
Online-Handel wächst, Mehrwertsteuer, Inflation, Airbnb, Amazon, Frasers, JD.com, Amazons Leo, KI-Agenten, digitale Souveränität
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteur.
diskutieren führende Köpfe aus Retail und Travel – darunter Christian Gründig (TUI Cruises), Maik Giannoccaro (SiNN) und Gwendolin Tiltmann (valantic), wie Interaktion und Gamification Kundenbindungsprogramme wirklich relevanter machen. Praxisnah, mit echten Einblicken und konkreten Impulsen für moderne Loyalty. Donnerstag, 16.04.2026 | 10:00–11:30 Uhr | digital & kostenlos. Jetzt anmelden.
HANDEL NATIONAL
Online-Handel trotzt Krisen, doch die Mehrwertsteuer droht
Der deutsche Online-Handel legte im ersten Quartal um 3,6 Prozent auf 20,4 Mrd. Euro zu und setzt seinen gedämpften Erholungstrend fort, meldet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Weder Nahostkonflikt noch Energiekrise hätten die Kauflaune bremsen können. Die eigentliche Gefahr bestehe in einer möglichen Mehrwertsteuererhöhung: Den Unternehmen fehle momentan der Spielraum, zusätzliche Belastungen abzufedern. Besonders kräftig wuchsen Lebensmittel (+12,3 Prozent) und Online-Apotheken (+9,8 Prozent seit Einführung des E-Rezepts). Marktplätze legten mit 5,2 Prozent stärker zu als klassische Online-Shops. Temu, Shein und Aliexpress bauten ihren Marktanteil auf 4,9 Prozent aus – wachsen aber deutlich langsamer als im Vorjahr.
Werbung mit gesetzlicher Gewährleistung abmahnbar
Wer im Online-Shop mit „zwei Jahre Gewährleistung" wirbt, riskiert eine Abmahnung, berichtet der Haendlerbund.de. Die zweijährige Gewährleistung sei kein freiwilliger Service, sondern gesetzliche Pflicht. Wer sie wie ein besonderes Angebot präsentiere, erwecke einen irreführenden Eindruck und verstoße damit gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Kurz: Wer Selbstverständliches als Vorzug verpackt, handelt sich juristischen Ärger ein.
Wirtschaftsverbände warnen Merz vor Mehrwertsteuererhöhung
HDE, BGA, BFB und der Mittelstandsverbund ZGV warnen Bundeskanzler Merz in einem gemeinsamen Brief vor der geplanten Anhebung der Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent. Die Gegenfinanzierung von Steuerentlastungen über höhere Verbrauchssteuern sei ein wirtschaftspolitischer Irrweg, schreiben die Verbände. Angesichts des Iran-Kriegs und steigender Energiepreise drohe die Gesamtinflation auf vier bis fünf Prozent zu klettern. Eine EZB-Reaktion mit Leitzinserhöhungen würde die ohnehin schwache Konsumstimmung vollends abwürgen. Statt neuer Belastungen fordern die Verbände eine Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge bei 40 Prozent, niedrigere Stromsteuern und radikalen Bürokratieabbau.
Die deutsche Inflationsrate kletterte im März mit 2,7 Prozent auf den höchsten Wert seit Januar 2024, berichtet das Statistische Bundesamt. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel verharre bei 2,5 Prozent. Kraftstoffe hätten sich um 20 Prozent verteuert, Heizöl sogar um 44 Prozent; beides eine direkte Folge der kriegsbedingten Verwerfungen am Rohölmarkt. Strom, Gas und Fernwärme seien dank staatlicher Entlastungen weiterhin günstiger als im Vorjahr.
HANDEL INTERNATIONAL
Reserve Now, Pay Later: Airbnb lockt mit Gratisbuchung
Airbnb hat im vierten Quartal 2025 den Umsatz um zwölf Prozent auf 2,8 Mrd. Dollar gesteigert, wie aus dem Aktionärsbrief des Unternehmens hervorgeht. Das Buchungsvolumen sei mit 20,4 Mrd. Dollar so stark gewachsen wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Besonders die Funktion „Reserve Now, Pay Later“ (Gäste buchen ohne Anzahlung) habe mit 70 Prozent Nutzungsrate die Nachfrage angeschoben. Gleichzeitig teste Airbnb Partnerschaften mit Boutique-Hotels in vier Großstädten. Für 2026 peile das Unternehmen ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Bereich an.
Amazon liefert Abnehmtabletten noch am selben Tag
Amazon Pharmacy verkauft Eli Lillys GLP-1-Pille „Foundayo“ und liefert das Abnehm-Medikament in rund 3.000 US-Städten noch am selben Tag, berichtet Digitalcommerce360.com. Die Tablette koste Versicherte ab einem Dollar pro Tag, Selbstzahler 149 Dollar im Monat. Bis Ende 2026 solle das Liefergebiet auf etwa 4.500 Städte wachsen. Mit dem Vorstoß positioniere sich Amazon gegen Konkurrenten wie „Hims & Hers“, Nordamerikas am schnellsten wachsenden Online-Händler im boomenden Markt für Abnehm-Medikamente.
Frasers KI-Assistent steigert Konversion um 25 Prozent
Die britische Frasers Group verzeichnet seit dem Start ihres KI-Shopping-Assistenten „Ask Frasers“ eine um 25 Prozent höhere Konversionsrate im Online-Shop, berichtet Drapersonline.com. Das Tool verarbeite Kundenfragen und liefere Produktempfehlungen in Echtzeit, gestützt auf Verfügbarkeit und Popularität. Kundinnen und Kunden könnten so Sortimente aus Mode, Beauty und Lifestyle gezielter durchsuchen und Produkte direkt vergleichen.
JD.com steigt mit Changan ins Ride-Hailing-Geschäft ein
JD.com plant den Einstieg ins Ride-Hailing-Geschäft, berichtet Techbode.com. Der intern als „Open Ride Service“ bezeichnete Fahrdienst entstehe gemeinsam mit dem Autohersteller Changan und befinde sich in Jinan bereits im Pilotbetrieb. Anders als klassische Vermittlungsplattformen verzichte JD.com bewusst auf Drittanbieter und setze stattdessen auf ein eigenes Modell.
Amazons Leo soll schneller und billiger als Starlink werden
Amazons Satelliten-Internetdienst Leo soll Mitte 2026 starten, kündigte CEO Andy Jassy in seinem jährlichen Aktionärsbrief an, berichtet Engadget.com. Der Dienst verspreche Download-Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s, was deutlich mehr sei, als Starlink derzeit liefere. Ausgewählte Partner würden Leo bereits testen. Amazon locke außerdem mit günstigeren Preisen und nahtloser Anbindung an das eigene Ökosystem. Allerdings hinke der Konzern beim Satellitenausbau noch erheblich hinterher.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Händler verlieren Kundenzugang an KI-Plattformen
KI-Agenten sollen im Online-Handel künftig eigenständig Preise vergleichen, Sortimente steuern und Käufe abwickeln, beschreibt ein neues Bitkom-Whitepaper mit Praxisbeispielen von Zalando bis Shopify. 61 Prozent der Händler sähen KI bereits als Wettbewerbsvorteil. Das Papier warne zugleich vor einer Machtverschiebung: KI-Plattformen wie OpenAI drängten sich als Gatekeeper zwischen Händler und Kundschaft. Wer den Kundenkontakt behalten wolle, müsse eigene KI-Agenten aufbauen und monolithische Systeme durch modulare Architekturen ersetzen.
Digitale Souveränität: Alle dafür, keiner macht mit
99 Prozent der Deutschen halten digitale Unabhängigkeit für wichtig, doch nur ein Drittel griff bisher bewusst zu europäischen Produkten, berichtet Golem.de. 55 Prozent empfänden den Wechsel als zu aufwendig. Europäische Suchmaschinen nutzten 13 Prozent, europäische Messenger elf Prozent, KI-Anwendungen aus Europa gerade einmal sechs Prozent. Die Zahlen beruhten auf Selbstauskunft, möglicherweise kannten viele Nutzer die Herkunft ihrer Apps auch nicht.
Vertrauen als Währung: Das Internet braucht portable Identität
Das Internet hat ein strukturelles Vertrauensproblem, weil Identitäten nicht zwischen Plattformen übertragbar sind, berichtet Techradar.com. Generative KI mache Identitätsfälschung billig und skalierbar, was Unternehmen durch Betrug weltweit bereits Milliarden koste. Wer sich aber auf einem Marktplatz über Jahre gute Bewertungen erarbeitet habe, starte trotzdem auf der nächsten Plattform wieder bei null. Verifizierung entwickle sich deshalb von einem netten Extra zur Kerninfrastruktur des Netzes. Für Online-Händler heiße das: Plattformen, die portable Identitätsnachweise ermöglichten, senkten Betrugsrisiken und Onboarding-Hürden gleichermaßen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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