
Zusatzkosten, E-Commerce Awards, Facebook, DSGVO, Breuninger, Europa + USA + Indien, Stripe, Zahlungsabwicklung, KI-Betrug, KI-Marketing
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteur.
HANDEL NATIONAL
Unberechenbare Zusatzkosten müssen nicht in den Gesamtpreis
Unberechenbare Zusatzkosten müssen nicht in den Endpreis, entschied das Landgericht Berlin im Streit zwischen dem Bundesverband der Verbraucherzentralen und Booking.com, berichtet Haendlerbund.de. Die Verbraucherschützer hatten beanstandet, dass die Plattform eine kommunale Übernachtungssteuer nicht im ausgewiesenen Gesamtpreis einkalkuliere. Das Gericht sah darin keinen Verstoß: Da die Steuerhöhe von individuellen Faktoren wie Alter oder Aufenthaltszweck abhänge, sei eine Vorabberechnung nicht zumutbar. Für Online-Händler gelte Ähnliches bei Zöllen oder Einfuhrabgaben – allerdings bleibe die Hinweispflicht auf solche Kosten bestehen.
Kaufland, Brevo & Co.: Die E-Commerce-Gewinner 2026
Laut den E-Commerce Germany Awards, vergeben am 17. Februar in Berlin, stehen die besten E-Commerce-Lösungen im DACH-Raum fest. Rund 300 Unternehmen traten in zwölf Kategorien an; eine Jury aus Experten von Fielmann, C&A, Flaconi und Mediamarkt kürte die Sieger. Kaufland Global Marktplatz gewann in der Kategorie „Global Commerce & Expansion“, Sendcloud bei „Logistics & Delivery“, Brevo bei „Communication & Engagement“, sowie Dynamicweb (Platforms & Commerce Tools), Novalnet (Payment & Fintech) und Workato (Omnichannel & Integration) in ihren jeweiligen Kategorien.
LG Berlin stoppt Facebooks Freunde-Finder
Das Landgericht Berlin hat Meta untersagt, über die Freunde-Finder-Funktion Daten von Personen zu verarbeiten, die Facebook nie genutzt haben, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband berichtet. Würden Nutzer die Funktion aktivieren, wanderten Kontaktdaten – samt Fotos und Berufsinformationen – automatisch auf Meta-Server, auch von Menschen, die dem Netzwerk bewusst ferngeblieben seien. Zudem dürfe Meta ohne ausdrückliche Zustimmung keine Werbeprofile registrierter Nutzer anlegen. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig.
Fast alle Unternehmen ächzen unter DSGVO-Aufwand
Acht Jahre nach ihrer Einführung sitzt die Datenschutz-Grundverordnung vielen Unternehmen wie ein Stein im Schuh, so eine aktuelle Bitkom-Studie. 97 Prozent der befragten Firmen stuften den Compliance-Aufwand als hoch ein. 69 Prozent meldeten, dieser sei zuletzt weiter gestiegen; 73 Prozent würden die Dokumentationspflichten als größten Bremsklotz benennen. Die DSGVO mache Geschäftsprozesse komplizierter, befänden 81 Prozent. 71 Prozent verlangten eine Lockerung, 44 Prozent sogar die Abschaffung. Sie bremse auch die Anwendung von KI: 69 Prozent sähen den Datenschutz als Hürde beim Trainieren von Modellen.
HANDEL INTERNATIONAL
Breuninger expandiert nach Österreich
Der Stuttgarter Modehändler Breuninger trägt sein digitales Marktplatz-Konzept erstmals ins Ausland: Österreich wird zum ersten internationalen Markt, berichtet Fashionunited.de. Das in Deutschland seit 2020 bewährte Modell mit rund 300 Partnermarken orientiere sich dort bewusst am lokalen Geschmack: Trachten, Ball- und Abendmode sowie Ski- und Outdoor-Bekleidung stünden im Fokus des Sortiments.
Europas Online-Handel wächst mit 8,5 Prozent schneller als Nord- und Südamerika zusammen, zitiert GFM-Nachrichten.de ECDB-Daten. Stabile Beschäftigung und wirksamere Inflationskontrolle stützten die Kaufkraft besser als in den USA, wo hohe Haushaltsverschuldung und ein schwächelnder Arbeitsmarkt bremsten. Innerhalb Europas liefen Bulgarien mit 14,2 Prozent, Griechenland mit 11,4 Prozent und Spanien mit 10,6 Prozent dem Feld davon – getragen von mobilem Shopping und Social Commerce. Die DACH-Region wachse weiter, verliere aber an Dynamik: Zu groß für Aufholeffekte, zu reif für schnelle Sprünge.
E-Commerce USA: Sieben von zehn Dollars bleiben im Laden
Der US-amerikanische Online-Handel erreicht bis 2030 ein Volumen von 1,8 Bio. Dollar, prognostiziert ein neuer Forrester-Bericht laut Retaildive.com. Der Anteil am gesamten Einzelhandel wachse somit auf 29 Prozent. Treiber des Wachstums würden der Einstieg der Generation Z ins Berufsleben, verbesserte Logistik und der Aufstieg des „Agentic Commerce“. Dass der Laden nicht sterbe, belege auch eine Colliers-Erhebung: In 15 Jahren sanken stationäre Umsätze nur einmal – 2020 während der Lockdowns.
E-Commerce Indien: Verdoppelung bis 2030
Indiens E-Commerce-Markt wächst, von heute 120-140 Mrd. Dollar, bis 2030 auf 280-300 Mrd. Dollar, ergibt laut Lokmattimes.com eine BCG-Studie. Dabei werde der Offline-Handel nicht verdrängt, sondern wachse parallel mit rund 14 Prozent jährlich weiter. Die Zahl der Online-Käufer steige von 300 auf 440 Mio., wobei ein Drittel aus ländlichen Regionen komme. Schnelllieferdienste verzeichneten eine jährliche Wachstumsrate von über 100 Prozent; Social Commerce wachse zeitgleich mit 40-45 Prozent.
Stripe wickelt 1,6 Prozent der Weltwirtschaft ab
Stripe hat 2025 ein Zahlungsvolumen von 1,9 Bio. Dollar verarbeitet – ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Finanzdienst heute in seinem „Annual Letter“ bekanntgab. Das entspreche rund 1,6 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Über fünf Mio. Unternehmen nutzten die Plattform, darunter 90 Prozent der Dow-Jones-Konzerne und die Hälfte aller DAX40-Mitglieder. Bei KI-Unternehmen sei Stripe die meistgenutzte Zahlungsplattform. Die Unternehmensbewertung kletterte nach einer Liquiditätsrunde für Mitarbeiter auf 159 Mrd. Dollar.
Drei Prozent mehr Umsatz durch bessere Zahlungsabwicklung
Optimierte Zahlungsstrukturen können den Umsatz von Online-Händlern um mindestens drei Prozent steigern, zeigt der „Scaling Europe: Payments Report“ des europäischen Finanzdienstleisters Mollie. Europas Zahlungslandschaft werde zunehmend unübersichtlicher: Lokale Zahlungspräferenzen, Regulierungen wie SEPA Instant und PSD3 sowie die paneuropäische Initiative Wero veränderten die Infrastruktur grundlegend. Künstliche Intelligenz solle deshalb künftig Betrug in Echtzeit erkennen, fälschlich abgelehnte Zahlungen reduzieren und smartes Transaktions-Routing ermöglichen – kurz: den Checkout vom Kostenfaktor zum strategischen Hebel machen.
TRENDS & TECHNOLOGIE
KI-Betrug: Online-Händler mit alten Waffen in neuem Krieg
Betrug hat sich vom lästigen Randproblem zum skalierten Geschäftsmodell entwickelt, warnt der Experian Fraud Report 2026. Im E-Commerce stehe dabei vor allem „Friendly Fraud“ im Vordergrund – der systematische Missbrauch von Rückerstattungen. 62 Prozent der deutschen Unternehmen meldeten höhere Verluste als im Vorjahr, 63 Prozent hielten ihre Abwehrtechnologie für unzureichend. Generative KI verschärfe die Lage: Über die Hälfte stufe sie als größte Bedrohung ein, während 67 Prozent einräumten, dass ihre Prüfsysteme KI-gefälschte Dokumente nicht zuverlässig erkennen.
Drei Viertel aller Marketer nutzen KI – und trotzdem schalten 84 Prozent nach wie vor generische Kampagnen, so der Salesforce „State of Marketing“-Bericht. 69 Prozent kämen nicht schnell genug an Kundenkontext heran, um auf Nachrichten zeitnah reagieren zu können. Doch selbst das löse nicht das Grundproblem: 98 Prozent aller Marketer stoßen bei der Personalisierung auf Hindernisse – der häufigste Stolperstein blieben schlechte oder isolierte Daten, nicht mangelnde KI-Bereitschaft. Wer aber seine Kundendaten vereinheitlicht habe, antworte 42 Prozent häufiger verlässlich.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge