Nigerianische Online-Händlerin verpackt Bestellung neben leuchtendem Smartphone-Display
© Black Forest Labs / Flux

Nigeria kauft bei Facebook und fragt die KI

Nigerias Online-Shopper kaufen häufiger über Facebook und greifen öfter zu KI als fast alle 29 untersuchten Märkte, berichtet Businessday.ng. 86 Prozent bestellten über Facebook, global seien es nur 63 Prozent. 46 Prozent nutzten KI-Chat-Tools beim Einkauf, was Rang vier hinter Indien, den VAE und China bedeute. Bei den Händlern setzten 88 Prozent auf KI. Der wichtigste Marktplatz in Nigeria bleibe Jumia mit 84 Prozent der Käufer.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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Nigeria treibt den E-Commerce über Social Media und KI voran

Nigeria zählt laut dem neu veröffentlichten DHL E-Commerce Trends Report 2026 zu den Märkten, in denen sich das Verhalten der Online-Käufer besonders schnell verändert. Die Untersuchung basiert auf Angaben von 29.000 Online-Shoppern und 5.800 E-Commerce-Unternehmen in 29 Ländern. Sie zeigt: Nigerianische Verbraucher kaufen über soziale Netzwerke und nutzen künstliche Intelligenz beim Online-Shopping deutlich häufiger als der internationale Durchschnitt.

Besonders stark ist die Rolle von Facebook. 86 Prozent der nigerianischen Online-Käufer nutzen die Plattform für Einkäufe; weltweit liegt der Durchschnitt bei 63 Prozent. Auch Instagram und TikTok sind im nigerianischen E-Commerce fest verankert: 64 Prozent der Käufer verwenden Instagram, verglichen mit 48 Prozent global. TikTok kommt in Nigeria auf 56 Prozent, während der weltweite Vergleichswert bei 50 Prozent liegt. Damit gehört Nigeria zu den Ländern, in denen Social Commerce besonders weit fortgeschritten ist.

Auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz liegt der Markt weit vorn. 46 Prozent der nigerianischen Online-Shopper nutzen KI-gestützte Chat-Tools beim Einkauf. Das ist der vierthöchste Wert unter den 29 untersuchten Ländern, nach Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und China. Auf Unternehmensseite ist die Entwicklung noch ausgeprägter: 88 Prozent der nigerianischen E-Commerce-Unternehmen setzen bereits KI auf ihren Plattformen ein. 94 Prozent erwarten, dass die Nutzung in den kommenden fünf Jahren weiter steigen wird. Beide Werte liegen deutlich über den globalen Durchschnittswerten von 67 Prozent beziehungsweise 70 Prozent.

Muyiwa Adeseyoju, Country Manager von DHL Express Nigeria, beschreibt Nigeria als einen der dynamischsten E-Commerce-Märkte in Subsahara-Afrika. Die Zahlen spiegelten eine starke digitale Akzeptanz und eine ambitionierte Geschäftswelt wider. Käufer und Unternehmen passten sich schnell an neue Formen des Online-Handels an, während zugleich die Erwartungen an Service, Geschwindigkeit und digitale Einkaufserlebnisse weiter stiegen.

Als führender Marktplatz bleibt Jumia im nigerianischen Online-Handel zentral. Laut Bericht nutzen 84 Prozent der nigerianischen Online-Shopper die Plattform, während 83 Prozent der befragten Unternehmen dort verkaufen. Die Daten zeigen zugleich, dass sich der Logistikmarkt über einfache Liefermodelle hinaus entwickelt hat. 83 Prozent der nigerianischen E-Commerce-Unternehmen bieten inzwischen kostenpflichtige Liefer- und Retourenabonnements an. Das liegt mehr als 30 Prozentpunkte über dem globalen Durchschnitt von 53 Prozent und zählt zu den höchsten Werten der gesamten Erhebung.

Die Lieferung nach Hause bleibt mit 78 Prozent die bevorzugte Zustellform. Bei Rücksendungen zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: 51 Prozent der nigerianischen Käufer nutzen Paketshops oder Convenience Stores, 34 Prozent setzen auf Abholung zu Hause, und 15 Prozent verwenden Paketstationen. Der Markt entwickelt sich damit in Richtung flexiblerer Logistiklösungen, die stärker auf unterschiedliche Bedürfnisse der Verbraucher ausgerichtet sind.

DHL-eCommerce-CEO Pablo Ciano ordnet die Entwicklung als Beschleunigung des Wettbewerbs ein. KI verändere die Fähigkeit von Händlern, Kundenbedürfnisse zu erkennen und darauf zu reagieren, in sehr hoher Geschwindigkeit. Verbraucher könnten Angebote in Millisekunden vergleichen, während Händler Erkenntnisse gewinnen, um auf veränderte Nachfrage sofort zu reagieren.

Der Bericht hebt Nigeria zudem als Teil einer Gruppe von Märkten hervor, die bei zirkulärem und nachhaltigem Handel eine führende Rolle spielen. Dazu zählen auch Indien, Malaysia, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Für Subsahara-Afrika weist DHL insgesamt eine besonders starke Nachhaltigkeitsorientierung aus: 91 Prozent der Käufer und 69 Prozent der Verkäufer in der Region bezeichnen sich als nachhaltigkeitsbewusst – die höchsten Werte unter den sechs betrachteten Weltregionen.

Der Applied Futurist Tom Cheesewright warnt zugleich vor den Risiken extrem reibungsloser digitaler Prozesse. Wenn Technologie vieles vereinfache, müssten Unternehmen bewusst Momente der Verbindung, Markenbildung und Vertrauensbildung schaffen. Andernfalls könnten Kunden ebenso leicht verloren gehen, wie sie sich durch digitale Einkaufsprozesse bewegen.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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