
Mobiles Marketing für lokale Händler
Mit sogenannten Location Based Services können Händler Kunden über das Smartphone in die Filiale locken - und weiterführende Services anbieten.

Mit sogenannten Location Based Services können Händler Kunden über das Smartphone in die Filiale locken - und weiterführende Services anbieten.
Gleichzeitig sind sie ein zentraler Bestandteil auf dem Weg zum „Everywhere Commerce", dem ortsunabhängigen Kaufprozess, der von überall aus via Smartphone gestartet, fortgesetzt und beendet werden kann. Für die Verbreitung von Location Based Services spielen vor allem drei Faktoren eine entscheidende Rolle - Smartphones, Applikationen und das Kundenverhalten.
Smartphones verfügen neben der Funktion der Standortbestimmung über große, nutzerfreundliche Displays, Kamera, eine Kompassfunktion, einen Beschleunigungsmesser und vor allem über eine schnelle Datenverbindung. Im Jahr 2010 betrug der Anteil von Smartphones im Mobilfunkgerätemarkt in Deutschland bereits 29,3 Prozent.
Aufgrund der steigenden Zahl verschiedener Endgeräte und der weiterhin sinkenden Kosten für mobiles Internet ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Gros der Kunden mit Location-Based-fähigen Endgeräten ausgestattet sein wird.
Neben der Hardware, den „alles könnenden" Smartphones, bedarf es nutzerfreundlicher Anwendungen - eben jener Apps. Mit Angeboten über Plattformen wie den iTunes-Store wurden diese Applikationen zu einem gigantischen Erfolg.
Schließlich spielt das veränderte Kundenverhalten im Umgang mit dem mobilen Internet und der Affinität zu neuen Technologien und Trends eine entscheidende Rolle. Über die Funktionalitäten von Apps der großen sozialen Netzwerke wie Facebook, StudiVZ, Xing & Co. haben sich die Nutzer an das mobile Medium und die Interaktion mit ihrer Umwelt bereits angenähert und überzeugen mit einer enormen Nutzungsaktivität.
Nachdem die Dynamik im App-Markt ungebrochen hoch ist, wird es jedoch künftig immer schwieriger werden, die Aufmerksamkeit des Kunden auf die eigene Anwendung zu lenken. In der Filiale, wo der Händler den Kunden ohnehin begegnet, kann er seine App durch weitere Anwendungen, Direktansprachen, über Vergünstigungen oder Bonussysteme und nicht zuletzt über die ohnehin genutzten Printwerbemedien vermarkten.
Neben den Apps für Location Based Services, die sich auf die reine Form der Ortsbestimmung konzentrieren, gibt es eine weitere Kategorie, die dem Nutzer zusätzliche Informationen zu Aktionen, Geschäften und Produkten bieten. Kunden des Bekleidungsfilialisten H&M beispielsweise erhalten über den „Store-Locator" auf einer Karte eine Übersicht über alle Filialen.
Der Kunde kann dort einen Wunschzettel hinterlegen und Kleidungsstücke speichern. Mit Newslettern oder über die Einbindung in soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter wird der Kunde stets informiert und erhält einen Gutschein über 20 Prozent Rabatt für den Filialkauf.
Noch einen Schritt weiter geht die Baumarktkette Praktiker, die mit einer "Augmented-Reality-Applikation" ihren heimwerkenden Kunden ein vielseitiges Werkzeug anbietet. Neben einem Zeichenblock, einer Wasserwaage und einem Flächenrechner kann der Kunde mit seinem Smartphone beispielsweise Gegenstände wie einen Ofen über die Kameraeinstellung auf dem Display in das Zimmer projizieren und als Bild speichern oder verschicken.
So kann der Kunde sich vorstellen, wie ein Produkt an seinem künftigen Platz aussehen würde. Über den Marktfinder kann er zur nächsten Filiale geführt werden. Diese Beispiele verdeutlichen das enorme Potenzial und den großen Spielraum der Location Based Services für phantasiereiche Ideen.
Der Autor Achim Himmelreich ist Partner bei der Managementberatung Mücke,Sturm & Company.
Dieser Artikel ist in der Mai-Ausgabe von Der Handel erschienen. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.