Zweitens: agentische Workflows. Wir können heute nicht mehr nur einzelne Aufgaben in Marketing und Vertrieb automatisieren, sondern ganze Ketten – von der Analyse über die Entscheidung bis zur Ausführung. In Echtzeit.
Welche Folgen hat das für Ihre Gespräche mit Unternehmen?
Alexander Maresch: Vor zwei bis drei Jahren drehte sich alles um das „Warum“. Warum überhaupt KI im Marketing und Vertrieb? Dann ging es um das „Was“. Es gab viele Pilot-Projekte und es wurde viel experimentiert.
Inzwischen stellt sich die Frage nach dem „Wie“. Wie setzen wir KI so ein, dass sie echten Wert und Wachstum schafft? Und an genau diesem Punkt merken Unternehmen, dass einzelne Tools nicht reichen. Es braucht ein integriertes System.
Sie begleiten Kunden bei der Einführung agentischer KI. Wie funktioniert das?
Alexander Maresch: Wir sehen drei Hebel: das System, die Integration und die Befähigung. Beim System geht es um die Infrastruktur – bei uns die stg/SUITE, die Daten, Wissen, Prozesse und Ausführung miteinander verbindet, statt isolierte Anwendungen nebeneinanderzustellen. In den salestech Agentic Labs erarbeiten wir genau diese Bausteine und setzen sie bereits produktiv ein.
Die Integration ist die eigentliche Arbeit: KI dort zu verankern, wo die tatsächlichen Geschäftsprozesse und Daten eines Unternehmens liegen. Die Befähigung sorgt dann dafür, dass die Menschen mit diesen Systemen arbeiten können. Die beste Technologie nützt nichts, wenn die Organisation sie nicht effizient einsetzt.
Was steht im Zentrum Ihres Systems?
Alexander Maresch: Wir glauben, dass jedes Unternehmen künftig ein digitales Second Brain braucht. Bei uns ist IQ genau das, der Intelligence Layer zwischen Daten und Wachstum.
IQ verarbeitet kontinuierlich die Signale aus Marketing, Vertrieb und operativen Prozessen, setzt sie zueinander in Beziehung und erzeugt den Kontext, der für gute Entscheidungen ansonsten fehlt. Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini liefern Antworten. Aber sie verstehen die Unternehmen nicht gut genug. Sie kennen weder Kunden, Margen noch Prioritäten. Ein Second Brain dagegen vergisst nichts und verbindet das Wissen eines Unternehmens über dessen Abteilungen und Tools hinweg. Es lernt ausschließlich aus den Daten des eigenen Unternehmens, nicht aus denen anderer.
Und was kommt als Nächstes?
Alexander Maresch: Wir entwickeln IQ Schritt für Schritt weiter. Damit das System immer bessere Entscheidungen ermöglicht. Wir fangen gerade erst an, das Potenzial zu heben.
An dieser Stelle möchte ich betonen: Die Entwicklung nimmt den Menschen nicht die Arbeit weg. Sie nimmt ihnen bloß gewisse Routinen ab. Was bleibt, ist das, worin Menschen unschlagbar sind: Urteilsvermögen, Kreativität, Beziehungen. Mich begeistert zu sehen, wie Teams durch den Einsatz von intelligenten Systemen immer besser werden.
Welche Fragen sollten sich CEOs großer Händler und Marken jetzt stellen?
Alexander Maresch: Zum einen: Welchen Teil meiner Wertschöpfung könnte ich an intelligente Systeme übergeben? Und: Was hält mich zurück? Die Technologie ist selten das Hindernis. Es ist der Mut, Prozesse und Strukturen neu zu denken. Ich bin fest überzeugt: Wer KI früh zum Teil der eigenen Wertschöpfung macht, setzt sich entscheidend vom Wettbewerb ab.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge