
Zalando, Amazon, Brillen.de, Roblox vs. Tiktok, Mercado Libre, Italien, Österreich, Thailand, KI-Integration, Social Commerce
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Björn BöerChefredakteur.
HANDEL NATIONAL
Ausgewachsen? Zalando kauft Kindermode zurück
Zalando weitet seine Second-Hand-Sparte in 14 europäischen Märkten auf Kinderbekleidung aus, berichtet das Unternehmen. Das Modell folge dem C2B2C-Prinzip: Eltern könnten gebrauchte Kinderkleidung direkt an Zalando zurückverkaufen und erhielten dafür einen Gutschein – ohne Fotos, ohne Versandkosten. Jedes Stück werde hauseigen geprüft. Der Schritt komme nicht von ungefähr: Der Pre-owned-Umsatz bei Erwachsenenmode habe sich in den letzten Jahren verdoppelt, bis zu 90 Prozent der Premiumartikel fänden binnen 24 Stunden neue Träger.
Amazon verschärft Regeln für automatisierte Händler-Tools
Amazon verschärft ab 4. März 2026 die Spielregeln für automatisierte Tools und KI-Agenten, berichtet Haendlerbund.de. KI-gestützte Software müsse ihre Automatisierung künftig offen ausweisen, Vorgaben strikt einhalten und den Zugriff auf Verlangen sofort stoppen. Amazon behalte sich vor, Zugänge nach eigenem Ermessen zu kappen. Betroffen: zahlreiche gängige Händler-Tools – von Preisüberwachung bis Bestandsmanagement. Wer nach dem Stichtag weiterverkaufe oder Amazons Dienste weiternutze, stimme den neuen Bedingungen stillschweigend zu.
Brillen.de: 1,5 Mio. Kundendaten im Darknet
Brillen.de hat schon wieder ein Datenleck – das zweite innerhalb von 16 Monaten, berichtet Heise.de. Im September 2025 verschafften sich Unbekannte Zugang zu Kundendaten; erst im Februar 2026 tauchten 1,53 Mio. Datensätze in einem Darknet-Forum auf. Betroffen seien Namen, Adressen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Geburtsdaten – Passwörter, optometrische Messdaten und Zahlungsdaten hätten die Angreifer nicht erbeutet. Betreiber Supervista habe das Einfallstor per Passwortwechsel geschlossen, externe Forensiker eingebunden, und die Datenschutzbehörde informiert.
Konsumklima tritt auf der Stelle – Sparquote auf 17-Jahres-Hoch
Die Erholung des deutschen Konsumklimas stockt: Für März weist der GfK-Konsumklima-Indikator einen Rückgang um 0,5 auf −24,7 Punkte aus. Die Sparneigung erreiche mit 18,9 Punkten den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008, obwohl die Einkommenserwartungen im zweiten Monat in Folge zulegen würden. NIM-Experte Rolf Bürkl erklärt, steigende Einkommen würden aus Vorsicht auf die hohe Kante gelegt statt ausgegeben – getrieben von Inflation (2,1 Prozent im Januar), geopolitischen Spannungen und sozialpolitischer Unsicherheit.
HANDEL INTERNATIONAL
Roblox überholt Tiktok als Gen-Z-Kaufplattform
Roblox hat Tiktok als wachstumsstärkster E-Commerce-Kanal der Gen Z überholt, berichtet Channelx.world unter Berufung auf eine Studie der Retail Technology Show. Das Kaufvolumen der Gen Z auf der Plattform sei um 54 Prozent gestiegen – fünfmal schneller als das Tiktok-Wachstum von zehn Prozent. Gen Z kaufe auf Roblox 2,4-mal häufiger als alle anderen Altersgruppen; die Plattform zähle inzwischen über 150 Mio. täglich aktive Nutzer weltweit. Allerdings halte Tiktok noch die Spitzenposition beim absoluten Kaufvolumen.
Mercado Libre hat im vierten Quartal 2024 weniger verdient als erwartet – und das mit Ansage, berichtet Finedayradio.com. Der Gewinn sank um 12,5 Prozent auf 559 Mio. Dollar; Analysten hatten 587 Mio. Dollar prognostiziert. Allerdings übertreffe der Umsatz mit 8,8 Mrd. Dollar die Erwartungen deutlich (plus 45 Prozent), getragen von den Marktplätzen in Brasilien und Mexiko. Das Minus beim Gewinn sei bewusst in Kauf genommen worden: Das Unternehmen stecke Geld in Kreditkartenangebote, Gratisversand und den Direktvertrieb. Investor-Relations-Chef Cuccioli verortete den lateinamerikanischen Online-Markt laut Reuters noch in „Minute 15 der ersten Halbzeit“.
Italien: Datenschutzbehörde stoppt Amazons Datensammlung
Italiens Datenschutzbehörde hat „Amazon Italia Logistica“ die Nutzung persönlicher Daten von mehr als 1.800 Lagerarbeitern untersagt, wie Thestar.com.my berichtet. Die Behörde stellte bei Inspektionen im Lager Passo Corese fest, dass der Konzern Informationen über Krankheiten, Streikbeteiligung und familiäre Krisen wie Scheidungen gesammelt und an Manager weitergegeben habe und diese Daten bis zu zehn Jahre lang gespeichert habe. Vier Überwachungskameras nahe der Toiletten und der Pausenräume seien ebenfalls unzulässig gewesen. Weitere Verstöße würden noch untersucht.
Jeder zweite Österreicher stößt auf betrügerische Online-Werbung
Mehr als jede zweite Person in Österreich hat den Eindruck, bereits auf betrügerische Online-Werbung gestoßen zu sein, zeigt eine Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens laut Skills.at. Ein Fünftel sei sich schlicht nicht sicher. Als Haupteinfallstor gälten soziale Netzwerke: Über die Hälfte der Betroffenen berichte von dubiosen Anzeigen auf Plattformen wie Facebook oder Instagram. Besonders perfide seien sogenannte „Ghost-Stores“, die sich als heimische Familienbetriebe tarnten, aber aus chinesischen Lagern lieferten – in den ersten vier Monaten 2025 seien entsprechende Anzeigen in Österreich 30 Mio. Mal ausgespielt worden.
Thailands E-Commerce: Qualität schlägt Preis
Thailands E-Commerce-Käufer steuern um: Von der Schnäppchenjagd hin zur Vertrauensentscheidung, berichtet Moneyandbanking.co.th über eine Lazada-Analyse. Über 91 Prozent der Käufer kauften demnach regelmäßig über offizielle Markenshops auf Online-Marktplätzen; 77 Prozent würden die Produktqualität als wichtigsten Faktor benennen – noch vor dem Preis. Zwei Drittel seien bereit, fünf bis zehn Prozent Aufpreis für eine Echtheitsgarantie zu zahlen. Der thailändische Online-Handel solle bis 2030 von umgerechnet rund 26 Mrd. auf 48,6 Mrd. Euro wachsen, mit einem jährlichen Wachstum von über 14 Prozent.
TRENDS & TECHNOLOGIE
KI-Integration macht Unternehmen anfälliger
Wer KI von Anfang an ins Kerngeschäft integriert, zahlt bei Sicherheitsvorfällen einen spürbaren Preis, zitiert Golem.de den Global Security Research Report von Fastly. KI-native Systeme erweiterten die Angriffsflächen, dezentrale Datenflüsse erschwerten die Absicherung. KI-First-Unternehmen im DACH-Raum benötigten acht Monate zur Aufarbeitung eines Vorfalls; Betriebe ohne diesen Ansatz seien nach 115 Tagen durch. Bei rund der Hälfte der Betroffenen sei die KI-Infrastruktur bereits selbst zum Angriffsziel geworden.
KI hat das Smartphone als Gerät längst neu definiert – für 38 Prozent der Nutzer in Deutschland ist sie bereits fester Alltagsbegleiter, so eine Bitkom-Umfrage. Bei unter 30-Jährigen liege die Quote schon bei 54 Prozent. 33 Prozent seien bereit, für umfangreichere KI-Funktionen auch tiefer in die Tasche zu greifen. Sprachassistenten hätten schon 64 Prozent genutzt, Chatbots wie ChatGPT oder Gemini bereits 56 Prozent. Fast die Hälfte wünsche sich vor allem eines: KI, die Betrugsanrufe abfängt, bevor sie ankommen.
Social Commerce: Ja, aber unter Bedenken
Social Commerce wächst – aber das Vertrauen hinkt hinterher, zeigt der aktuelle Retail Report des Softwareanbieters Soti. Zwar hätten 16 Prozent der deutschen Konsumenten in den vergangenen sechs Monaten mehrfach über soziale Medien eingekauft, doch 91 Prozent meldeten gleichzeitig Bedenken. Als häufigste Bremsklötze nennt die Studie falsche Produktdarstellungen (38 Prozent), lange Lieferzeiten (32 Prozent) und – allen voran – Datenschutz- und Betrugssorgen (65 Prozent). 45 Prozent, die einmal mit einem Kanal schlechte Erfahrungen gemacht hätten, kauften darüber nicht noch einmal.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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