Einzelhandel unter Druck: HDE fordert schnelle politische Weichenstellungen
Der deutsche Einzelhandel blickt weiterhin auf eine angespannte Geschäftslage. Nach einer aktuellen Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 600 Unternehmen belasten steigende Kosten für Energie, Beschäftigung und Wareneinkauf die Branche erheblich. Gleichzeitig verharren Umsätze und Gewinne vielfach auf einem zu niedrigen Niveau. Der Verband sieht deshalb dringenden politischen Handlungsbedarf, um die Rahmenbedingungen für Händlerinnen und Händler zu verbessern.
HDE-Präsident Alexander von Preen beschreibt die Lage als deutlich schwieriger als im bereits schwachen Vorjahr. Die Stimmung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie bei Unternehmen liege auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns. Nach den Umfrageergebnissen bewerten 42 Prozent der befragten Handelsunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Fast zwei Drittel berichten, dass sich ihre Situation im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum verschlechtert hat. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 51 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei den Gewinnen: 69 Prozent der Unternehmen melden gegenüber dem Vorjahr rückläufige Ergebnisse. Als zentrale Ursache nennt der HDE die Kombination aus steigenden Kosten und stagnierenden Umsätzen. Auch der Ausblick bleibt verhalten. Für das laufende Jahr rechnen 65 Prozent der befragten Unternehmen mit Umsätzen leicht oder deutlich unter dem Vorjahresniveau. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 53 Prozent. Nur 18 Prozent gehen von Umsatzsteigerungen im Vergleich zu 2025 aus.
Trotz der schwierigen Lage hält der HDE an seiner Prognose fest: Für den Einzelhandel in Deutschland wird im laufenden Jahr ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent erwartet. Insgesamt soll die Branche damit 697,4 Milliarden Euro umsetzen. Davon entfallen 601,1 Milliarden Euro auf den stationären Einzelhandel und 96,3 Milliarden Euro auf den Online-Handel.
Der Verband betont die Bedeutung des Einzelhandels als Wirtschaftsfaktor und gesellschaftliche Säule. Neben seiner Rolle in Innenstädten und Kommunen verweist der HDE auf das Engagement der Branche vor Ort und in Ehrenämtern. Die jüngsten Einigungen der Koalition wertet der Verband als wichtigen ersten Schritt, sieht aber weiterhin erheblichen Handlungsbedarf.
Ausdrücklich warnt der HDE vor einer Abschaffung oder Verschlechterung der Minijobs. Rund 800.000 Minijobberinnen und Minijobber im Einzelhandel sowie zahlreiche Unternehmen seien auf einen verlässlichen und zukunftssicheren Umgang mit dieser Beschäftigungsform angewiesen. Zudem fordert der Verband einen verbindlichen Deckel von 40 Prozent bei den Lohnnebenkosten. Weitere Informationen stellt der HDE unter www.einzelhandel.de/hdepk bereit.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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