
Zalando, Amazon, Barrierefreiheitsbehörde, Konsumbarometer, Google + KI, Shopee, Uber, Australien, Ssense, KI-Schwächen
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Zalando streicht drei weitere Logistikstandorte in Europa
Neben der Schließung in Erfurt streicht Zalando drei weitere Logistikstandorte außerhalb Deutschlands, wie das Unternehmen mitteilt. Die Verträge mit externen Dienstleistern würden nicht verlängert. Die Standorte belieferten sowohl Zalando als auch About You. Der Umbau sei Teil der Netzwerk-Integration beider Unternehmen und ziele auf effizientere Kapazitätsnutzung. Nach Abschluss umfasse das gemeinsame Logistiknetzwerk noch 14 Zentren in sieben Ländern.
Amazon sortiert Rezensionen neu
Amazon kündigt im Forum Sellercentral an, dass ab dem 12. Februar Rezensionen nur noch zwischen Varianten mit geringfügigen Unterschieden geteilt würden. Bislang erschienen Bewertungen auch bei Produktvarianten mit wesentlichen funktionalen Differenzen. Künftig bleiben Rezensionen nur bei Farb-, Größen-, Mengen- oder sekundären Duftvarianten produktübergreifend sichtbar, während etwa technisch unterschiedliche Ausführungen separate Bewertungen erhielten. Die schrittweise Umstellung bis Ende Mai könne Gesamtbewertungen und Rezensionszahlen beeinflussen – Händler sollten ihre Variantenstrukturen überprüfen, um Produktunterschiede korrekt abzubilden.
Daten der Barrierefreiheitsbehörde müssen auf die Website
Die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen hat ihren Sitz in Magdeburg bezogen, meldet Haendlerbund.de. Online-Händler müssten nun ihre Barrierefreiheitserklärungen und AGB anpassen, da die Daten der Behörde dort verpflichtend zu nennen sei. Wer die Aktualisierung versäume, erfülle seine gesetzlichen Informationspflichten nicht vollständig – ein vermeidbares Risiko bei überschaubarem Aufwand.
Konsumbarometer steigt – Geldbeutel bleiben zu
Die Verbraucherstimmung erholt sich im Januar leicht, bleibt aber verhalten, zeigt das aktuelle Konsumbarometer des HDE. Nach dem Weihnachtsgeschäft scheine die Anschaffungsneigung zu sinken, während die Sparneigung steige – Verbraucher wollten offenbar ein Finanzpolster aufbauen. Die Konjunkturerwartungen hellten sich zwar auf und fielen besser aus als vor einem Jahr, doch größeres Konsumwachstum bleibe aus. Die Umfrage prognostiziere anhaltende Kaufzurückhaltung trotz optimistischerer Einkommenserwartungen.
Mehr Insolvenzen, weniger Schulden
Die Zahl der Regelinsolvenzen in Deutschland ist im Dezember um 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, meldet das Statistische Bundesamt. Im Oktober hätten die Amtsgerichte 2.108 Unternehmensinsolvenzen registriert, 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gläubigerforderungen seien jedoch von 3,8 auf 2,6 Mrd. Euro gesunken – ein Indiz dafür, dass im Oktober 2024 schwergewichtigere Unternehmen gekippt seien als ein Jahr später.
HANDEL INTERNATIONAL
Universal Commerce Protocol: Googles Standard für KI
Google präsentiert laut Medienmitteilung mit Shopify, Visa und Paypal das „Universal Commerce Protocol“, einen offenen Standard für KI-gestützte Kaufprozesse. UCP baue auf bestehenden Protokollen wie Agent2Agent und Model Context Protocol auf und ergänze diese um handelsspezifische Funktionen wie Bestellungsverwaltung und einem integriertem Checkout. Shopify-Händler könnten ihre Produkte bereits direkt in Gemini oder Microsoft Copilot anbieten. Google-Chef Sundar Pichai kündige Kaufbuttons auf Google-Oberflächen an, darunter im KI-Modus der Suche. Bereits über 20 Unternehmen unterstützten den neuen Standard.
Google testet mit „Direct Offers“ eine neue Werbeform in seiner KI-gestützten Suche, berichtet Golem.de. Händler könnten künftig Rabattcodes, Produktbundles oder Gratisversand direkt in der Gemini-basierten Shopping-Erfahrung platzieren. Der Algorithmus analysiere dabei das Nutzerverhalten und erkenne Kaufabsichten – sobald die Kaufwahrscheinlichkeit hoch sei, spiele das System passende Angebote aus. Händler müssten ihre Aktionen nur vorab konfigurieren, die zeitliche Steuerung übernehme dann die KI.
Shopee verkauft auch Versicherungen
Singapurs E-Commerce-Plattform Shopee vertreibt seit Kurzem Versicherungen auf seiner Plattform, berichtet Straitstimes.com. Die Tierversicherung mit MSIG Insurance und Monee koste ab 20 Cent täglich und decke Unfallbehandlungen bis 100 Dollar ab. Außerdem verfügbar seien Reise-, Kfz- und Unfallversicherungen. Auch Lazada kooperiere seit 2025 mit fünf Versicherern in sechs asiatischen Ländern. Singapurs Finanzaufsicht MAS habe bereits im September Richtlinien für digitale Werbung von Finanzinstituten veröffentlicht, da die Rolle von Marktplätzen im Versicherungsvertrieb wachse.
Vergewaltigungsvorwurf: Uber streitet Verantwortung für Fahrer ab
Uber steht ab dieser Woche in Phoenix vor Gericht, weil eine Frau dem Unternehmen vorwirft, trotz bekannter Angriffe durch Fahrer keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen zu haben, berichtet Reuters.com. Die Klägerin Jaylynn Dean sei betrunken von einem Fahrer vergewaltigt worden, der während der Fahrt zuvor belästigende Fragen gestellt habe. Der Prozess gilt als Testfall für über 3000 ähnliche Klagen in US-Bundesgerichten. Uber argumentiere, als Plattformbetreiber nicht für kriminelle Handlungen unabhängiger Auftragnehmer haften zu können – Hintergrundprüfungen seien ausreichend.
Australiens Social-Media-Sperre: Meta entfernt halbe Mio. Profile
Meta hat wegen des australischen Social-Media-Verbots zwischen dem 4. und 11. Dezember fast 550.000 Accounts von Unter-16-Jährigen gelöscht, berichtet CNBC.com. Instagram verlor dabei 330.000 Accounts, Facebook 173.500 und Threads 40.000. Meta kritisiere das Gesetz scharf und fordere stattdessen eine App-Store-weite Altersverifikation. Viele Teenager umgingen die Sperre sowieso mit VPNs, Eltern-Accounts oder nutzten alternativen Plattformen wie Lemon8 oder Discord. Reddit habe bereits Klage gegen das Gesetz eingereicht.
Ssense bleibt trotz Insolvenz bei Gründerfamilie
Die Gründerbrüder Rami, Firas und Bassel Atallah sichern sich gemeinsam mit einem kanadischen Investor wieder die Kontrolle über Ssense, berichtet Hypebeast.com. Der Luxus-Onlinehändler aus Montreal hatte im September 2024 Insolvenz angemeldet, um Schulden von über 200 Mio. Dollar zu bewältigen und einen erzwungenen Verkauf durch Gläubiger abzuwenden. Das Führungsteam bleibe unverändert, der Deal solle bis 13. Februar abgeschlossen sein. Trotz Umsatzeinbruchs von 60 Prozent in den USA habe Ssense bereits Inventar für die nächsten beiden Saisons vorfinanziert.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Studie entlarvt KI-Schwächen bei realen Arbeitsprojekten
Führende KI-Systeme scheitern an echten Arbeitsprojekten, zeigt die Studie „Remote Labor Index“ laut Golem.de. Die Forscher hätten den Systemen reale Freelancer-Aufträge gegeben – mit ernüchterndem Ergebnis: Fast die Hälfte der Projekte habe schlechte Ergebnisse geliefert, mehr als ein Drittel wurde nicht einmal abgeschlossen. So habe eine interaktive Ländergrafik zur Lebenszufriedenheit etwa fehlende Nationen, überlappende Texte oder die fehlerhafte Verwendung der Farben in der Legende aufgewiesen. Die zwei Hauptschwächen: KI vergesse Rückmeldungen rasch und verstehe visuelle Aufgaben schlecht. Die Studie betone, viele Fehler seien „ziemlich simpel“ gewesen – von „Jobs ersetzen“ könne noch lange keine Rede sein.
Chinas führende KI-Forscher schätzen die Chance, amerikanische Tech-Giganten wie OpenAI in den kommenden drei bis fünf Jahren zu überholen, auf unter 20 Prozent, berichtet Scmp.com. Lin Junyang von Alibaba beziffere die US-Rechenkapazität auf das Zehn- bis Hundertfache der chinesischen, deren Ressourcen schon durch die jetzige, tägliche Nachfrage ausgeschöpft seien. Tang Jie von Zhipu AI warne, der Abstand könne sogar wachsen, da viele amerikanische Modelle unveröffentlicht blieben. Optimistischer äußere sich Yao Shunyu von Tencent, der auf Chinas Skalierungserfolge bei E-Autos verweise – Voraussetzung bleibe aber mehr Risikobereitschaft für neue Paradigmen.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge