
Rum X vermittelt Rum. Und sonst gar nichts. Das Stuttgarter Start-up verknüpft einen Marktplatz für Rums aller Preisklassen und Herkünfte mit einer Community, die Tausende von Verkostungsnotizen dalässt. Das ermöglicht spitze Beratung durch Schwarmintelligenz. Und einen stark steigenden vermittelten Umsatz.
Rum X vermittelt Rum. Und sonst gar nichts. Das Stuttgarter Start-up verknüpft einen Marktplatz für Rums aller Preisklassen und Herkünfte mit einer Community, die Tausende von Verkostungsnotizen dalässt. Das ermöglicht spitze Beratung durch Schwarmintelligenz. Und einen stark steigenden vermittelten Umsatz.
Zu spitze Zielgruppen gibt es nicht. Mit dieser Prämisse hat Oliver Gerhardt aus Stuttgart seine ursprüngliche Idee einer App für Rum-Verkostungen zu einem Amazon für Rum ausgebaut: Rum X sei die „größte Rum-Datenbank der Welt“ und biete „Europas größte Auswahl“, wirbt die Website.
Rum X ist eine reine Plattform ohne eigene Lagerhaltung und Produkte. Gerhardt verbindet 42 Partner-Shops und Auktionshäuser mit rund 48.000 registrierten Nutzern der App. Dabei bietet er deutlich mehr als Produktübersichten und Preisvergleiche für rund 25.000 Rums: Da die App-Nutzer ihre Rum-Sammlungen wie auch ihre Urteile in der Datenbank von Rum X notieren, kann die Plattform auf 268.000 Bewertungen zugreifen – und verspricht: „250.000 echte Bewertungen. 0 Fehlkäufe“.
Wirklich null Fehlkäufe? „Das ist natürlich ein selbstbewusstes Versprechen, aber wir stehen dahinter“, sagt Gerhardt. „Wir bewahren den Nutzer vor der Katze im Sack.“ Aufgrund der Bewertungen und einer Filterfunktion nimmt er für sich in Anspruch, jedem und jeder den passenden Rum herauszusuchen. „Wenn ein 80-Euro-Rum von der Community verrissen wird, kauft der Nutzer ihn nicht. In diesem Sinne verhindern wir den objektiven Fehlkauf sehr effektiv“, so Gerhardt. „Da wir keine eigenen Bestände abverkaufen müssen, bleiben unsere Empfehlungen und Rankings neutral.“Rum X verdient sein Geld mit Provisionen der Händler, dazu gibt es eine kostenpflichtige „Plus“-Version der ansonsten kostenfreien App. Das vermittelte Handelsvolumen (GMV) des zu Ende gehenden Jahres 2025 hat sich laut Gerhardt im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht. „Wir vermitteln mittlerweile sechsstellige Monatsumsätze an unsere Partner-Shops“, sagt er. „Während der Massenmarkt schwächelt, ist der durchschnittliche Warenkorbwert bei uns extrem hoch. Unsere Nutzer kaufen ,weniger, aber besser‘ – und das zu Preisen, die für den Handel hochattraktiv sind.“ Rum X schließe die Lücke zwischen Inspiration (Bewertung) und Transaktion (Kauf). Da die Kaufentscheidung bereits bei Rum X falle, fielen für die Shops keine Werbekosten an.
Die Tausende von Bewertungen nutzt Rum X in diesem Jahr erstmals für „Community Awards“. Die Anfang Dezember veröffentlichten Listen basieren nicht auf der Verkostung einer Jury, sondern auf 60.670 Verkostungsnotizen (Tasting Notes) der Community aus den Monaten Dezember 2024 bis November 2025. „Bewertet wird nicht die technische Perfektion unter Laborbedingungen, sondern die reale Performance am Markt“, sagt Gerhardt.
Seine Beobachtung: „Wir sehen, dass die ‚Mitte‘ wegbricht.“ Kunden kauften entweder „den unkomplizierten 30-Euro-Rum für den Abend mit Freunden“ oder investierten „150 Euro in ein limitiertes Single Cask aus Jamaika“. Händler, die sich nur im Mittelfeld bewegten, würden es 2026 schwer haben, prognostiziert Gerhardt. Und natürlich sind die Listen sind nichts anderes als Empfehlungen für Weihnachten. „Viele Nischen-Communities scheitern an der Monetarisierung oder dem Sprung in den Transaktionsbereich. Wir haben diesen Pivot erfolgreich gemeistert“, bilanziert Oliver Gerhardt. Im Etailment.de-Interview spricht er über Details und Pläne.
Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
„Mama, stell dir vor, du stehst im Supermarkt vor dem Weinregal und hast keine Ahnung, was schmeckt. Mit meiner App scannst du die Flasche und siehst sofort, was tausende andere Leute dazu sagen. Und wenn dir der Wein gefällt, zeigt dir die App auch gleich, wo du ihn am günstigsten bestellen kannst. Wir sind quasi der digitale Sommelier für die Hosentasche – nur für Rum.“
Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in 280 Zeichen?
Rum X ist das weltweit größte Ökosystem für Premium-Rum. Wir verbinden 50.000 Genießer mit über 40 führenden Händlern. Unser Modell: High-Quality Content und Smart Data führen zu qualifizierten Käufen. Wir liefern die Kunden, die Shops die Logistik. Win-Win ohne Ad-Spend.
Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Auf Händlerseite sind mittlerweile die europäischen Top-Player an Bord, wie La Maison du Whisky (Frankreich), Spirit Academy (Italien) oder Rum & Co (Deutschland). Aber unsere wichtigsten „Kunden“ sind die Nutzer unserer Community: Dass sie ihre privaten Rum-Sammlungen im Wert von über 53 Millionen Euro unserer Plattform anvertrauen, ist für mich der größte Vertrauensbeweis.
Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Da der Sekundärmarkt für Raritäten explodiert, wären große internationale Auktionshäuser wie Sotheby’s spannende Partner, um unsere Marktdaten noch tiefer zu integrieren. Und natürlich: Ein Austausch mit Jeff Bezos darüber, warum spitze Nischen-Communitys heute das bessere Kauferlebnis bieten als Generalisten, wäre sicher inspirierend. :-)
Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Dass „Nische“ kein Schimpfwort ist, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Wir haben gelernt: Wenn man ein Problem für eine spitze Zielgruppe (Rum-Nerds) perfekt löst, entsteht daraus eine organische Loyalität und ein Experten-Status, den man mit Marketinggeld nicht kaufen kann. „Deep Vertical“ schlägt „Broad Horizontal“.
Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
53,6 Millionen Euro. Das ist der aktuelle Wert der Rum-Sammlungen, die unsere Nutzer digital in der App verwalten. Diese Zahl zeigt, dass wir nicht nur eine „Trink-App“ sind, sondern ein ernstzunehmendes Asset-Management-Tool für Sammler und Investoren.
Welche Schlagzeile über Ihr Start-up würden Sie gerne in fünf Jahren in einer Wirtschaftszeitung lesen?
„Stuttgarter Tech-Unternehmen definiert den globalen Spirituosenhandel neu: Rum X beweist, dass Community-Commerce die Zukunft des E-Commerce ist und knackt die 40-Millionen-Euro-GMV-Marke.“