
Prognosen, 43einhalb + Platform Group, Widerrufs-Button, Digitalabgabe, Konsumflaute, Bytedance, Shein-Sperrung, Ricardo, Zara
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Was 2026 dem E-Commerce bringt (vermutlich)
Was hat der Weihnachtsmann im Gepäck? Prognosen fürs Folgejahr! Und jedes Jahr mehr. Etailment.de hat die Flut gesichtet und stellt die knackigsten Aussagen zusammen. Die Themen: Marketing & Service, KI, Omnichannel, Cybersicherheit, Payment und Logistik.
43einhalb wechselt zu The Platform Group
The Platform Group übernimmt die Mehrheit am Sneaker-Händler 43einhalb aus Fulda, berichtet Shoes.biz. Das 2011 gegründete Unternehmen verkaufe mehrere tausend Artikel von Nike bis Salomon mit einem durchschnittlichen Bestellwert von 145 Euro. Der Vertrag sei am 19. Dezember unterzeichnet worden, der Abschluss folge im Januar 2026. Über den Kaufpreis hätten beide Seiten Stillschweigen vereinbart. TPG habe weitere Zukäufe im Konsumgüterbereich angekündigt.
Bundestag beschließt Pflicht zum Widerrufs-Button
Der Bundestag hat mit 308 zu 242 Stimmen beschlossen, dass Online-Händler künftig einen gut sichtbaren Widerrufsbutton anbieten müssen, berichtet Heise.de. Die während der 14-tägigen Widerrufsfrist verfügbare Funktion solle das „E-Mail-Pingpong“ überflüssig machen und setze eine EU-Richtlinie um. Der Rechtsausschuss habe zudem Vorgaben gegen Dark Patterns bei Finanzdienstleistungen ergänzt – also manipulative Designelemente, die Konsumenten zu unbeabsichtigten Klicks verleiten sollen.
Bundesrat will Tech-Konzerne zur Kasse bitten
Der Bundesrat fordert eine Digitalabgabe von sehr großen Online-Plattformen, berichtet Heise.de. Die Länderkammer verlange von der Bundesregierung einen Gesetzentwurf, der Tech-Giganten wie Google und Meta zur Finanzierung deutscher Medienvielfalt verpflichte. Betroffen seien nur Plattformen mit über 45 Mio. monatlich aktiven EU-Nutzern, kleine Anbieter blieben verschont. Die Einnahmen sollten zweckgebunden lokale und regionale Medien stützen, deren Werbeerlöse dramatisch eingebrochen seien. Während Kulturstaatsminister Weimer eine zehnprozentige Abgabe anstrebe, lehne Wirtschaftsministerin Reiche den „Plattform-Soli“ ab.
Deutsche horten Geld wie zur Finanzkrise
Das Konsumklima in Deutschland rutscht für Januar 2026 auf minus 26,9 Punkte ab, zeigen aktuelle Daten von Nielseniq.com. Die Sparneigung klettere auf 18,7 Punkte – den höchsten Wert seit der Finanzkrise 2008. Verantwortlich seien vor allem Inflationsängste und die Debatte um die Rentenversicherung. Gleichzeitig seien die Einkommenserwartungen zum dritten Mal in Folge abgesackt, die Kaufbereitschaft gebe ebenfalls nach. Für den Jahresstart 2026 bedeute dies einen denkbar schlechten Auftakt.
HANDEL INTERNATIONAL
USA: Soziale Medien könnten für Nutzerinhalte haftbar werden
US-Senatoren beider Parteien wollen die Section 230 des „Communication Decency Acts“ abschaffen, berichtet Golem.de. Das 30 Jahre alte Gesetz schütze Social-Media-Unternehmen vor Haftung für Inhalte Dritter – eine Immunität, die Plattformen Milliarden-Werbeeinnahmen mit fragwürdigen Inhalten ermögliche, argumentiere der republikanische Senator Lindsey Graham. Die geplante Änderung würde Geschädigten den Rechtsweg gegen anonyme Accounts erleichtern und Konzerne wie Meta oder Google zwingen, aufwendige Kontrollmechanismen einzuführen. Ob der Vorstoß das Abgeordnetenhaus passiert, bleibe allerdings fraglich.
Bytedance steuert 2025 auf einen Gewinn von rund 50 Mrd. Dollar zu, berichtet Mercurynews.com. Die Tiktok-Mutter habe in den ersten drei Quartalen bereits 40 Mrd. Dollar verdient und damit das eigene Jahresziel vorzeitig übertroffen. Zum Vergleich: Meta erwirtschafte voraussichtlich 60 Mrd. Dollar. Der Umsatz solle um 20 Prozent auf 186 Mrd. Dollar steigen – eine Wachstumsrate, die das 2012 gegründete Unternehmen so schon seit Jahren halte.
Neue Regeln gegen Preisdruck im chinesischen E-Commerce
China führt ab 10. April neue Regeln für die Preisgestaltung auf Internet-Plattformen ein, berichtet Indiantimes.com. Die Vorschriften verbieten es Plattformbetreibern, Händler durch höhere Gebühren oder schlechtere Suchplatzierungen zu Preissenkungen zu nötigen. Trotz der angekündigten Regelungen setzten die großen E-Commerce-Plattformen ihren Preiskrieg im Quick Commerce ungebremst fort. Händler berichteten auf sozialen Medien von schwindenden Margen, während Restaurantbetreiber über weniger profitable Laufkundschaft klagten – nur die Konsumenten profitierten von den niedrigen Preisen.
Gericht stoppt Frankreichs Shein-Sperrung
Ein Pariser Gericht lehnte den Antrag der französischen Regierung ab, die chinesische Plattform Shein für drei Monate zu sperren, wie Euronews.com berichtet. Eine Sperrung sei unverhältnismäßig, da die Plattform bereits illegale Produkte entfernt habe – darunter kindliche Sexpuppen, Schlagringe und verbotene Medikamente. Der Verkauf von Erwachsenenprodukten sei aber künftig nur mit funktionierender Altersverifikation erlaubt. Parallel ermittle die Staatsanwaltschaft strafrechtlich, auch gegen Temu, Aliexpress, Wish und Ebay.
Ricardo-Ranking: Plastiksteine schlagen Luxusuhren
Schweizer geben durchschnittlich 341 Franken pro Kopf für Weihnachtsgeschenke aus – ein Fünftel mehr als im Vorjahr, meldet Blick.ch unter Berufung auf die Swiss Retail Federation. Auf dem Online-Marktplatz Ricardo seien in den letzten Wochen dennoch 70 Prozent der verkauften Artikel in gebrauchtem Zustand gewesen. Der meistgesuchte Begriff laute „Lego“, die Transaktionen in dieser Kategorie seien binnen eines Monats um 29 Prozent gewachsen. Auf den weiteren Plätzen folgten „Tisch“, „Iphone“, „Cars“ und „Pokémon“. Parallel habe die Plattform auch Luxusuhren für bis zu 88.881 Franken vermittelt.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Zara kleidet Models per KI in neue Kollektionen
Zara verändert Fotos echter Models per KI, um sie digital in neue Kleidungsstücke zu stecken, berichtet Businesstoday.in. Die Technik beschleunige Produktionszyklen und senke die Kosten – Models würden weiterhin bezahlt wie bei regulären Shootings. Auch H&M experimentiere mit solchen digitalen Zwillingen. Die Association of Photographers in London befürchtet jedoch, die Praxis beraube Fotografen, Stylisten und Produktionsteams ihrer Aufträge. Inditex betone, die KI ergänze bestehende Prozesse, ersetze sie aber nicht vollständig.
Betrüger in China nutzen KI-generierte Bilder für falsche Rückerstattungsanträge, berichtet Wired.com. Händler auf der Plattform Rednote berichteten von Schadensfotos, die beim zweiten Blick absurd wirkten: kaputte Keramiktassen, die wirkten, als wären sie aus Pappe, Versandetiketten mit Kauderwelsch-Schriftzeichen. Eine Krabbenverkäuferin erhielt Videos toter Krustentiere – allerdings mit neun statt acht Beinen und in anatomisch unmöglichen Haltungen. Die Polizei habe den Käufer für acht Tage verhaftet. Rückerstattungsbetrug mit KI-Bildern sei global seit Jahresbeginn um über 15 Prozent gestiegen – organisierte Gruppen reichten Anträge im Millionenwert ein.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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