3D Illustration zu Onlinehandel, Reparaturrecht, Cybersicherheit und Senioren im E-Commerce
© Black Forest Labs / Flux

Ebay, Doctolib, Recht auf Reparatur, BIP, Zalando, Temu, Galaxus, Richemont, Amazon, Trend Micro, Tiktok, Silver Surfer

Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
6 Min.· Aktualisiert am
Teilen

HANDEL NATIONAL

Ebay dreht an der Gebührenschraube
Ebay erhöht ab dem 12. Februar die Verkaufsprovisionen auf seinem Marktplatz, berichtet Haendlerbund.de. Die Grundgebühr für Bestellungen über zehn Euro steige von 35 auf 45 Cent, die variable Provision klettere von zwei auf drei Prozent. In Kategorien wie Filme, Musik oder Haustierbedarf wachse die variable Provision von elf auf zwölf Prozent. Bei Elektronik und Haushaltsgeräten verschiebe sich der Grenzwert für variable Gebühren von 400 auf 500 Euro. Der Marktplatzbetreiber rechtfertige die Anpassungen mit notwendigen Investitionen.

Landgericht Berlin: Doctolib täuscht Kassenpatienten
Das Landgericht Berlin verurteilt Doctolib wegen irreführender Filtereinstellungen, meldet der Verbraucherzentrale Bundesverband. Trotz aktiviertem Filter „Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung“ habe das Portal auch Privatpraxen angezeigt, die Kassenpatienten ausschließlich als Selbstzahler akzeptieren würden – teils mit 200 Euro Vorkasse. Der Pop-up-Hinweis darauf komme zu spät, befanden die Richter: Patienten seien dann schon dazu verleitet worden, sich Privattermine anzusehen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert eindeutige Kennzeichnung von Selbstzahlerterminen und verbraucherfreundliche Mindeststandards für kommerzielle Arztterminportale.

Regierung plant Recht auf Reparatur
Die Bundesregierung plant ein Recht auf Reparatur, das bereits im Juli in Kraft treten soll, berichtet Golem.de. Hersteller müssten dann Smartphones sieben, Haushaltsgeräte zehn Jahre lang zu fairen Preisen instandsetzen. Software-Barrieren gegen Reparaturen würden verboten, unabhängige Werkstätten dürften Nicht-Originalteile verwenden. Ein weiterer Hebel: Sei ein Produkt bauartbedingt unreparierbar, gelte dies künftig als Sachmangel – Käufer hätten dann direkt Anspruch auf Neulieferung.

Privater Konsum rettet BIP-Bilanz nach zwei Krisenjahren
Deutschlands Wirtschaft ist nach zwei Jahren Rezession 2025 um 0,2 Prozent gewachsen, teilt das Statistische Bundesamt mit. Den bescheidenen Aufschwung hätten vor allem private Konsumausgaben getragen, die um 1,4 Prozent zulegten – besonders für Gesundheit und Pkws. Der Einzelhandel habe in seinem Segment am spürbarsten profitiert, während die Exporte unter US-Zöllen, Euro-Stärke und chinesischer Konkurrenz litten. Die Bruttowertschöpfung sank trotzdem um 0,1 Prozent.


HANDEL INTERNATIONAL


Neun-Millionen-Strafe für Zalando und Temu in Polen
Polens Wettbewerbsbehörde verdonnert Zalando und Temu zu Bußgeldern von insgesamt neun Mio. Euro, berichtet Retail-News.de. Zalando habe den vorgeschriebenen 30-Tage-Referenzpreis verschleiert und Rabatte auf dubiose „reguläre Preise“ statt auf echte Tiefststände bezogen. Temu wiederum zeige zwischen App und Website unterschiedliche oder gar keine Vergleichspreise. Die Omnibus-Richtlinie der EU verlange seit 2023 klare Angaben zum niedrigsten Preis der letzten 30 Tage. Weitere Prüfungen gegen Media Markt, Sephora und andere würden bereits laufen.

Galaxus: Smartwatches führen Retouren an
Die Grafikkarte habe sich bei Galaxus erstmals in die Top 3 der Weihnachtsretouren geschoben, berichtet das Unternehmen. Nach Heiligabend seien Smartwatch, Grafikkarte und Smartphone die am häufigsten zurückgeschickten Produkte gewesen. Insgesamt liege die Retourenquote bei 6,9 Prozent, wobei Bekleidung, Fahrzeugbedarf sowie Uhren und Schmuck am häufigsten zurückkämen – Bürobedarf, Medien und Nahrungsmittel hingegen am seltensten. Der Hauptgrund bleibe schlicht: Es passe einfach nicht so richtig.

Online-Handel bremst Richemonts Weihnachtsgeschäft
Der Luxuskonzern Richemont steigerte im Weihnachtsquartal seinen Umsatz trotz hoher Vergleichsbasis, wie Watson.ch berichtet. Die vier Schmuckhäuser erzielten organisch 14 Prozent Wachstum, das Uhrengeschäft legte nach zäher Phase um sieben Prozent zu. Während der Einzelhandel mit zwölf Prozent Zuwachs brilliere und selbst der Raum Asien-Pazifik wieder organisch wachse, enttäusche ausgerechnet der Online-Handel: Mit gerade fünf Prozent organischem Plus und minus einem Prozent in tatsächlichen Währungen bleibe der Kanal mit 6,5 Prozent Umsatzanteil das Schlusslicht der Vertriebswege.

1500 Beschwerden: Dropshipping ärgert Schweizer am meisten
Betrügerische Online-Shops führen 2025 mit rund 1500 Fällen die Beschwerde-Statistik der Schweizer Konsumentenschutz-Stiftung an, berichtet Handelszeitung.ch. Die Masche folge einem Muster: Dropshipping-Shops gäben sich als Schweizer Traditionsunternehmen aus, lieferten nach Wochen minderwertige China-Ware und ignorierten Rückgabewünsche. Online-Shopping allgemein und Inkasso belegten mit je über 500 Meldungen die Plätze zwei und drei. Außerdem ärgerten Dating-Portale, die nicht existente Abos abrechneten, sowie Telekom-Anbieter, die ihre Preise trotz „lebenslanger“ Garantien erhöhten.


Amazon baut souveräne EU-Cloud
Amazon Web Services hat die „AWS European Sovereign Cloud“ gestartet, berichtet IT-Magazine.ch. Die Cloud sei physisch und logisch von anderen AWS-Regionen getrennt und werde ausschließlich von EU-Mitarbeitern betrieben. Kunden behielten vollständige Kontrolle über den Speicherort ihrer Daten, auch Metadaten und Abrechnungssysteme lägen komplett in der EU. Die erste Freischaltung sei in Deutschland erfolgt, weitere Standorte folgten in Belgien, den Niederlanden und Portugal. AWS wolle 7,8 Mrd. Euro in die souveräne Cloud investieren.

Trend Micro siedelt Sicherheitsplattform in EU-Cloud an
Trend Micro macht seine Cybersecurity-Plattform „Trend Vision One“ in der AWS European Sovereign Cloud verfügbar, wie das Unternehmen mitteilt. Die Plattform richte sich gezielt an Behörden, Verteidigungsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen, die strenge Souveränitätsanforderungen erfüllen müssten. Der komplette Funktionsumfang – von Bedrohungserkennung über Sicherheitsvorgänge bis zur Analyse von Gefahrenmustern – bleibe natürlich erhalten.

Tiktok 2026: Gefühl schlägt Reichweite
Tiktok verabschiedet sich vom Image des Scroll-Autopiloten, berichtet Onlinemarketing.de. Der „Next 2026“-Report zeige, dass Nutzer Inhalte mit Haltung und Mehrwert suchten, statt oberflächlichen Eskapismus. Reichweite verliere an Bedeutung, emotionale Relevanz gewinne. Zwei Drittel der User fänden auf der Plattform Dinge, nach denen sie ursprünglich nicht gesucht hätten – Tiktok werde damit zur Entdeckungsmaschine. 81 Prozent erhielten realistische Produkteinblicke, Kommentare dienten als Realitäts-Check vor Kaufentscheidungen. Für Marken gelte: „Social Listening“ werde Pflicht, Timing und Gespür für Kultur wichtiger als virale Kampagnen.

Generation Silver Surfer: Online-affin und KI-neugierig
Drei Viertel der Über-65-Jährigen in Deutschland nutzen mittlerweile das Internet – vor fünf Jahren war es erst knapp die Hälfte, so eine Bitkom-Studie. Zwei Drittel wünschten sich sogar schnellere Digitalisierung. Die meisten nutzten E-Mail, Textnachrichten und Online-Banking, mehr als die Hälfte habe bereits KI ausprobiert. Gleichzeitig bewerteten sie ihre eigene Digitalkompetenz nur mit der Schulnote 3,2 – bei den Über-80-Jährigen mit 3,7. Fast alle forderten mehr Unterstützung: 78 Prozent wünschten sich ein Hilfetelefon für digitale Fragen, zwei Drittel kostenlose Kurse vor Ort.

NACHHALTIGKEIT


Levi’s bringt Gen Z das Flicken bei
Levi’s startet mit dem „Wear Longer Project“ eine Reparaturinitiative für Teenager, berichtet Fashionunited.com. 41 Prozent der Gen Z könnten keinen Knopf annähen – doppelt so viele wie bei älteren Generationen. Dabei würden 35 Prozent ihre Kleidung länger tragen, wenn sie Reparaturen beherrschten. Das kostenlose Online-Curriculum des Jeanskonzerns vermittle Schülern ab Klasse neun praktische Fertigkeiten vom Knopfannähen bis zum Säumen. Levi’s-Mitarbeiter würden als Botschafter Workshops in Schulen geben, zunächst in San Francisco, später weltweit.

Teilen
Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.