
Stoffe.de, C&A, Amazon Deutschland, DHL, Uber + Getir, ChatGPT, Lyft, Vietnam, Whatsapp, Tiktok, Google Discover
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Stoffe.de muss mangels Investor kapitulieren
Die insolvente Fabfab GmbH stellt den Betrieb ihres Online-Shops Stoffe.de ein, wie Tag24.de berichtet. 170 Mitarbeiter verlören ihre Jobs, nachdem die Suche nach einem Investor gescheitert sei. Das Unternehmen habe seit Oktober im vorläufigen Insolvenzverfahren gesteckt, als der Hauptgeldgeber abgesprungen war. Ausgerechnet ein ehemaliger Corona-Profiteur der DIY-Branche kapituliert nun: Die Restware werde mit 70 Prozent Rabatt abverkauft, Online-Videokurse seien bereits nicht mehr verfügbar.
Widerrufsbelehrung mangelhaft: C&A verklagt
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat C&A verklagt, meldet Haendlerbund.de. Die Rücksendeseite des Online-Shops informiere zwar über Rückgabebedingungen, verschweige aber das gesetzliche Widerrufsrecht – dies sei ein klarer Verstoß gegen die Informationspflicht. Zusätzlich verlange C&A in seinen AGB eine Bearbeitungspauschale von 0,99 Euro für Rücksendungen. Diese werde entweder vom Erstattungsbetrag abgezogen oder müsse bei Rechnungskauf nachträglich überwiesen werden. Die Verbraucherschützer halten diese Praxis für eine möglicherweise rechtswidrige Kundenbenachteiligung.
Amazon Deutschland wächst schneller als der Heimatmarkt
Amazon steigerte seinen Umsatz in Deutschland 2025 auf 45,9 Mrd. Dollar, was einem Wachstum von 12,3 Prozent entspricht, berichtet Ecommercenews.eu. Damit habe der Konzern sein Tempo gegenüber dem Vorjahr (8,7 Prozent) deutlich beschleunigt und liege über den Zuwachsraten in den USA und Japan. Deutschland bleibe Amazons größter europäischer Markt, obwohl Großbritannien (43,2 Mrd. Dollar, +14,2 Prozent) aufhole. Das Bundeskartellamt beziffert Amazons Anteil am deutschen Online-Handel mittlerweile auf 60 Prozent.
DHL darf Pakete beim Nachbarn abgeben
DHL darf Pakete weiterhin bei Nachbarn abgeben, wenn der Empfänger nicht erreichbar ist, entschied das Oberlandesgericht Hamm laut Golem.de. Die Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands sei unbegründet, die Geschäftsbedingungen zur Ersatzzustellung rechtlich zulässig. Die Verbraucherschützer hätten kritisiert, dass nicht definiert sei, wer als Nachbar gelte – theoretisch auch Unbekannte drei Straßen weiter. Die Zustellung beim Nachbarn sei im DHL-Kundenkonto standardmäßig aktiviert, Kunden könnten sie aber jederzeit deaktivieren.
Deutschland bei Weiterbildung weit hinten
Nur 9,4 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland nahmen 2024 an Weiterbildungen teil – deutlich unter dem EU-Schnitt von 13,5 Prozent, wie das Ifo-Institut mitteilt. Lediglich Rumänien, Kroatien, Bulgarien und Griechenland lägen dahinter, während Schweden (38 Prozent), Dänemark (31 Prozent) und Finnland (29 Prozent) führten. Eine neue Ifo-Studie zeige: Entscheidend sei Geduld. Menschen aus Herkunftsländern mit höherem Maß an Geduld investierten eher langfristig, auch wenn kurzfristig Kosten anfielen.
HANDEL INTERNATIONAL
Nach Trendyol Go: Uber kauft auch Getir in der Türkei
Uber übernimmt das türkische Liefergeschäft von Getir vom Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi, berichtet Tech.eu. Der Kaufpreis sei nicht bekannt. Die Übernahme umfasse Essens-, Lebensmittel- und Einzelhandelslieferungen. Uber plane, Getir mit dem erst kürzlich für 700 Mio. Dollar erworbenen Dienst Trendyol Go zusammenzulegen. Getir, 2015 in Istanbul gegründet, war in der Pandemie auf eine Bewertung von 11,8 Mrd. Dollar gestiegen, habe ab 2021 nach Europa expandiert, seit 2024 aber alle Auslandsaktivitäten eingestellt.
OpenAI hat die erste Versicherungs-App in ChatGPT zugelassen, berichtet Insurancebusinessmag.com. Der spanische Digitalversicherer Tuio könne Nutzern nun personalisierte Hausversicherungs-Angebote direkt im Chat unterbreiten. Die Technologie stamme vom Infrastruktur-Anbieter Waniwani, laut dessen Daten KI mittlerweile schon 20 Prozent des Neugeschäfts für Digitalversicherer generiere. ChatGPT-Traffic konvertiere dabei deutlich besser als klassische Suchmaschinen-Anfragen. Zwölf weitere Versicherungs-Apps stünden in der Warteschlange, der Kaufabschluss innerhalb des Chats solle folgen.
Teenager fahren in den USA jetzt Lyft
Der Ridesharing-Anbieter Lyft führt in den USA Teenager-Accounts für 13- bis 17-Jährige ein – mehr als zwei Jahre nach Konkurrent Uber, berichtet Cnbc.com. CEO David Risher erkläre die Verzögerung mit bewusster Produktentwicklung und verspricht bessere Kommunikationstools für Eltern und Fahrer. Das Programm enthalte PIN-Verifizierung, Echtzeit-Tracking und Aufzeichnungen der Fahrten. Nur Fahrer mit hohen Bewertungen, die nicht von einer „erheblichen“ Anzahl von Fahrgästen blockiert wurden, dürften Teenager transportieren.
Vietnam peilt 37 Mrd. Dollar E-Commerce-Umsatz an
Vietnams E-Commerce soll in diesem Jahr um 20 Prozent auf 37 Mrd. Dollar wachsen, berichtet Vietnam.vn. Entscheidender sei jedoch, dass 62 Prozent aller Unternehmen auf Wunsch des Ministeriums für Industrie und Handel E-Commerce nutzen sollen – Technologie solle vom Nebenkanal zum Geschäftskern avancieren. Drei Faktoren treiben die Entwicklung: erstklassige digitale Infrastruktur (Platz elf weltweit), eine durch die Pandemie sozialisierte Konsumentengeneration und der Aufstieg von Social Commerce.
Brüssel vs. Meta: Whatsapp-Öffnung für fremde Chatbots
Die EU-Kommission fordert Meta auf, Whatsapp für konkurrierende KI-Chatbots zu öffnen, berichtet Spiegel.de. Kleinere Wettbewerber würden durch den Ausschluss aus dem Markt verdrängt, warne Brüssel und drohe mit Konsequenzen. Meta habe im Oktober die Geschäftsbedingungen geändert und alle Firmen ausgeschlossen, deren Hauptgeschäft künstliche Intelligenz sei – nachdem der Konzern seinen eigenen Chatbot in die App integriert habe. Meta argumentiere, es gebe „keinen Grund“ für ein Eingreifen, denn Whatsapp sei kein wichtiger Vertriebskanal für KI-Chatbots.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Tiktok Shop zwingt Händler in den Echtzeit-Modus
Die Nutzer von Tiktok Shop erwarten von Händlern fast viermal schnellere Reaktionszeiten als bei Amazon, berichtet Channelx.world. Kunden rechneten bei Tiktok binnen 1,1 Stunden mit Antworten, während bei Amazon 4,2 und bei Ebay sechs Stunden geduldet würden. Fast die Hälfte aller Käufer breche den Vorgang ab, wenn binnen 30 Minuten keine Rückmeldung erfolge. Besonders virale Beauty-Kategorien sorgten für immensen Druck: Produkte wie Schneckenschleim- oder Lachsperma-Kosmetik erzeugten mit 40 Support-Tickets pro hundert Bestellungen dreimal mehr Anfragen als Elektronik. Wer in öffentlichen Foren zügig helfe, könne die Kaufabschlussrate verdoppeln – automatisierte Antworten scheiterten hingegen in jedem dritten Fall.
KI-Vorreiter steigern Umsatz um ein Viertel
Unternehmen mit ausgereifter KI-Infrastruktur steigern ihre Umsätze um 24 Prozent und senken ihre Kosten um 25 Prozent – während technisch zurückliegende Wettbewerber kaum von der Technologie profitieren, so eine Netapp-Studie. Der Unterschied liege in Datenqualität und Speichersystemen, so die Untersuchung: 84 Prozent aller Firmen hätten nach wie vor kein KI-optimiertes Speicher-Management. Die Vorreiter investierten zudem deutlich stärker in Sicherheit (62 Prozent erhöhten ihre Sicherheits-Budgets) und seien dadurch besser auf agentische KI vorbereitet.
Google Discover statt Google-Suche für den E-Commerce
Während der KI-Überblick den traditionellen Suchtraffic abgräbt, rückt Google Discover als organische Quelle für Online-Händler in den Fokus, schreibt Practicalecommerce.com. Die erste Discover-spezifische Kernaktualisierung vom Februar reduziere Clickbait und bevorzuge tiefgehende, aktuelle Inhalte mit nachgewiesener Expertise. Google werte massenhaft produzierten KI-Content ab, um die Glaubwürdigkeit des personalisierten Feeds zu sichern. Discover könnte zur individualisierten Homepage des Google-Kosmos werden und lokale Inhalte bevorzugen. Außerdem entwickle sich die Plattform zunehmend zum Video-Format, was Produkterklärungen und Kaufratgeber begünstige.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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