyberangriffen ist von mindestens 68.000 Euro auf rund 25.000 Euro gefallen, meldet Versicherungswirtschaft-Heute.de. Wer auf aktuelle Firewalls, automatische Back-ups und routiniertes Krisenmanagement setze, könne den Schaden einer Attacke um durchschnittlich 33 Prozent reduzieren und Betriebsunterbrechungen auf 2,1 statt 5,7 Tage reduzieren. Schwächstes Glied bleibe der Mensch: Immer noch wären es Phishing-Mails, die in 64 Prozent der Fälle Tür und Tor öffneten.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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