3D-Illustration zu Amazon, Rossmann, Widerrufsrecht, Temu und weiteren E-Commerce-News
© Black Forest Labs / Flux

Amazon, Rossmann, Oppo, Widerrufsrecht, Temu Türkei, Tiktok USA, Paypal + Cymbio, Brunello Cucinelli, Google, Youtube

Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
6 Min.· Aktualisiert am
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HANDEL NATIONAL

Amazon reorganisiert die Lagerhaltung
Amazon beendet zum 31. März das umstrittene „Commingling-Verfahren“, bei dem identische Artikel unterschiedlicher Händler zusammen gelagert wurden, berichtet FR.de. Kunden hätten bislang nicht zwingend die Ware des gewählten Anbieters erhalten, sondern das nächstgelegene Exemplar aus dem Regal. Künftig würden alle Produkte getrennt nach Verkäufer verwaltet, um gefälschte Waren besser auszusortieren. Drittanbieter müssten dafür neue Amazon-Barcodes anbringen, während Markeninhaber ihre bisherigen Kennzeichnungen behalten dürften. Die schärfere Kontrolle könnte längere Lieferzeiten und minimal höhere Preise nach sich ziehen.

Rossmann steigt ins Online-Apothekengeschäft ein
Rossmann bereitet eine eigene Online-Apotheke vor, wie Heise.de berichtet. Das Angebot werde aus den Niederlanden gesteuert und die Rossmann-App spiele dabei eine zentrale Rolle. Zeitpunkt und Details ließ die Drogeriekette allerdings offen. Wettbewerber DM hätte im Dezember vorgelegt und verkaufe seither rezeptfreie Arzneimittel sowie Kosmetik online. Der Online-Medikamentenhandel wuchs 2024 um sechs Prozent – befeuert durch das E-Rezept, das verschreibungspflichtige Medikamente per Klick statt Briefumschlag ermöglicht.

Oppo verkauft wieder Smartphones in Deutschland
Nach zweieinhalb Jahren Abwesenheit verkauft Oppo wieder Smartphones im eigenen, deutschen Online-Shop, berichtet Cashys Blog. Ein Patentstreit mit Nokia über 4G- und 5G-Technologien habe das Unternehmen im Sommer 2022 vom Markt gefegt, die Website sei im Mai 2023 komplett geleert worden. Anfang 2024 hätten sich beide Konzerne auf ein globales Lizenzabkommen geeinigt. Seit einigen Tagen sei der Online-Store wieder gefüllt – von Flaggschiffen wie dem „Find X9 Pro“ mit Hasselblad-Kamera über die Reno14-Mittelklasse bis zur günstigen A-Serie.

Wann Online-Händler das Widerrufsrecht ausschließen dürfen
Das gesetzliche Widerrufsrecht lasse sich bei bestimmten Warengruppen ausschließen, erklärt Haendlerbund.de. Dazu zählten stark personalisierte Produkte wie Sonderanfertigungen oder Fotobedruckungen. Schnell verderbliche Waren wie Schnittblumen seien ausgenommen, Nudeln hingegen nicht. Bei Hygieneprodukten mit unmittelbarem Körperkontakt gelte der Ausschluss erst nach Siegelbruch. Online-Händler müssten vor Vertragsschluss klar und verständlich aufklären, sonst bleibe das Widerrufsrecht bestehen.

E-Commerce Berlin Expo feiert zehntes Jubiläum
Die E-Commerce Berlin Expo feiert am 17. und 18. Februar ihr zehntes Jubiläum, berichtet E-Commerce-Magazin.de. Mehr als 14.000 Besucher sollen auf 300 Dienstleister treffen, die ihre Lösungen präsentieren. Über 150 Experten – darunter Vertreter von Google, Tiktok und Douglas – hielten Vorträge auf vier Bühnen und in vier Masterclass-Bereichen. Die Themen reichten von KI im Handel über chinesische Online-Strategien bis zu Retail Media. Händler wie Mediamarkt Saturn, Flaconi und Fielmann lieferten Case Studies.


HANDEL INTERNATIONAL


Temu stellt China-Import in die Türkei ein
Temu hat sämtliche grenzüberschreitenden Verkäufe in der Türkei gestoppt, berichtet Turkiyetoday.com. Nutzer sähen nun ausschließlich Angebote türkischer Verkäufer mit Inlandsversand, während die günstige China-Ware verschwunden sei. Die Kehrtwende erfolge Tage nach einer Inspektion der türkischen Wettbewerbsbehörde im Istanbuler Büro am 21. Januar – offiziell keine Untersuchung, zeitlich aber kaum Zufall. Ob die Beschränkung dauerhaft gelte oder nur vorübergehend, ließ Temu offen.

Tiktok USA ist jetzt zu 80 Prozent amerikanisch
Tiktok hat ein Joint Venture mit US-Mehrheitsbeteiligung – Hauptinvestor ist Larry Ellison – gegründet, um einem Verbot in den USA zu entgehen, berichtet Indiatimes.com. Ob die 200 Mio. amerikanischen Nutzer Veränderungen bemerken würden, sei unklar – der Algorithmus solle zwar für den amerikanischen Markt „retrained“ werden, die App verspreche aber weiterhin globale Reichweite. Laut Emarketer verliere Tiktok bereits Nutzungszeit an Instagram Reels und Youtube Shorts. Experten kritisierten zudem, dass der Deal weder Privatsphäre noch nationale Sicherheit verbessere, da der E-Commerce weiter an die globale Infrastruktur gebunden bleibe und Bytedance weiterhin 20 Prozent halte.

Amazon streicht 30.000 Jobs für schlankere Hierarchien
Amazon plant ab nächster Woche eine zweite Kündigungsrunde mit voraussichtlich 16.000 Stellen, nachdem im Oktober bereits 14.000 Jobs gestrichen wurden, berichtet Livemint.com. Betroffen seien Amazon Web Services, der Einzelhandelsbereich, Prime Video und die Personalabteilung. CEO Andy Jassy begründe den Abbau nicht mit finanziellen Zwängen oder KI-Effizienz, sondern mit ausufernder Bürokratie und zu vielen Hierarchieebenen. Die 30.000 gestrichenen Positionen entsprächen zwar nur zwei Prozent der Gesamtbelegschaft von 1,58 Mio. Menschen, aber fast zehn Prozent aller Büroangestellten – Amazons größte Entlassungswelle seiner dreißigjährigen Geschichte.

Paypal kauft Cymbio für agentisches Shopping
Paypal übernimmt die israelische KI-Plattform Cymbio, meldet Ad-Hoc-News.de. Der Bezahldienst bereite sich damit auf den sogenannten „agentic commerce“ vor, bei dem KI-Assistenten autonom für ihre Nutzer einkaufen würden. Cymbio helfe Marken bereits, Produkte über Dutzende Online-Kanäle zu vertreiben – auch auf neuen KI-Oberflächen wie Microsoft Copilot. Parallel biete Paypal seit dem 20. Januar US-Kunden mit Debit Mastercard über den Partner April eine kostenlose Steuererklärung an, die sonst rund 160 Euro kosten würde.

Brunello Cucinelli baut E-Commerce für Langsam-Shopper
Der italienische Luxus-Modehersteller Brunello Cucinelli hat eine KI-gestützte E-Commerce-Plattform gestartet, wie Digitalcommerce360.com berichtet. Das System ermögliche kontextbezogene Produktanfragen per Textfeld und solle das persönliche Verkaufsgespräch aus dem stationären Handel digital nachbilden. Die Plattform optimiere bewusst nicht auf schnelle Konversion, sondern auf Markenerlebnis und emotionale Kundenbindung. Branchenexperten bewerten den Ansatz als sinnvoll für Luxusmarken, allerdings fehle bisher die echte Innovation: Eine KI-gestützte Individualisierung nach Körpermaßen und persönlichen Wünschen wäre der eigentliche Durchbruch für den Luxus-E-Commerce.


Jeder dritte Online-Shop setzt auf KI-Shopping-Assistenten
Drei Viertel aller E-Commerce-Unternehmen sparen bei der Kundenakquise, seit ihre Käufer KI-Tools wie ChatGPT zum Produktfinden nutzen, zeigt eine Studie der Pattern Group. Bereits jeder dritte Online-Händler setze KI-Shopping-Agenten ein, 87 Prozent erwarteten dadurch binnen Jahresfrist Umsatzwachstum. Die durchschnittliche KI-Investition steige von 250.000 Euro auf 277.000 Euro. Modemarken lägen vorn: 46 Prozent bereiteten sich darauf vor, dass KI-Agenten zum primären Verkaufskanal würden.

Google Discover textet irreführende Überschriften
Google Discover macht KI-generierte Überschriften zum Standard-Feature, auch wenn sie Artikel irreführend zusammenfassen, berichtet 9to5Google.com. Die KI fasse laut Google Informationen mehrerer Quellen zusammen und wäre bei den Nutzern beliebt. Dabei habe beispielsweise eine Überschrift behauptet, dass Waze neue Funktionen angekündigt habe, obwohl das bereits vor zwei Jahren geschehen sei. Ein Artikel von Notebookcheck über eine Anker-Powerbank mit einziehbarem Kabel habe eine Überschrift erhalten, die sich auf ein ganz anderes Produkt bezieht. Der Hinweis auf KI-Generierung verstecke sich hinter einem „See more“-Button, weshalb Nutzer die Zeilen für Originalüberschriften der Publisher hielten.

Youtube erklärt KI-Schrott den Kampf
Ein Fünftel aller Youtube-Videos ist mittlerweile KI-generiert, berichtet Golem.de. CEO Neal Mohan kündige verstärkte Maßnahmen gegen minderwertigen KI-Content an, sogenannten „AI Slop“. Das bestehende Anti-Spam-System solle künftig auch gegen KI-Schrott vorgehen – allerdings habe die automatische Kontrolle auch schon Fehlentscheidungen getroffen. Auf der anderen Seite baue Youtube aber seine KI-Funktionen aus: Nutzer könnten Fragen zu Videos stellen, Tonspuren würden automatisch übersetzt, und Kreative erhielten die Möglichkeit, vollständig KI-generierte Shorts von sich selbst zu produzieren.
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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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