
E-Commerce zwischen Preisfokus und Spontankauf: Was Händler aus dem aktuellen Kaufverhalten lernen können
Deutsche Online-Shopper gelten als ausgemachte Schnäppchenjäger. Eine aktuelle YouGov-Studie im Auftrag von Coupons.de zeigt: Was tatsächlich zum Kauf bewegt, ist differenzierter als viele Händler annehmen. Marcel Schöne, Gründer der Performance-Partnership-Agentur uppr, erklärt, was das für Rabatt- und Kanalstrategien bedeutet.
Marcel SchöneGründer und Managing Director der uppr GmbHAuch eine aktuelle Studie zum Verhalten deutscher Online-Shopper, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Coupons.de, bestätigt, dass zwischen Marketingannahmen und Kaufmotiven häufig eine deutliche Lücke besteht. Die Ergebnisse liefern wertvolle Hinweise darauf, wie Händler ihre Marketingstrategie datenbasiert weiterentwickeln können.
Raus aus der Rabattfalle: Incentives neu definieren
Preisaktionen gehören seit Jahren zu den wichtigsten Instrumenten im Onlinehandel. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Unternehmen klassische Gutscheine oder prozentuale Rabatte häufig überschätzen. Zwar nennen 77 Prozent der Befragten den Preis als entscheidenden Faktor für ein gutes Einkaufserlebnis, doch spontane Kaufentscheidungen werden häufig auch durch andere Anreize ausgelöst. So geben jeweils rund 52 Prozent an, dass sie sich zum Kauf animieren lassen, wenn ihnen ein Produkt besonders gut gefällt – ebenso viele nennen kostenlosen Versand als eigenständigen Kaufanreiz.
Daraus ergibt sich für Händler die strategische Empfehlung, Rabattstrategien differenzierter einzusetzen. Dauerhafte Preisnachlässe können Margen unter Druck setzen und bergen aus strategischer Sicht das Risiko, langfristig den wahrgenommenen Markenwert zu schwächen. Stattdessen lohnt es sich, Incentives stärker als Mehrwert zu denken. Dazu zählen etwa kostenloser Versand, exklusive Zugänge zu Produkten oder limitierte Angebote für bestimmte Kundengruppen.
Solche Maßnahmen können die Conversion fördern, ohne gleichzeitig eine dauerhafte Rabattspirale auszulösen. Entscheidend ist dabei, dass Händler Preisvorteile gezielt einsetzen, zum Beispiel am Ende der Customer Journey als zusätzlichen Kaufimpuls und nicht als alleinige Strategie, um die Nachfrage zu erhöhen. Welche Incentives in welcher Phase der Customer Journey am besten funktionieren, sollten Händler idealerweise datenbasiert testen und segmentbezogen ausspielen.
Sichtbar bleiben in einer sich verändernden Discovery-Landschaft
Parallel verändert sich die Art und Weise, wie Konsument:innen Produkte entdecken und auswählen. Algorithmische Empfehlungen, automatisierte Produktsuchen und KI-Tools spielen bei digitalen Kaufentscheidungen eine immer größere Rolle.
Folglich sollten Händler ihre digitalen Strukturen frühzeitig auf diese Entwicklung ausrichten. Produktinformationen müssen klar strukturiert, verständlich formuliert und leicht interpretierbar sein. Das kommt nicht nur menschlichen Nutzer:innen zugute, sondern auch automatisierten Systemen.
Ob und wie stark sich diese Entwicklung langfristig auf Sichtbarkeit und Conversion auswirkt, ist je nach Zielgruppe und Branche unterschiedlich. Aus strategischer Perspektive spricht jedoch vieles dafür, Produktdaten, Inhalte und Kategoriestrukturen schon heute so aufzubereiten, dass neue Such- und Empfehlungssysteme sie gut verarbeiten können.
Vertrauen schlägt Reichweite
Neben Preis und Sichtbarkeit gewinnt ein weiterer Faktor zunehmend an Bedeutung: Vertrauen. Laut der YouGov-Studie vertrauen Konsument:innen vor allem etablierten und professionellen Kanälen. Newsletter gelten mit 37 Prozent als glaubwürdigste Rabattquelle, gefolgt von offiziellen Gutscheinportalen mit 20 Prozent; Influencer-Codes kommen lediglich auf 5 Prozent.
Aus den Studienergebnissen lässt sich für Händler die Empfehlung ableiten, Partner und Kanäle nicht allein nach Reichweite zu bewerten, sondern auch nach ihrem Beitrag zum Vertrauen in die Marke und zur Markenwahrnehmung. Eine naheliegende Konsequenz ist die stärkere Fokussierung auf wenige, qualitativ hochwertige Partner statt auf eine große Zahl unkontrollierter Publisher. Eine solche Konsolidierung kann Transparenz im Tracking erhöhen, unnötige Kosten reduzieren und gleichzeitig die Markenintegrität stärken.
Fazit: Strategie statt Reflexe
Es zeigt sich, dass viele bewährte Marketingannahmen im Onlinehandel inzwischen zu kurz greifen. Preisaktionen bleiben ein wichtiger Hebel, sollten jedoch gezielt eingesetzt werden. Zugleich gewinnen Faktoren wie Vertrauen, relevante Mehrwerte und eine klare Datenstruktur an Bedeutung.
Erfolgreiches Marketing im E-Commerce dürfte künftig weniger von kurzfristigen Aktionen allein abhängen, sondern stärker von strategischen Entscheidungen, die sich an realem Kaufverhalten orientieren. Die Ergebnisse aus der YouGov-Studie sprechen dafür, Preisvorteile differenzierter zu betrachten, Vertrauen in Kanäle stärker zu gewichten und Zielgruppen präziser anzusprechen.
Denn nachhaltiges Wachstum entsteht nicht aus dem nächsten Rabatt, sondern aus guter Orchestrierung: aus Incentives, die echten Mehrwert liefern, einer technischen Basis, die kommende Entwicklungen mitträgt, und Partnerschaften, die nach Qualität statt Masse bewertet werden.

Gründer und Managing Director der uppr GmbH
Marcel Schöne ist Gründer, Inhaber und Managing Director der uppr GmbH, einer Agentur für Performance Partnerships. Er gilt als Experte für Affiliate-Marketing und Performance Partnerships; seine berufliche Laufbahn führte ihn zuvor zu Unternehmen wie Tele2, Simyo und The Reach Group.
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