
Platform Group, Rabatte, Riverty, Farfetch, Alipay, Robinhood, Paypal + The Tour Guy, Uber, Digitale Zwillinge, KI-Werbung
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
The Platform Group: Umsatz steigt, Gewinn schrumpft
The Platform Group steigerte ihren Umsatz im ersten Quartal um 51 Prozent auf 243 Mio. Euro, berichtet Retail-News.de. Das Bruttohandelsvolumen sei um 23 Prozent auf 438 Mio. Euro gewachsen, die Zahl aktiver Kunden um 40 Prozent auf 8,1 Mio. geklettert. Der Konzerngewinn sank allerdings mit 17,7 Mio. Euro unter den Vorjahreswert. Das Unternehmen wolle nun Schulden abbauen und plane weniger Übernahmen; stattdessen stehe künftig Profitabilität und Effizienz im Fokus.Fast alle reagieren auf Rabatte
97 Prozent der Deutschen reagieren auf Angebotspreise, 58 Prozent sogar stark, zitiert Markenartikel-Magazin.de eine Studie von Shopfully. Trotz digitaler Recherche – 54 Prozent informierten sich vor dem Kauf oft online, 26 Prozent gelegentlich – lande der Umsatz von 56 Prozent der Verbraucher in der Ladenkasse. Gehe es um Lebensmittel, kauften 97 Prozent stationär, aber auch bei der Elektronik seien es noch 62 Prozent.
Bertelsmanns Fintech Riverty wird zur Bank
Bertelsmanns Fintech-Tochter Riverty hat eine Banklizenz in Luxemburg erhalten, berichtet Manager-Magazin.de. Der Medienkonzern stelle dafür einen dreistelligen Mio.-Betrag als Eigenkapital bereit. Riverty wickle bereits BNPL-Geschäfte für Online-Shops wie Asos und Lego ab und gelte als Wachstumstreiber der Dienstleistungssparte Arvato. Mit der Lizenz wolle das Fintech künftig verschiedene Kreditprodukte anbieten und die „europäische Finanzkompetenz“ stärken. Wo Konkurrent Klarna auf Promi-Werbung und Banking-App setze, bleibe Riverty aber lieber im Hintergrund: Man wolle „keine Endkundenbank“ werden, so CEO Andreas Barth.
Prognose der Wirtschaftsweisen verdüstert sich
Der Sachverständigenrat hat seine Wachstumsprognose für 2026 fast halbiert – von 0,9 auf 0,5 Prozent, berichtet Manager-Magazin.de über das am Mittwoch vorgestellte Frühjahrsgutachten. Der Irankrieg und die daraus resultierenden Energiepreise bremsten die Erholung massiv. Für 2027 erwarteten die Wirtschaftsweisen 0,8 Prozent Wachstum, gestützt auf das schuldenfinanzierte Infrastruktur-Sondervermögen. Die Inflation liege 2026 bei voraussichtlich 3,0 Prozent.
HANDEL INTERNATIONAL
Farfetch streamt Luxus nur für die reichsten Kunden
Farfetch startet mit „Farfetch Live“ ein Livestream-Shopping-Format ausschließlich für seine vermögendsten Kunden, berichtet Retail-News.de. In kuratierten Sessions diskutierten Branchenexperten und das hauseigene Concierge-Team über seltene Uhren, Schmuck von Ananya und begehrte Hermès-Accessoires mit Investmentcharakter. Die Teilnahme bleibe registrierten Private Clients vorbehalten, ebenso wie das limitierte Sortiment. So wolle Farfetch das Beratungserlebnis stationärer Luxus-Boutiquen in den Livestream übersetzen.
Sechzehn britische Handelsketten, darunter Next, Marks & Spencer und Primark, verlangen von der Regierung eine Zollgebühr von 2,60 Pfund auf Billigpakete aus Übersee, berichtet Devdiscourse.com. Die Abgabe solle eine Zollbefreiung für geringwertige Sendungen abschaffen, von der Plattformen wie Shein, Temu und Aliexpress profitierten – ähnlich wie in der EU oder den USA. In einem Schreiben an Premierminister Starmer und Finanzministerin Reeves drängten die Unternehmen auf eine Einführung noch in diesem Jahr und nicht erst, wie geplant, 2029.
Alipay lässt KI-Agenten eigenständig einkaufen
Die Ant Group hat eine Zahlungsinfrastruktur für autonome KI-Agenten vorgestellt, die über Alipay eigenständig einkaufen, buchen und bezahlen sollen, berichtet Scmp.com. Kernstücke seien das „AI Wallet“, über das Verbraucher Agenten-Transaktionen überwachen und freigeben, sowie „Token Pay“ für B2B-Abrechnungen zwischen KI-Anbietern und Händlern. Ein Vorläuferprodukt zähle bereits über 100 Mio. Nutzer und habe im Chatbot Qwen und auf Taobao erfolgreich 300 Mio. Transaktionen abgewickelt.
Robinhood lässt KI-Agenten eigenständig Aktien handeln
Robinhood öffnet seine Plattform für KI-Agenten, die künftig eigenständig Aktien handeln und per virtueller Kreditkarte einkaufen dürfen, berichtet Reuters.com. Nutzer richteten dafür ein separates Trading-Konto ein, getrennt vom persönlichen Depot. Aktuell beschränke sich der Handel auf Aktien, doch Derivate und Krypto sollen folgen. Als Sicherheitsnetz dienten Ausgabelimits und manuelle Freigaben, was ein notwendige Maßnahme sei, da die Sorge bestehe, dass die Verbreitung autonomer KI-Agenten ihre Kontrolle zunehmend erschwere.
Paypal und The Tour Guy führen „Reserve Now, Pay Later“ ein
Paypal und der Reiseveranstalter The Tour Guy bieten jetzt ein zinsloses Reservierungsmodell für Tourenbuchungen an, berichtet Boerse-Express.com. Anders als beim klassischen „Buy Now, Pay Later“ fließe bei „Reserve Now, Pay Later“ kein Geld bei der Buchung: Die Zahlung werde erst kurz vor Reiseantritt fällig. Eine Bonitätsprüfung entfalle komplett. Das Modell laufe zunächst für ausgewählte Touren; beide Partner planten eine Ausweitung auf weitere Kategorien.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Uber verbrennt KI-Budget, ohne den Nutzen zu kennen
Uber hat sein komplettes Token-Budget für 2026 bereits aufgebraucht, berichtet Heise.de. Ein messbarer Nutzen für Verbraucher lasse sich daraus bislang nicht ableiten, räumte Uber-Präsident Andrew Macdonald ein. Zwar erstellten autonome Agenten inzwischen rund zehn Prozent des Unternehmenscodes, und Uber kompensiere die KI-Kosten durch weniger Neueinstellungen. Doch ohne nachweisbare Verbindung zwischen Token-Verbrauch und tatsächlichen Produktverbesserungen sei dieser Tausch schwer zu rechtfertigen. Macdonald beschreibe ein neues Dilemma: Firmen investierten massiv in KI, könnten den Return aber kaum beziffern.
Digitale Zwillinge füllen den Warenkorb
Ein Küchenwaren-Anbieter steigerte mithilfe digitaler Kundenzwillinge seinen Online-Warenkorbwert um 27 Prozent, berichtet T3N.de. Für diese Technologie werte eine KI Kaufverhalten, Suchverläufe und Reaktionen echter Kunden auf Werbemittel aus und verdichte sie zu psychografischen Zielgruppen-Profilen, an denen Unternehmen Kampagnen vorab testen könnten. Im konkreten Fall hätten die Zwillinge offengelegt, dass Kunden der Plattform eher Inspiration statt Standardrabatte suchten. Storytelling und kuratierte Produktkombinationen – etwa Messer mit Gewürzpaketen – hätten so auch die Wiederkaufrate um 18 Prozent gehoben.
ARD-Media-Studie: KI-Werbung verliert Vertrauen
Eine Mehrheit sieht KI-Einsatz in Medien kritisch, zitiert Meedia.de eine Studie von ARD Media. 54 Prozent bewerteten KI im Journalismus negativ: 64 Prozent tolerierten zwar den Einsatz bei Recherche und Datenanalyse, doch zwei Drittel lehnten vollständig generierte Bilder oder Videos kategorisch ab. KI-Einsatz in der Werbung falle zwar 70 Prozent der Befragten auf und lasse Marken moderner wirken, gefährde aber zugleich ihre Glaubwürdigkeit. 77 Prozent forderten eine klare Kennzeichnung und 60 Prozent gaben an, diese würde ihr Vertrauen stärken.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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