
DHL, Fressnapf, Wachstum, Amazon, Gamestop + Ebay, Digitalsteuer, Schweiz, KI-Einkaufstipps, Refurbished-Markt, KI + Jobs
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteur – ein Muss, wenn Google in den nächsten Monaten das Universal Commerce Protocol integriert. -> Mehr lesen
HANDEL NATIONAL
DHL: Gewinn wächst, E-Commerce verliert zweistellig
Die DHL Group hat im ersten Quartal ihr operatives Ergebnis um 8,3 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro gesteigert, berichtet Haendlerbund.de. Der Konzernumsatz sei wegen Währungseffekten um 1,9 Prozent auf 20,4 Mrd. Euro gesunken, organisch jedoch um zwei Prozent gewachsen. Die Sparte DHL eCommerce büße zwar elf Prozent Umsatz ein und lande bei 1,56 Mrd. Euro, halte aber das operative Ergebnis bei 50 Mio. Euro.
Nörvenich wird Fressnapfs neue Drehscheibe
Fressnapf hat in Nörvenich sein neues Logistikzentrum eröffnet, berichtet Logistik-Heute.de. Der Standort in Nordrhein-Westfalen diene als Drehscheibe für das E-Commerce-Geschäft in Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg, später auch in den Niederlanden. Rund 80 Mio. Euro habe der Tierbedarfsanbieter in die 140.000 Quadratmeter große Anlage gesteckt. Die 260 Roboter der Autostore-Anlage mit 120.000 Behältern und 500 menschliche Mitarbeiter könnten täglich bis zu 40.000 Pakete versenden, ausbaubar auf 60.000.
Einzelhandel wächst nur noch online
Der deutsche Einzelhandel hat im März real zwei Prozent Umsatz gegenüber dem Vormonat eingebüßt, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Auch im Jahresvergleich liege das Minus bei zwei Prozent. Besonders deutlich treffe es den Lebensmittelhandel mit einem Rückgang von 2,7 Prozent zum Februar und 3,3 Prozent zum Vorjahr. Der Bereich Nicht-Lebensmittel schrumpfe um ein Prozent. Gegen den Strom schwimme der Internet- und Versandhandel: Er lege drei Prozent zum Vormonat zu und 5,9 Prozent gegenüber März 2025.
HANDEL INTERNATIONAL
Amazons Werbegeschäft legt 22 Prozent zu
Amazons Werbegeschäft erreichte im ersten Quartal Erlöse von 17,2 Mrd. Dollar und damit ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr, berichtet Retail-News.de. Treiber sei der verstärkte KI-Einsatz: Neue Tools sollen Kampagnen automatisiert planen, umsetzen und optimieren, etwa über Kreativagenten und interaktive Produktempfehlungen. Zudem verzahne Amazon Shopping-, Streaming- und Nutzungsdaten zu einer Omnichannel-Plattform. Kooperationen mit Netflix und Technologiepartnern sollen die Reichweite künftig zusätzlich vergrößern.
Der Videospielehändler Gamestop (12 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung) bereitet ein Übernahmeangebot für die viermal größere Handelsplattform Ebay (46 Mrd. Dollar) vor, meldet N-TV.de unter Berufung auf das Wall Street Journal. Gamestop habe bereits stillschweigend eine Beteiligung aufgebaut; Chef Ryan Cohen wolle damit den eigenen Börsenwert mehr als verzehnfachen. Lehne das Ebay-Management ab, könne Cohen sich direkt an die Aktionäre wenden. Die Ebay-Aktie sprang nachbörslich um 14 Prozent.
Brüssels Antwort auf Trumps Zoll: Digitalsteuer für Big Tech
Das EU-Parlament fordert als zentrale Säule des nächsten EU-Haushalts 2028 bis 2034 eine Digitalsteuer auf große Tech-Konzerne, berichtet Heise.de. Neue Eigenmittel sollten jährlich rund 60 Mrd. Euro einbringen, das Haushaltsvolumen auf etwa 1,78 Bio. Euro klettern. Hinzukämen Abgaben auf Online-Glücksspiele, Krypto-Gewinne und ein erweiterter CO2-Grenzausgleich. Die Abgeordneten setzten sich damit über die Kommission hinweg, die das Vorhaben mit Rücksicht auf Washington fallengelassen habe – allerdings bevor Trump die Autozölle auf 25 Prozent anzog.
Schweizer Online-Handel wächst elf Prozent
Der Schweizer Online-Handel wuchs im ersten Quartal kumuliert um rund elf Prozent, meldet NielsenIQ.com. Der gesamte Einzelhandel habe um 2,7 Prozent zugelegt. Die Konsumentenstimmung bleibe laut Bundesamt für Statistik mit minus 43 Punkten weiterhin gedrückt. Wachstumsimpulse kämen am ehesten aus Freizeit, Heimelektronik und DIY, während Fashion deutlich unter dem Vorjahr performe.
Amazon stellt 11.000 Nachwuchsentwickler an
Amazon werde 2026 wieder 11.000 Praktikanten in der Softwareentwicklung einstellen, berichtet Businessinsider.de. AWS-Chef Matt Garman widerspreche der Branchenstimmung, KI mache Entwickler überflüssig: Die Nachfrage wachse sogar. Das Berufsbild verschiebe sich allerdings: Wer Java-Schnipsel tippe, werde künftig weniger gebraucht als jemand, der Anwendungen baue und Kundenprobleme löse. Anfang 2026 hatte Amazon rund 16.000 Stellen gestrichen, angeblich nicht bedingt durch die KI.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Wie KI die Spielregeln im Handel neu schreibt
Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln im Handel, aber nicht da, wo viele es vermuten. Etailment-Expertin Marilyn Repp über die Frage, die es nun zu beantworten gibt: Wofür stehen wir eigentlich – und was davon ist wirklich relevant für die Zukunft? Hier weiterlesen.
Knapp zwei Drittel der 18- bis 27-Jährigen haben bereits auf eine KI-Empfehlung hin gekauft, ohne die Angaben anderweitig zu prüfen, zitiert Channelx.world eine Rithum-Studie. Auch entschieden sich 36 Prozent aller Shopper mit KI-Unterstützung schneller. Wer dann doch nachprüfe, frage eher Suchmaschinen, Bekannte oder das eigene Gedächtnis – Hersteller-Websites blieben außen vor, 95 Prozent steuerten sie gar nicht erst an.
Wenn das Vorjahresmodell reicht: Refurbished-Markt zieht davon
Wiederaufbereitete Elektronik wächst deutlich schneller als Neuware, meldet NielsenIQ.com. Refurbished Smartphones hätten 2025 beim Absatz um 38 Prozent zugelegt, während Neugeräte fünf Prozent verloren hätten. Wearables, Tablets und Laptops folgten mit einem Absatzplus zwischen 45 und 53 Prozent. Im ersten Quartal sei der Umsatz des gesamten Refurbished-Markts um 47,9 Prozent gestiegen. Rückenwind komme von der EU-Richtlinie „Right to Repair“, die Ende Juli in deutsches Recht übergehe.
Wenn KI billiger wird, steigt der Personalbedarf
KI werde den Arbeitsmarkt nicht leerfegen, sondern befeuern, meint Apollo-Chefökonom Torsten Sløk laut Businessinsider.de. In seinem Blog verweise er auf das Jevons-Paradoxon von 1865: Als Dampfmaschinen die Kohlenutzung effizienter machten, sei der Verbrauch gestiegen statt gesunken. Dasselbe Muster erwarte er bei Rechts-, Beratungs- und Finanzdienstleistungen. Sinkende Kosten pro Einheit professioneller Arbeit lockten zusätzliche Nachfrage.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge