
Uber + Delivery Hero, Otto + Polen, Amazon, Shein + Everlane, Primark, Money Cruncher, Apple, Marktplatz-Kosten, KI-Datenleck
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteurHANDEL NATIONAL
Uber greift bei Delivery Hero nochmals beherzt zu
Der US-Fahrdienstleister Uber hat seine Beteiligung an Delivery Hero auf 19,5 Prozent ausgebaut und sich weitere 5,6 Prozent über Optionen gesichert, meldet Boersen-Zeitung.de. Zuvor sei der Anteil bereits von gut sieben auf fast 18 Prozent geklettert. Der MDax-Konzern bezeichne die Aufstockung als Bestätigung seiner Strategie und prüfe parallel weitere strategische Optionen. Der Schritt folge auf den angekündigten Rücktritt von Mitgründer Niklas Östberg, der von Aspex aus dem Amt gedrängt wurde.
Nach Holland nun Polen: Otto öffnet schrittweise die Tür
Otto öffnet im Juni seinen Marktplatz für ausgewählte polnische Verkaufspartner, meldet Ecommercenews.eu. Polen sei nach den Niederlanden das zweite Land in der schrittweisen Internationalisierung. Voraussetzung für Anbieter sei die Teilnahme am OSS-Verfahren, außerdem müsse der Kundenservice auf Deutsch erfolgen. Die monatliche Grundgebühr betrage 99,90 Euro. Österreich, Frankreich, Spanien und Dänemark sollen noch 2026 folgen; Ottos Vorgabe, Retouren in Lagern in Italien und Tschechien annehmen zu können, deute auch auf weitere Öffnungen hin.
486 Milliarden Gründe für deutsche KI-Euphorie
Deutschland verfügt über das größte Produktivitätspotenzial durch KI und Automatisierung in Europa, zitiert Retail-News.de eine Studie des McKinsey Global Institute. Bis 2030 seien Effizienzgewinne von bis zu 486 Mrd. Dollar erreichbar. Theoretisch ließen sich 59 Prozent der Arbeitsstunden automatisieren, wobei 82 Prozent des Potenzials auf KI-Agenten entfielen und nur 18 Prozent auf Robotik. Allerdings genüge nicht der Einsatz einzelner Tools, nötig sei eine grundlegende Neugestaltung der Arbeitsabläufe.
Händlerbund fordert Amazon wegen DD+7 heraus
Der Händlerbund fordert laut Medienmitteilung von Amazon sofortiges Handeln gegen die anhaltenden Auszahlungsprobleme im Modell DD+7. Zahlreiche Händler würden mit Liquiditätsengpässen kämpfen, während Amazon intransparent und stellenweise widersprüchlich kommuniziere. Handlungsempfehlungen zur Umstellung liefen ins Leere, weil Betroffene gar nicht erst informiert worden seien. Der Verband verlange transparente Auszahlungsregeln, eine klare Zeitlinie und biete betroffenen Sellern rechtliche Beratung an.
HANDEL INTERNATIONAL
Shein kauft Everlane: Ultra-Fast-Fashion + Quiet Luxury
Der chinesische E-Commerce-Riese Shein übernimmt den US-Modehändler Everlane, berichtet Fashionnetwork.com. Der Deal basiere auf einer Bewertung von Everlane mit rund 100 Mio. Dollar, was einen schmerzhaften Abschlag gegenüber den Boomjahren darstelle. Stammaktionäre gingen leer aus; ob Bargeld fließe, sei noch offen. Everlane, bekannt für seinen minimalistischen Quiet-Luxury-Stil, kämpfe seit Längerem mit wachsenden Schulden; Shein wiederum suche angesichts steigender Zölle nach neuen Nischen.
Primark erwägt den Einstieg in den Online-Handel mit Heimlieferung, berichtet Fashionnetwork.com unter Berufung auf The Times. Der irische Billiganbieter habe bei der Übernahme des hochautomatisierten Asos-Fulfillment-Zentrums mitgeboten, sei aber Marks & Spencer mit 67,5 Mio. Pfund unterlegen. Der Textil-Discounter betreibt laut Guiness-Buch, mit einer Ladenfläche von 14.761 Quadratmeter, in Birmingham das größte Modegeschäft der Welt.
Money Cruncher verbucht eine Million Temu-Bestellungen
Money Cruncher hat nach gut einem Jahr auf Temu seine millionste Bestellung über den Marktplatz ausgeliefert, berichtet Channelx.world. Der Discounter aus Yorkshire sei im Februar 2025 auf Temu gestartet und zähle inzwischen zum obersten Prozent der lokalen UK-Verkäufer. Für das kommende Geschäftsjahr peile das Unternehmen 2,5 Mio. Bestellungen an. Das Wachstum habe die Belegschaft von unter zehn auf 28 Beschäftigte anschwellen lassen; das Lager arbeite sieben Tage die Woche im verlängerten Schichtbetrieb. Money Cruncher verkauft Haushaltswaren, Bastelbedarf und Partyartikel auch über Amazon, Ebay, Tiktok, B&Q und Tesco.
Apple muss mit Indiens Wettbewerbshütern kooperieren
Apple muss im indischen Kartellverfahren um den Iphone-App-Markt mit den Ermittlern kooperieren, berichtet Reuters.com. Der Delhi High Court habe den Antrag des Konzerns auf Aussetzung des Verfahrens abgelehnt, der Wettbewerbsbehörde CCI aber eine Entscheidungspause bis mindestens 15. Juli auferlegt. Apple weigere sich bislang, die zur Strafbemessung üblichen Finanzdaten herauszugeben, und fechte das zugrunde liegende Gesetz an. Eine CCI-Untersuchung hatte 2024 Marktmachtmissbrauch festgestellt.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Marktplatz macht Zahlen doppelt kompliziert
Wer als Händler einen Marktplatz für Drittanbieter aufbaut, scheitert seltener am Konzept als an der Zahlungsabwicklung, analysiert Retaildive.com. US-Marktplätze seien 2025 mit 11,5 Prozent fast doppelt so schnell gewachsen wie der übrige E-Commerce, doch etablierte Häuser wie Lowe’s, Best Buy oder Nordstrom unterschätzten regelmäßig, was der Wechsel vom Shop zur Plattform bedeute: Kundenzahlung, Verkäuferauszahlung, Onboarding und Buchhaltung müssten dann über völlig getrennte Systeme laufen.
Jeder 28. Prompt an generative KI-Werkzeuge birgt das Risiko, sensible Unternehmensdaten preiszugeben, meldet ITMagazine.ch unter Berufung auf den Monthly Cyber Threat Report. Weitere 19 Prozent der Eingaben enthielten potenziell heikle Informationen. Betroffen seien 90 Prozent der Firmen, die KI-Tools einsetzen. Im Schnitt liefen in Unternehmen zehn verschiedene GenAI-Anwendungen parallel, jeder Nutzer tippe monatlich 77 Prompts: Klassische Governance und Sicherheitskontrollen kämen mit dieser Geschwindigkeit nicht mehr mit.
KI-Nutzer öffnen den Geldbeutel
Die Zahlungsbereitschaft für KI-Anwendungen wächst spürbar, meldet Bitkom. 13 Prozent der KI-Nutzer hätten mittlerweile ein Bezahlabo abgeschlossen, nach acht Prozent im Vorjahr. Im Schnitt gäben Zahlende 20 Euro pro Monat aus, vier Euro mehr als 2025; rund ein Fünftel überschreite die 30-Euro-Marke. Hauptmotiv sei mit 67 Prozent der Zugang zu leistungsfähigeren Modellen, gefolgt von besserer Ergebnisqualität und mehr Stabilität. Die strikte Ablehnung kostenpflichtiger KI sei von 62 auf 49 Prozent gesunken.
Das KI-Cafè: Kontextfenster zu klein, Serviettenstapel zu groß
Ein auf Google Gemini basierender KI-Agent leitet seit Mitte April das Stockholmer „Andon Café“, berichtet T3N.de. Personal habe sich die KI über Linkedin und Indeed besorgt, auch Strom-, Internet- und Betriebsgenehmigungen seien eigenständig organisiert worden. Beim Einkauf zeige sich jedoch ein gewisser Hang zum Überfluss: 6.000 Servietten, 3.000 Paar Gummihandschuhe und, rätselhafterweise, Dosentomaten. Es gäbe kein Angebot auf der Speisekarte mit Tomaten. Schuld sei das begrenzte Kontextfenster, verteidigt Mitarbeiterin Hanna Petersson die KI. Doch vom Start-Budget von 21.000 Dollar seien, trotz 5.700 Dollar Umsatz, keine 5.000 Dollar mehr übrig.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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