
Lufthansa Globecross, BFSG, DHL-Zuschläge, Wero, Alibaba, Etsy, Farmy, Cloudflare, Airbnb, ChatGPT, KI-Kodex
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Thomas RehmRedakteurHANDEL NATIONAL
Lufthansa Cargo packt Zoll und E-Commerce zusammen
Lufthansa Cargo hat die Tochter „Globecross“ für grenzüberschreitende Logistik- und Zollservices gegründet, meldet Retail-News.de. Sie sei am 6. Mai aus der Fusion von Heyworld und CB Customs Broker entstanden und sitze am Flughafen Frankfurt. Das Portfolio bündele E-Commerce-Logistik samt letzter Meile, spezialisierte Importterminals und digitale Zollservices für die EU. Globecross verzichte weitgehend auf eigene Infrastruktur und konzentriere sich auf Software und regulatorische Expertise.
Sind unsere Shops heute wirklich BFSG-ready?
Für den Online-Handel gilt: Digitale Angebote müssen barrierefrei zugänglich und nutzbar sein. Wer das BFSG aber nur als Pflichtübung versteht, verpasst die Chance, die Shop-UX für alle zu verbessern, so Michael Witzenleiter, in einem neuen Beitrag des Etailment-Expertenrats.
DHL-Zuschläge: BVOH sieht KMU in der Kostenfalle
Der Bundesverband Onlinehandel kritisiert in einer Medienmitteilung die erweiterten Zuschläge der DHL als doppelte Belastung für Händler und Verbraucher. Der bestehende Energiezuschlag klettere von 1,25 auf 3,25 Prozent, ab Juni komme ein alle zehn Tage anpassbarer Ölpreis-Zuschlag von bis zu drei Prozent hinzu. Während der Diesel um 35 bis 40 Prozent teurer geworden sei, stiegen die DHL-Aufschläge neun Mal stärker als der Diesepreis. Besonders KMU auf Marktplätzen säßen damit in der Kostenfalle.
Wero wächst langsam, Paypal bleibt Platzhirsch
Das europäische Bezahlangebot Wero gewinnt an Bekanntheit, tut sich gegen nationale Lösungen und US-Riesen aber weiterhin schwer, berichtet Heise.de. So nutzten laut einer Umfrage von Bearingpoint 19 Prozent der Franzosen Wero für private Geldtransfers. In Deutschland seien es nur vier Prozent, was aber für Platz zwei genüge. Hier bleibe Paypal mit 56 Prozent der unangefochtene Spitzenreiter. Europaweit dominierten bei Zahlungen zwischen Privatpersonen lokale Dienste wie Twint, Tikkie, Swish oder Mobilepay.
HANDEL INTERNATIONAL
Alibabas Qwen übernimmt das Einkaufen auf Taobao
Alibaba verschmilzt seine KI-Plattform Qwen mit dem Marktplatz Taobao und ersetzt die Stichwortsuche durch Dialog, berichtet Reuters.com unter Berufung auf eine eingeweihte Person. Kundinnen und Kunden sollen künftig per Chat mit dem KI-Agenten stöbern, vergleichen und kaufen können. Die Qwen-App greife dafür auf über vier Mrd. Produkte aus Taobao und Tmall zu, eine „Skills Library“ steuere Logistik und Kundendienst. Innerhalb von Taobao komme zusätzlich ein Assistent für virtuelle Anprobe und 30-tägige Preisbeobachtung hinzu.
Etsy startet eine eigene App innerhalb von ChatGPT, meldet Retail-News.de. Nutzer markierten künftig „@Etsy“ im Prompt und beschrieben in Alltagssprache, wonach sie suchten, etwa nach personalisierten Geschenken oder handgefertigten Wohnaccessoires. ChatGPT greife dann auf über 100 Mio. Angebote zu. Etsy verspricht sich davon bessere Treffer bei unscharfen Wünschen, da individuelle Einzelstücke sich den klassischen Suchschemen manchmal widersetzten.
Zürcher Bauernhof-Plattform Farmy gibt auf
Der Schweizer Online-Hofladen Farmy hat den Betrieb per sofort eingestellt, berichtet Blick.ch. Auch die Mitte 2025 fusionierte Pico Lebensmittel sei betroffen, der Verwaltungsrat habe für beide Gesellschaften das Konkursverfahren eingeleitet. Über 100 Mitarbeitende dürften ihren Job verlieren. Das 2014 gegründete Zürcher Unternehmen habe während der Pandemie einen Boom erlebt, danach sei das Volumen jedoch deutlich abgeflacht.
Cloudflare streicht jede fünfte Stelle wegen KI
Cloudflare entlässt 1.100 Mitarbeitende, etwa 20 Prozent der Belegschaft, und führt den Schritt direkt auf den Einsatz agentenbasierter KI zurück, meldet T3N.de. Der interne KI-Einsatz habe binnen drei Monaten um mehr als 600 Prozent zugelegt; im ersten Quartal habe man den Rekordumsatz von 639,8 Mio. Dollar verbucht. Laut der Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas seien inzwischen 25 Prozent aller Entlassungen KI-bedingt, im November sei der Anteil noch unter einem Prozent gelegen.
Airbnb sucht nach funktionierenden KI-Lösungen
Im letzten Quartal stammten rund 60 Prozent des Codes bei Airbnb von der KI, zitiert Indiatimes.com CEO Brian Chesky. Die Entwicklung neuer Funktionen beschleunige sich, besonders bei Tools für API-Partner. Auch der Support-Bot löse 40 Prozent der Anfragen eigenständig. Für Reise und E-Commerce habe allerdings noch niemand eine funktionierende KI-Lösung gefunden, räumte Chesky ein. Das Design der aktuellen Chatbots genüge nicht: Zu viel Text, schwache Vergleichsfunktionen und wenig visuelle Interaktion. Gruppenreisen beispielsweise wären so kaum planbar.
Neun von zehn Österreichern kaufen online
Neun von zehn Österreichern kaufen online ein, 65 Prozent davon per Smartphone, zitiert ORF.at den „Payment Report 2025“. Beim Bezahlen zählten für die Verbraucher Einfachheit, Schnelligkeit und Sicherheit; bevorzugt würden Debit- und Kreditkarten. Bekleidung, Schuhe und Beauty führten die Einkaufslisten an, Lebensmittel und Streaming legten aber deutlich zu. Im Geschäft zahlten bereits 38 Prozent mobil, bei den unter 30-Jährigen sogar 73 Prozent. Bargeld halte sich stabil bei rund 40 Prozent.
TRENDS & TECHNOLOGIE
ChatGPT lernt Cashback mit Minty
Die Rewards-Plattform Minty integriert Cashback-Angebote und verifizierte Deals direkt in ChatGPT-Gespräche, berichtet Business2Community.com. Die Verbindung laufe über das Apps-Verzeichnis und das offene Model Context Protocol. Minty lese Produktkategorien und Kaufabsichten mit und blende passende Angebote ein, ohne dass Nutzer den Chat verlassen müssten. Empfehle ChatGPT etwa Nike, zeige Minty zusätzlich ein Adidas-Cashback. Das Netzwerk umfasse über 10.000 Marken.
Die Schweizer Medienbranche gibt sich einen verbindlichen Verhaltenskodex für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz, meldet Heise.de. Verlegerverband, SRG SSR und Keystone-SDA hätten das Selbstregulierungsinstrument am Swiss Media Forum in Luzern vorgestellt. Die Umsetzung solle bis Ende des Jahres erfolgen. Vier Grundsätze stünden im Zentrum: Anwenderkenntnisse, Schutz demokratischer Prozesse, Datenschutz und Transparenz. Komplett KI-generierte Inhalte und mit Menschen verwechselbare Chatbots seien zu kennzeichnen. Eine unabhängige Ombudsstelle solle jährlich Bericht erstatten, das WEMF ein „Responsible AI“-Zertifikat einführen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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