
Kleine Shops, Hosta, Ebay, Online-Payment, Deutsche Post, Pleitewelle, Meta, B&Q, Stripe, OpenAI + Anthropic, Chinas Roboter
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteur – ein Muss, wenn Google in den nächsten Monaten das Universal Commerce Protocol integriert. -> Mehr lesen
HANDEL NATIONAL
Minus 22 Prozent beim Median: Kleine Shops verlieren weiter
Der Median-Umsatz deutscher Online-Shops ist seit dem dritten Quartal 2023 um 22 Prozent gesunken, so die „E-Commerce Marktstudie 2026“ von Uptain. Die Spanne zwischen Großen und Kleinen klaffe immer weiter auseinander: Shops mit mehr als einer Mio. Euro Jahresumsatz hätten seitdem 7,6 Prozent zugelegt, die unter 50.000 Euro dagegen 12,3 Prozent verloren. Bei beliebig austauschbaren oder Trend-Produkten entschieden die Verbraucher preisorientierter und kauften bei Temu, Shein oder Amazon; wo aber Qualität und Beratung zentral seien, etwa rund um Heim und Wohnen, konnten die kleinen Shops sogar zulegen.
Hosta bringt Nippon und Mr. Tom direkt ins Netz
Der Süßwarenhersteller Hosta betreibt jetzt einen eigenen Online-Shop, um unabhängiger vom Lebensmitteleinzelhandel zu werden, berichtet Lebensmittelpraxis.de. Über die Plattform vertreibe das Familienunternehmen Marken wie Nippon, Mr. Tom und Romy sowie Artikel der Tochtergesellschaften, darunter exklusive und limitierte Produkte, die es nur online gebe. Geliefert werde zunächst nach Deutschland und Österreich, eine internationale Ausweitung sei vorgesehen.
Ebay-Preisvorschlag: Wer zuerst zahlt, gewinnt
Ebay hat die Preisvorschlag-Funktion von „Reservierung zuerst“ auf „Zahlung zuerst“ umgestellt, wie Haendlerbund.de berichtet. Verkäufer könnten nun parallel mit mehreren Interessenten verhandeln; den Zuschlag erhalte, wer zuerst zahle. Ebay verspreche sich davon weniger unbezahlte Bestellungen und mehr Sicherheit. Rechtlich sei das Modell zulässig, Händler müssten allerdings ihre AGB überprüfen. Im Händlerbund-Forum rege sich erste Kritik: Bei Einzelstücken drohten unangenehme Diskussionen mit Käufern, die trotz akzeptiertem Vorschlag am Ende leer ausgingen.
Online-Payment 2026: Lastschrift verliert, Karten gewinnen
Paypal verteidigt mit 28,7 Prozent Umsatzanteil seine Spitzenposition im deutschen E-Commerce, so die EHI-Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026“. Dahinter folge immer noch der Kauf auf Rechnung mit 26,1 Prozent. Die Lastschrift rutsche um fast drei Prozentpunkte auf 14,4 Prozent ab; Kredit- und internationale Debitkarten legten mit plus 1,4 Prozentpunkte auf 13,7 Prozent am stärksten zu. Apple Pay tauche mit 1,3 Prozent erstmals eigenständig im Ranking auf, Amazon Pay rangiere mit 0,6 Prozent gleichauf mit Gutscheinkarten.
Die „Deutsche Post“ verschwindet als Konzernname, das Unternehmen firmiert künftig an der Börse nur noch als DHL AG, berichtet Heise.de. Die Hauptversammlung in Bonn habe den Schritt am Dienstag beschlossen, die Eintragung ins Handelsregister sei für die zweite Jahreshälfte vorgesehen. Es stamme auch nur noch rund ein Fünftel des Umsatzes aus dem inländischen Brief- und Paketgeschäft. Das 2002 von der Deutschen Post gekaufte Unternehmen DHL heißt übrigens nach seinen Gründern Dalsey, Hillblom und Lynn.
HANDEL INTERNATIONAL
Westeuropas Pleitewelle erreicht nächsten Rekord
In Westeuropa sind die Firmenpleiten 2025 auf den höchsten Stand seit Erhebungsbeginn 2002 geklettert, meldet Tagesspiegel.de unter Berufung auf Creditreform. Gezählt worden seien gut 197.610 Insolvenzen, 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr, und damit der vierte Zuwachs in Folge. Besonders kräftig habe es die Schweiz getroffen (plus 35,3 Prozent). Auch Deutschland verzeichne mit gut 24.000 Fällen den höchsten Wert seit 2014, lande aber noch im Mittelfeld. Am stärksten leide der Dienstleistungssektor, auf den 43 Prozent aller Fälle entfielen.
Meta weitet seine Schutzmaßnahmen für Teenager-Konten auf 27 EU-Staaten aus und überträgt sie erstmals auch auf Facebook in den USA, meldet Reuters.com. Meta setze dabei auf KI, die ganze Profile auf Kontexthinweise prüfe und mutmaßliche Minderjährige selbst dann erkenne, wenn diese ein Erwachsenen-Geburtsdatum angegeben hätten. Hintergrund sei wachsender regulatorischer Druck: Der US-Bundesstaat New Mexico habe am Montag gefordert, Meta als „öffentliches Ärgernis“ (public nuisance) einzustufen und mit 3,7 Mrd. Dollar Geldstrafe zu belegen.
B&Q führt auch eine „Buy Box“ ein
Der britische Heimwerkerriese B&Q hat auf seinem Marktplatz eine „Buy Box“ eingeführt, berichtet Channelx.world. Drittanbieter konkurrierten künftig um eine einzige Topposition je Produkt; weitere Angebote erschienen erst per Pop-up. Der Zuschlag falle nicht allein über den Preis: Ein Algorithmus gewichte, ähnlich wie bei Amazon, zusätzlich Händlerperformance und Lieferzeit. Die Funktion sei sowohl im Browser als auch in den B&Q-Apps aktiv. Händlern, die es nicht in die Buy Box schafften, drohe schmerzhaft weniger Sichtbarkeit.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Stripe macht Gemini zur Ladenkasse und KI-Agenten zu Kunden
Stripe hat 288 neue Produkte und Funktionen rund um KI-Commerce vorgestellt, berichtet Ecommercenews.co.nz. Eine Google-Partnerschaft solle Online-Händlern den Direktverkauf im „AI Mode“ der Google-Suche und in der Gemini-App ermöglichen. Die „Agentic Commerce Suite“ öffne sich zudem für die Systeme von Wix, Bigcommerce und Woocommerce. Über sogenannte Link-Wallets könnten Kundinnen und Kunden KI-Agenten zum Einkaufen schicken: Für jeden Auftrag erhalte der Agent eine digitale Wegwerfkarte, die eigentlichen Zahlungsdaten blieben verborgen.
OpenAI und Anthropic gründen jeweils ein Joint Venture mit großen Private-Equity-Häusern, um ihre KI-Tools an Unternehmen zu bringen, berichtet Heise.de. OpenAIs „The Deployment Company“ sammle über vier Mrd. Dollar von TPG, Brookfield, Advent und Bain Capital ein und werde mit zehn Mrd. Dollar bewertet. Anthropic schmiede mit Blackstone, Goldman Sachs und Hellman & Friedman ein 1,5-Mrd.-Dollar-Vehikel. Beide Anbieter schrieben weiterhin rote Zahlen.
Chinas Roboter warten noch auf ihr Geschäftsmodell
137 Finanzierungsrunden haben laut Scmp.com umgerechnet rund 3,4 Mrd. Euro in die Kassen von Chinas Robotik-Entwicklern gespült, aber ein tragfähiges Geschäftsmodell ist noch nicht gefunden. Die Gründe lägen in der mageren Produktivität: UBTech-Roboter erreichten bei 91.200 Euro Stückpreis gerade 30 Prozent der menschlichen Arbeitsleistung. Aber auch unausgereifte Steuerungsmodelle und Greifhände würden noch Probleme bereiten. Der profitabel arbeitende Primus Unitree habe wohl die richtige Zielgruppe: Er verkaufe 73 Prozent seiner Humanoiden an Forschung und Lehre.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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