DHL fordert 23-Kilogramm-Grenze: Was ein neues Paketlimit für Händler bedeuten könnte
Die Deutsche Post und DHL Group setzen sich für eine gesetzliche Obergrenze von 23 Kilogramm pro Paket ein. Der Vorstoß soll vor allem die körperliche Belastung der Zustellerinnen und Zusteller reduzieren. Für Onlinehändler und andere gewerbliche Versender könnte eine solche Regelung jedoch erhebliche Auswirkungen auf Versandprozesse, Verpackungen und Logistikkosten haben.
Bislang handelt es sich um eine Forderung des Unternehmens und nicht um eine bereits beschlossene gesetzliche Gewichtsgrenze. Sollte die Politik den Vorschlag aufgreifen, müssten Händler ihre Versandlogistik insbesondere bei schweren Waren neu bewerten.
Weitere Hintergründe zur Forderung und zu den möglichen Folgen für den Handel bietet der aktuelle etailment-Beitrag „23 Kilogramm Schluss: Post drängt auf gesetzliches Paketlimit“.
Schwere Pakete könnten für Händler höhere Kosten verursachen
Eine gesetzliche Gewichtsgrenze von 23 Kilogramm könnte vor allem Händler betreffen, die schwere oder umfangreiche Produkte versenden. Dazu zählen beispielsweise Anbieter von Möbeln, Werkzeugen, Sportgeräten, Haushaltswaren, Tierbedarf, Baustoffen oder größeren Elektroartikeln.
Was heute möglicherweise in einem einzigen Paket verschickt wird, müsste künftig unter Umständen auf mehrere Sendungen verteilt werden. Dadurch könnten zusätzliche Kosten entstehen. Händler müssten mehr Verpackungsmaterial einsetzen, zusätzliche Versandetiketten erstellen und gegebenenfalls höhere Transportkosten einkalkulieren.
Auch die Zahl der einzelnen Sendungen könnte steigen. Aus einem schweren Paket würden möglicherweise zwei oder mehr kleinere Pakete. Das hätte nicht nur Auswirkungen auf die Versandkosten, sondern auch auf die internen Abläufe in Lager und Fulfillment.
Eine mögliche 23-Kilogramm-Grenze für Pakete könnte deshalb unter anderem folgende Folgen haben:
- höhere Kosten durch mehrere Einzelpakete,
- zusätzliche Verpackungs- und Materialkosten,
- mehr Aufwand beim Kommissionieren und Verpacken,
- höhere Anforderungen an Lager- und Versandprozesse,
- mögliche Mehrkosten für Sperrgut oder Speditionen.
Für Händler mit hohen Versandvolumen könnten bereits geringe Mehrkosten pro Bestellung erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtlogistik haben.
Sperrgut und Spedition könnten wichtiger werden
Produkte, die sich nicht sinnvoll auf mehrere Pakete verteilen lassen, müssten möglicherweise häufiger als Sperrgut, Stückgut oder Speditionsware verschickt werden. Diese Versandarten sind häufig teurer und organisatorisch aufwendiger als der klassische Paketversand.
Besonders relevant wäre dies für Unternehmen, die schwere Einzelprodukte verkaufen. Große Maschinen, Möbelstücke, massive Werkzeuge oder umfangreiche Haushaltswaren lassen sich nicht immer in mehrere kleinere Sendungen aufteilen.
Händler müssten deshalb prüfen, welche Alternativen wirtschaftlich sinnvoll sind. Denkbar wären spezielle Versandtarife, Kooperationen mit Speditionen oder Änderungen an Verpackung und Produktsortiment.
Auch die Preiskalkulation im Onlineshop könnte sich verändern. Unternehmen müssten entscheiden, ob zusätzliche Versandkosten vollständig an die Kunden weitergegeben oder teilweise selbst übernommen werden. In hart umkämpften Märkten könnte dies Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit haben.
Gesundheitsschutz für Zusteller steht im Mittelpunkt
Die DHL Group begründet ihren Vorstoß vor allem mit dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten. Paketzusteller bewegen während einer Arbeitsschicht eine große Zahl von Sendungen. Schwere Pakete können dabei insbesondere Rücken, Schultern, Knie und Gelenke belasten.
Mit dem Präventionsprogramm „Ergo²“ will das Unternehmen ergonomische Bewegungsabläufe stärker in den Arbeitsalltag integrieren. Zustellkräfte erhalten unter anderem Unterstützung durch Fachkräfte aus Physiotherapie und Sportwissenschaft.
Das Programm umfasst beispielsweise Übungen zur Stabilisierung der Muskulatur, ergonomische Bewegungsabläufe sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen. Ziel ist es, körperliche Beschwerden möglichst frühzeitig zu verhindern und die Gesundheit der Beschäftigten langfristig zu schützen.
Die Forderung nach einem maximalen Paketgewicht von 23 Kilogramm ergänzt diesen Ansatz. Nach Einschätzung der DHL Group könnte eine gesetzliche Obergrenze die Belastung der Zusteller deutlich reduzieren.
Händler sollten ihre Versandstruktur frühzeitig analysieren
Ob die vorgeschlagene Gewichtsgrenze tatsächlich gesetzlich eingeführt wird, ist derzeit offen. Für Händler kann es dennoch sinnvoll sein, die eigenen Versanddaten bereits jetzt genauer zu analysieren.
Unternehmen sollten beispielsweise prüfen, wie viele ihrer Pakete regelmäßig mehr als 23 Kilogramm wiegen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Produkte auf mehrere Pakete verteilt werden könnten und bei welchen Waren ein Wechsel zu Sperrgut oder Speditionsversand erforderlich wäre.
Eine frühzeitige Analyse kann helfen, mögliche Kostensteigerungen besser einzuschätzen. Auch alternative Verpackungskonzepte oder neue Verträge mit Versand- und Logistikdienstleistern könnten vorbereitet werden.
Besonders für Onlinehändler mit schweren Produkten dürfte die Debatte daher relevant bleiben. Eine gesetzliche Paket-Gewichtsgrenze von 23 Kilogramm wäre nicht nur eine Frage des Arbeitsschutzes, sondern könnte auch direkte Auswirkungen auf Versandkosten, Lieferprozesse und die Preisgestaltung im E-Commerce haben.
Die Forderung der Deutschen Post verbindet damit zwei wichtige Themen: den Gesundheitsschutz der Zusteller und die zukünftige Organisation schwerer Sendungen. Für Händler könnte eine neue Paketgrenze zusätzliche Kosten verursachen und Änderungen bei Verpackung, Fulfillment sowie Versand notwendig machen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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