3D-Illustration zu E-Commerce-Themen: Marktplätze, KI-Empfehlungen und globaler Handel
© Black Forest Labs / Flux

Amazon, Autodoc, Ebay, Meta, Europa, Doordash, Thailand, China + Produkttests, KI-Empfehlungen, Agentic Commerce

Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
Teilen

HANDEL NATIONAL

Nachbestellung ohne Checkout bei Amazon
Amazon führt seine Funktion „Add to Delivery“ in Europa ein, meldet Haendlerbund.de. Prime-Mitglieder könnten Artikel per Klick zu einer geplanten Lieferung hinzufügen, solange diese noch nicht versandt sei, und das ohne erneuten Checkout und ohne zusätzliche Versandkosten. Der Start erfolge im Laufe des Jahres in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich. Amazon erhoffe sich so weniger Einzellieferungen sowie größere durchschnittliche Bestellungen.

Autodoc expandiert mit eigenem Lager nach UK
Der Onlineteilehändler Autodoc hat Ende Mai sein erstes britisches und 7.200 Quadratmeter großes Lager in Manchester eröffnet, meldet Reifenpresse.de. Mit dem fünften europäischen Distributionszentrum bediene Autodoc jetzt Kunden in 27 Ländern. CEO Dmitri Zadorojnii spreche von einem „lokalen Herzschlag“, der die Größe des Unternehmens mit der Geschwindigkeit des britischen Logistikpartners Radial verbinde. In den ersten beiden Tagen seien bereits rund 1.000 Bestellungen durch das Lager gelaufen.

Neue Plattform fürs Ebay-Forum
Ebay verlegt laut eigener Mitteilung seine Community auf eine neue Plattform. Diese biete moderneres Design, bessere Navigation und bündele Veranstaltungen, Diskussionen und Ressourcen zentral. Der Umzug laufe im Hintergrund bereits, weshalb es „vereinzelt holpere“, wahrscheinlich auch in den ersten Tagen danach. Vom 11. bis 15. Juni stehe das Forum nur im Lesemodus bereit. Alle Beiträge seit 2021 ziehe Ebay schrittweise mit um, was einige Wochen dauern könne. Der gewohnte Login bleibe bestehen.

Sprachhürden kosten Meta 100.000 Euro
Das Landgericht Frankfurt hat ein Ordnungsgeld von 100.000 Euro gegen Meta verhängt, weil Facebook Falschbehauptungen über einen Soldaten zu spät löschte, berichtet Spiegel.de. Der Mann sei mit Klarnamen und Bild zu Unrecht als Kriegsverbrecher bezeichnet worden. Trotz Untersagung im März hätten die Posts 15 bis 17 Tage online gestanden. Metas Verweis auf interne Verzögerungen und Sprachhürden habe die Pressekammer als straferhöhend gewertet, da der Konzern damit strukturelle Fehlorganisation einräume.


HANDEL INTERNATIONAL


Mitteleuropas E-Commerce findet seinen Rhythmus
Der Online-Handel in Mitteleuropa dürfte dieses Jahr um acht Prozent wachsen und tritt damit in eine berechenbarere Phase ein, berichtet Ecommercenews.eu. Das Volumen klettere von 191,3 Mrd. Euro im Vorjahr auf 206,6 Mrd. Euro und erreiche 2027 voraussichtlich 223,5 Mrd. Euro. Treiber seien weniger neue Käufer oder höhere Bestellwerte, sondern die steigende Kaufhäufigkeit bestehender Kunden. Deutschland bleibe der größte Markt; Griechenland wachse mit elf Prozent am stärksten.

Amazon verspricht Aufholjagd im indischen Quick Commerce
Amazon werde im indischen Quick Commerce zum Marktführer aufsteigen – nur das Wann sei offen, nicht das Ob, zitiert Dailyexcelsior.com Indien-Chef Samir Kumar. 13 Jahre Aufbauarbeit, das Prime-Programm und die breiteste Sortimentsauswahl aller Anbieter seien nicht kopierbare Vorteile. Amazon Now laufe bereits in über zwölf Städten, geplant seien mehr als 100 Städte und 1.000 weitere Micro-Fulfillment-Center. Das Geschäft wachse bereits monatlich um 25 Prozent.

Doordash verkauft den Moment vor dem Bestellen
Der Lieferkonzern Doordash baut sein Werbegeschäft zur globalen Commerce-Media-Plattform aus, meldet Retail-News.de. Der Reiz liege im Zeitpunkt: Nutzer öffneten die App mit konkreter Kaufabsicht, die das Unternehmen durch Werbung monetarisieren wolle. Das neue Startseiten-Format „Spotlight“ beispielsweise erziele doppelt so hohe Klickraten wie klassische Banner. Über die integrierten Dienste Wolt und Deliveroo erreiche Doordash mehr als 400.000 Werbekunden, die Tochter Symbiosys liefere dazu die passende Offsite-Werbung.

Schneller kaufen, kleiner zahlen: Thailands Speed Economy
Thailand wandelt sich zur „Speed Economy“, in der Onlinekäufer immer rascher entscheiden, berichtet Bangkokpost.com. Treiber seien, laut Natthasit Suntranu vom Kreditkarten-Marktführer KTC Promo-Kampagnen und die immer schnellere Lieferung. Auf Plattformen wie Shopee, Lazada, Tiktok, Grab und Line Man seien die KTC-Umsätze in vier Monaten um 25 Prozent gestiegen. Die Kunden kauften zwar häufiger, gäben pro Einkauf aber nur noch 21 bis 26 Euro aus. Thailands B2C-Markt erreiche dieses Jahr 41,6 Mrd. Euro, was hinter Indonesien Rang zwei in Südostasien bedeute.

China verlangt von Produkttestern Objektivität
China verschärft die Regeln für Online-Produkttests, wie Globaltimes.cn mitteilt. Die CAC und die Marktaufsichtsbehörde hätten am Montag zwölf Bestimmungen erlassen, die Objektivität, Unparteilichkeit und Genauigkeit vorschreiben. Getestet werden dürften nur handelsübliche, rückverfolgbare Produkte, nicht eigens präparierte Exemplare. Rein subjektive Urteile ohne echten Test müssten gekennzeichnet, getarnte bezahlte Werbung unterbunden werden. Außerdem kündigten die Behörden schärfere Aufsicht und Sanktionen an.


KI empfiehlt zwar Shops, sieht aber die meisten nicht
Sechs von zehn Online-Shops empfiehlt Google Gemini bei Kaufanfragen überhaupt nicht, zitiert Thenextweb.com eine Studie von Recomaze, die 9.720 Shops mit 58.320 Abfragen getestet habe. Speziell visuell geprägte Artikel wie Mode blieben für die KI weitgehend unsichtbar, klar beschreibbare Produkte hätten es leichter. Wenn Gemini aber eine Empfehlung ausspreche, dann verteile sich das über 50.000 Anbieter, es gebe keine Vorliebe für die großen Shops. Selbst Etsy, am öftesten empfohlen, erreiche nur 1,3 Prozent Anteil.

Agentic Commerce: China bestellt, Europa regelt noch
Die Macht im Online-Handel verschiebe sich vom Empfehlen zum Handeln, heißt es im Whitepaper „Fintech 2040“ von Riverty. Künftig entscheide nicht mehr Aufmerksamkeit, sondern wer Zahlungen autorisiere und das Protokoll kontrolliere. China zeige das Tempo: Alipay zähle bereits über 120 Mio. KI-Zahlungen pro Woche. Europa solle dies aber nicht kopieren, sondern auf eng begrenzte, nachvollziehbare Agenten setzen. Wie beispielsweise den Kühlschrank, der Butter nachordern, aber auch Rechenschaft ablegen könne.

Chatbot als potenzieller Kundenschreck
Auch schicke KI-Chatbots verfehlen oft die Kundenerwartung, warnt Techradar.com. Über 90 Prozent der Führungskräfte glaubten, ihre Kundschaft fühle sich mit KI im Service wohl. Tatsächlich aber treffe das nur auf 42 Prozent zu, knapp 15 Prozent lehnten KI-Kontakte sogar ganz ab. Ein großes Risiko, denn 76 Prozent aller Nutzer wechselten bei unangenehmen Online-Erfahrungen den Anbieter. Es helfe aber nicht, Probleme mit immer mehr Funktionen zu reparieren. Der klügste KI-Einsatz müsse unauffällig bleiben: schnellere Antworten, weniger Wiederholungen, mit menschlichen Teams zur Unterstützung im Hintergrund.
Teilen
Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.