
dm knackt die 9-Milliarden-Euro-Marke
dm-Drogeriemarkt freut sich über die besten Umsatzzahlen in der Unternehmensgeschichte. Und macht viele neue Erfahrungen: Mit Bio-Lebensmitteln, eigenem Onlineshop und einem Shitstorm.

dm-Drogeriemarkt freut sich über die besten Umsatzzahlen in der Unternehmensgeschichte. Und macht viele neue Erfahrungen: Mit Bio-Lebensmitteln, eigenem Onlineshop und einem Shitstorm.

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Im April dieses Jahres hat der Händler mit dmBio eine eigene Marke für Bio-Lebensmittel eingeführt, denn: "Das Segment ist von einer Randerscheinung zum Mainstream geworden", ist der dm-Manager überzeugt. Bislang hatte dm dieses Segment mit Produkten des Bio-Supermarktbetreibers Alnatura abgedeckt, die es auch weiterhin gibt, aber weiterhin ausgelistet werden soll.
Angesprochen auf die hauseigene Konkurrenz zum bisherigen Lieferanten argumentierte der dm-Geschäftsführer, dass dieser Sortimentsteil nun auf einen normalen Weg gebracht würde: "Wir sind von der Monomarkenstrategie bei Bio-Lebensmitteln zur Mehrmarkenstrategie gewechselt. Mit der größeren Auswahl werden wir den Wünschen unserer Kunden besser gerecht und können unser Angebot nachfrageorientiert gestalten".
Neben Bio-Lebensmitteln bietet der Filialist zudem in 54 Testmärkten auch vegane Produkte von Veganz an. "Mit dieser Kooperation runden wir unser Sortiment in Richtung Rohkost und Superfoods mit rund 50 Artikeln ab. Letztendlich entscheiden aber die Kunden, was sich durchsetzen wird", sagte er.
Seit Mitte Juli verkauft der Drogeriefilialist auch über einen eigenen Onlineshop gut 11.000 Artikel - und damit "nahezu das gesamte Sortiment", so Werner: "Viele Kunden haben sich die Einkaufsfunktion auf dm.de gewünscht, deshalb war es an der Zeit zu starten." Die Versandkosten betragen 4,95 Euro je Paket, eine Füllstandsanzeige zeigt während des Bestellvorgangs auf, wann ein weiteres (kostenpflichtiges) Paket gepackt werden müsste.
Der Onlineumsatz sei durchaus auf "Höhe einer Filiale", und auch sonst zeigte sich Werner mit dem jungen Webshop zufrieden: "Anders als so manches Start-up sind wir so aufgestellt, dass mehr Umsatz nicht mehr Verlust bedeutet", sagte er. "Wir werden Multichannelhandel weiter beobachten, offen sein und nah an der Entwicklung bleiben".
Auch bei den Sozialen Medien wird dm offenbar immer beliebter: "Seit wenigen Tagen sind mehr als zwei Millionen Menschen auf Facebook mit dm verbunden, was laut Facebook zur Folge hat, dass ein einziger Post bis zu acht Millionen Menschen erreichen kann. Wir sind demnach nun eines der zehn größten Netzwerke in Deutschland", berichtete Werner.
Kürzlich hatte dm allerdings auch mit den Schattenseiten der Sozialen Netzwerke zu kämpfen, mit einem so genannten Shitstorm: "Rupert Neudeck, der Mitgründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, wollte sich in unserem Markt in Troisdorf für einen guten Zweck eine Stunde an eine Kasse setzen", berichtet Werner. "Der erzielte Umsatz sollte für den Deutschunterricht asylsuchender Menschen gespendet werden, den die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg organisieren wolle."
Dessen Mitbegründer und Vorsitzender Musa Ataman sei mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden "und ist damit eigentlich unverdächtig, irgendwelche Terroristen zu unterstützen," sagte der dm-Geschäftsführer.
Doch scheinbar reichte das Reizwort "kurdisch" aus, dass einige militante Türken aus der Region im Internet zu einem Boykott des Handelsunternehmens aufriefen, weil dieser angeblich die Terrororganisation PKK unterstütze.
"Wir mussten dieses Vorhaben in Troisdorf leider aufgeben, weil unsere soziale Aktion von militanten und radikalen Menschen zum Anlass für Beschimpfungen, Verleumdungen und Gewaltanwendung missbraucht wurde und wir bei dm keine Plattform für aggressive Eskalation bieten wollen", bedauerte Werner das Scheitern der Aktion. "Unsere Mitarbeiter hatten Angst und fühlten sich bedroht. Wir mussten sie schützen. Wir werden unser gesellschaftliches Engagement keinesfalls zurückfahren" stellte er klar.
Sybille Wilhelm, Frankfurt