Die Letzte Meile ist einer der Hauptkostentreiber im Onlinelebensmittelhandel und Schreckgespenst von so manchem Händler. Doch welche Themen bewegen Händler und Kunden aktuell rund um die Letzte Meile? Welche Zustellformen stehen derzeit im Fokus? Und wohin entwickelt sich die Letzte Meile mittelfristig? Diesen Fragen widmet sich E-Food-Experte Matthias Schu in diesem Expertenbeitrag.Veränderte Kundenerwartungen dominieren heute nicht mehr nur die Händlerauswahl, sondern ebenfalls in großem Maße deren Leistungsspektrum. Und bei E-Food zählt dazu längst nicht mehr nur das Sortiment, sondern vor allem auch die Lieferleistung des jeweiligen Anbieters. Und die Frage, ob diese Lieferleistung die Bedürfnissituation des Kunden trifft.
Interessanterweise sind sich sowohl Praktiker als auch diverse Studien und Publikationen uneinig, welche Kosten und vor allem auch welche Komplexität die Letzte Meile nun tatsächlich verursacht. Dies auch deswegen, da nicht allgemeingültig geklärt ist, was die Letzte Meile denn nun beinhaltet. Doch auch bei den Verbrauchern gibt es noch immer diverse Bedenken hinsichtlich dem „Liefernlassen“.
Kundenbedürfnisse in den Vordergrund rücken
Um heutzutage im „Kampf der Konzepte“ zu bestehen, müssen sich vor allem die aus dem traditionellen LEH stammenden Händler deutlich stärker mit dem Thema Letzte Meile auseinandersetzen. Und auch hier eine Differenzierungsmöglichkeit schaffen und dabei die Stärken ihrer bestehenden Strukturen um einiges prominenter zu einem Vorteil aus Kundensicht ummünzen.
Aus Händlersicht sind fünf Themenfelder relevant, die heute bei E-Food auf der Letzten Meile im Vordergrund stehen, um den Kunden in seiner Bedürfnissituation bestmöglich anzusprechen. Diese sind:
- Geschwindigkeit und Cut-off-Zeiten
- Convenience und Lieferzeitfenster
- Nachhaltigkeit
- Order-Tracking / Delivery-Journey
- Auswahl weiterer Optionen innerhalb der Customer-Journey
Es gibt nicht das eine Modell
Analysiert man gängige Modelle der Letzten Meile im Onlinelebensmittelhandel, lässt sich feststellen, dass es nicht das eine dominante Modell gibt. Und sich die Modelle in der letzten Dekade noch stärker fragmentiert haben; dies auch durch den fortschreitenden Bedeutungszuwachs von Omnichannel- und Noline-Commerce und einer Erweiterung der Touchpoints.
So wundert es auch nicht, dass gerade Händler, die einen ursprünglich stationären Fokus aufweisen, oftmals nicht ein Ausliefermodell in Reinform betreiben, sondern einen Mix verschiedenster Optionen anbieten („Mischformen“). Dies, um möglichst viele Bedürfnissituationen der Kundschaft zu adressieren und abzudecken.
In der praktischen Ausführung begegnet einem auf der Letzten Meile ein bunter Strauß an Möglichkeiten bei der Zustellung mit
- Kastenwagen/Kleintransportern,
- Elektroleichtfahrzeugen,
- Velokurieren und Lastenrädern,
- Rollern und Scootern,
- "Walking Deliverys",
- Crowdshipping,
- Lieferdrohnen,
- Lieferrobotern und selbstfahrenden Fahrzeugen, und auch
- Click&Collect-Schaltern, Drive-in-Konzepten oder Locker-Boxen, bei denen die Letzte Meile an die Kunden outgesourced wurde.
Nachhaltig und "grün"
In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat der Onlinehandel weltweit stetig zugenommen und auch die breit akzeptierte Nutzung von Smartphones hat das Verbraucherverhalten nachhaltig verändert. Doch in Bevölkerung und Medien wird E-Commerce – wobei der Fokus hier primär nicht auf den Onlinelebensmittelhandel, sondern auf Non-Food gelegt wird – nicht nur als Zerstörer der Innenstädte angesehen, sondern steht auch vielerorts in der Kritik, nicht nachhaltig zu sein.
Im Fokus der Kritik stehen dabei die Themen Verpackungsmüll, Retourenquoten, viele Einzelbestellungen statt des vermeintlich effizienten Großeinkaufs am Wochenende sowie vor allem das Thema weite Strecken, auf denen die Bestellungen unterwegs sind. Diese Kritikpunkte konnten inzwischen durch etliche Studien sowohl für den E-Commerce generell also auch für E-Food widerlegt werden. Hinsichtlich der CO2-Bilanz ist E-Food deutlich nachhaltiger als der Individualeinkauf im System stationärer Supermarkt.
Wohin die Reise geht
Auch bei der Letzten Meile zeichnen sich Trends ab, um die Händler mittel- bis langfristig keinesfalls herumkommen können. Richtig erkannt und umgesetzt, bieten sich jedoch aus Händlersicht mannigfaltige Möglichkeiten, über eine klug und sauber aufgesetzte Last-Mile-Strategie eine deutliche Verbesserung der Unit-Economics sowie der eigenen EBIT-Rechnung zu erzielen. Und dabei, neben prozessualer Effizienz und Automatisierung, einen wichtigen Schritt zur Erreichung respektive Sicherung der eigenen Profitabilität im Gesamtsystem des Händlers sicherzustellen.
Die wichtigsten Trends mit Auswirkung auf die Letzte Meile sind:
- Liefergebühren und Zahlungsbereitschaft der Kunden dafür sinken mittelfristig weiter.
- Same-Day-Delivery und kurze Lieferzeitfenster werden ein Muss.
- Convenience für den Kunden: Lückenloses Tracking, Gamification, Convenience stehen bei den Kunden hoch im Kurs.
- Ausnutzen von Netzwerken und Spezialisten: Mittelfristig wird es nicht mehr vonnöten sein, die Letzte Meile unbedingt selbst zu machen.
- Noch mehr Nachhaltigkeit: Der Nachhaltigkeitsgedanke wird von Kunden noch stärker auf der Letzten Meile eingefordert werden.
- Autonome Zustellmethoden werden an Relevanz gewinnen.
Fazit
Gerade in den heutigen Zeiten von "Black Ocean" und Unsicherheit gilt: Der Fokus auf Effizienz, Digitalisierung und schlanke Prozesse, die nahtlos ineinanderübergreifen und so einen Zeit- und Kostenvorteil generieren, gehen auch an der Letzten Meile nicht vorüber. Händler wie spezialisierte Service-Provider müssen durch saubere Abläufe bei der Lieferung den Endkunden begeistern und so eine größere Loyalität schaffen.
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