
Bonprix, Händlerbund-Forum, VZBV + DHL, JD.com + Ceconomy, Schweiz, Scayle + Levi’s, Mercado Libre, EU-Suchmaschine, KI-Betrug
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Bonprix senkt Retouren mit KI-Größenberatung
Bonprix hat mit „Size Advice“ ein eigenentwickeltes KI-Feature eingeführt, das Bestandskundinnen im deutschen Online-Shop automatisch die passende Kleidergröße empfiehlt, berichtet das Unternehmen. Statt Körpermaße oder Fotos abzufragen, speise das Modell sich aus Kauf- und Retourenhistorie sowie Artikeldaten wie Material und Schnittmaßen. Seit dem Vollstart im Oktober sei die Retourenquote bei Damenoberbekleidung um mehr als zwei Prozentpunkte gesunken. Geplant sei eine Ausweitung auf Wäsche und Bademode sowie eine Lösung für Neukundinnen.
Neues Händlerbund-Forum bietet Rechtstipps und Branchenaustausch
Der Händlerbund startet laut Medienmitteilung ein moderiertes Forum, in dem sich Online-Händler zu Recht, Marktplätzen, Technik und Logistik austauschen können. Das Forum verstehe als professionelle Community für Online-Händler für fundierte Diskussionen zu den aktuellen Fragestellungen des E-Commerce im DACH-Raum. Es richte sich an Betreiber jeder Größe – vom kleinen Shop bis zum internationalen Multichannel-Unternehmen. Als Mehrwert hebe der Verband rechtliche Ersteinschätzungen durch sein Expertenteam hervor.
VZBV verklagt DHL wegen App-Zwang an Packstationen
Der Verbraucherzentrale Bundesverband verklagt DHL, weil neue Packstationen nur noch per App zu öffnen sind, berichtet Golem.de. Wenn ein Paket in einem solchen Automaten deponiert werde, weil es nicht zugestellt werden konnte, brauche der Kunde die Post & DHL App zum Öffnen. Ohne Smartphone kein Päckchen. Dem könne zwar widersprochen werden, doch die standardmäßige Umleitung an App-Automaten untergrabe die Wahlfreiheit. Das Gericht muss nun Effizienzgewinne gegen Verbraucherrechte abwägen.
HDE schlägt Alarm: Sonderangebote nur noch alle 30 Tage
Ein EuGH-Urteil zur EU-Preisangaben-Richtlinie zwingt Händler, dasselbe Produkt nur noch alle 30 Tage mit einem Aktionspreis zu bewerben, meldet der HDE. Eine neue Studie des IFH Köln zeige, dass viele Produkte bisher deutlich häufiger herabgesetzt worden seien. Zu erwarten seien nun seltenere Preisaktionen und damit ein negativer Effekt auf den Preiswettbewerb. Besonders einkommensschwache Haushalte verlören ein wichtiges Spar-Instrument. Der HDE fordere eine Änderung der Richtlinie auf EU-Ebene.
Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von Ceconomy durch JD.com freigegeben, berichtet MSN.com. JD.com wolle für vier Mrd. Euro Mehrheitsaktionär der Mediamarkt-Saturn-Mutter werden. Kartellamt-Präsident Mundt sehe kaum wettbewerbliche Berührungspunkte, da JD.com in Deutschland bislang nur mit dem kleinen Online-Shop Joybuy vertreten sei. Endgültig besiegelt sei der Deal nicht: Bundeswirtschaftsministerin Reiche könne aus sicherheitspolitischen Gründen noch ein Veto einlegen.
HANDEL INTERNATIONAL
Schweizer Online-Handel wächst sechs Prozent
Schweizer Konsumenten gaben 2025 insgesamt 15,8 Mrd. Franken im Online-Handel aus – ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtet NielsenIQ.com. Der Inlandsumsatz sei auf 13 Mrd. Franken gestiegen, während das Wachstum der Auslandseinkäufe von 18 auf acht Prozent abgeflacht sei. Heimelektronik habe mit elf Prozent Zuwachs am stärksten zugelegt, Fashion nach fünf Verlustjahren dank Zalando erstmals wieder ein Plus von 2,5 Prozent erzielt. Digitec Galaxus bleibe der größte Gewinner, Marktplätze stellten fast die Hälfte der Top 30. Für 2026 rechne die Studie mit rund fünf Prozent Wachstum.
Zalandos B2B-Plattform Scayle übernimmt den globalen E-Commerce-Betrieb von Levi.com in den USA, Kanada und Europa, berichtet Fashionnetwork.com. Der Jeans-Pionier verfolge eine DTC-first-Strategie und setze künftig auf Scayles Infrastruktur für seinen Omnichannel-Auftritt. Die Migration laufe bereits, der vollständige Umzug solle sich bis 2027 erstrecken. Für das 2018 innerhalb der About-You-Gruppe gegründete Scayle sei der Deal ein Türöffner in den größten SaaS-Markt der Welt. Zu den bestehenden Kunden zählten bereits Harrods, Deichmann und S.Oliver.
Mercado Libre investiert 3,4 Mrd. Dollar in Argentinien
Mercado Libre will dieses Jahr rund 3,4 Mrd. Dollar in Argentinien investieren – 30 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete Reuters.com. Das Geld fließe in Logistik, neue Verteilzentren, Plattform-Technologie und den Fintech-Arm „Mercado Pago“. Zusätzlich schaffe der in Uruguay ansässige Konzern knapp 2.000 Stellen im Gründungsland, wo bereits 16.700 Menschen für ihn arbeiteten. Argentinien bleibe neben Brasilien und Mexiko einer der drei Schlüsselmärkte des lateinamerikanischen E-Commerce-Schwergewichts.
Stitch Fix: Weniger Kunden, aber dank KI mehr Umsatz
Stitch Fix steigerte seinen Quartalsumsatz um 9,4 Prozent auf 341,3 Mio. Dollar, obwohl die aktive Kundschaft weiter schrumpft, berichtet Retail-News.de. KI-gestützte Empfehlungen und ein überarbeitetes Sortiment trieben den Mehrwert je Kunde nach oben, so dass der US-Stylingdienst pro Kopf inzwischen 577 Dollar umsetze, ein Plus von 7,4 Prozent. Der Nettoverlust sei auf 2,7 Mio. Dollar zusammengeschmolzen, das bereinigte Ebitda liege bei 15,9 Mio. Dollar. Für das Gesamtjahr peile das Unternehmen 1,33 bis 1,35 Mrd. Dollar Umsatz an.
Großbritannien fordert Alterskontrollen von Meta, Tiktok und Co.
Die britischen Regulierungsbehörden Ofcom und ICO verlangen von Meta, Tiktok, Snapchat, Youtube und Roblox bis Ende April deutlich strengere Alterskontrollen, berichtet Reuters.com. Im Zuge des „Online Safety Act“ müssten die Plattformen nachweisen, wie sie Minderjährige besser vor schädlichen Inhalten schützen wollten. Großbritannien erwäge zudem ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige nach australischem Vorbild. Meta verwies auf eigene KI-Alterserkennung und fordere eine zentrale Verifizierung über App Stores. Bei Verstößen drohten Bußgelder von bis zu zehn Prozent des globalen Umsatzes – Reddit habe bereits 14,5 Mio. Pfund zahlen müssen.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Ecosia und Qwant wollen EU-Suche für 50 Mio. Euro bauen
Das Joint Venture „European Search Perspective“ von Ecosia und Qwant hat alle 27 EU-Regierungschefs aufgefordert, nationale Suchindizes als öffentliche Infrastruktur aufzubauen, berichtet Heise.de. 99,5 Prozent aller europäischen Suchanfragen liefen über Google, Bing oder Yandex. Die Kosten für eine EU-weite Suchmaschine beziffere EUSP auf 50 Mio. Euro. Frühere Anläufe wie Quaero und Theseus hätten allerdings, ohne marktfähige Ergebnisse, zusammen bereits rund 400 Mio. Euro verschlungen.
KI-gestützter Betrug hat 2025 in Großbritannien einen Rekordstand erreicht: 444.000 Fälle meldet die Betrugsbekämpfungsorganisation Cifas laut Theguardian.com. Das entspreche einem Anstieg von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kriminelle setzten insbesondere auf Konto-Übernahmen bei Mobilfunk, Online-Shopping und Kreditkarten. Fertige Betrugs-Toolkits – sogenannter „Fraud as a Service“ – und künstliche Identitäten ermöglichten mittlerweile die Täuschung im industriellen Maßstab. Trotzdem trauten sich immer noch 36 Prozent der Verbraucher zu, KI-Betrug erkennen zu können.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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