
Drei von zehn Deutschen fragen Chatbots vor dem Shoppen
Künstliche Intelligenz wird für Konsumenten eine immer wichtigere Informationsquelle: Knapp ein Drittel lesen die KI-Zusammenfassungen von Google, und ebenfalls fast jeder Dritte greift auf KI-basierte Chatbots wie ChatGPT zurück. Dabei haben Frauen die Nase vorn, wie eine aktuelle Studie des Brand Management Unternehmens Celum zeigt.
Björn BöerChefredakteurKI als stiller Berater nimmt für deutsche Kundinnen und Kunden bereits heute eine zentrale Rolle ein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens TQX im Auftrag von Celum. Interessant: Sowohl automatisch generierte KI-Zusammenfassungen bei der Google-Suche wie auch KI-gestützte Chatbots sind bei Frauen beliebter als bei Männern (KI-Chatbot: 31 % vs. 28,4 %; KI-Zusammenfassung: 31,4 % vs. 27,4 %).
Junge Menschen suchen diverser
Wenig überraschend ist die KI-Nutzung unter jüngeren Menschen am verbreitetsten. Unter den 16- bis 29-Jährigen suchen etwa vier von zehn mittels KI-Chatbots (42,7 %) und ein Drittel in KI-Zusammenfassungen (33,9 %) nach Produktinformationen. Mit steigendem Alter nimmt vor allem die Verwendung von KI-Chatbots zu diesem Zweck deutlich ab, die unter Personen zwischen 50 und 65 Jahren nur noch von jedem*r Sechsten (15,9 %) genutzt werden.Neben der KI-Nutzung sinkt auch die Anzahl der unterschiedlichen digitalen Kanaltypen, über die Produktinformationen eingeholt werden, stetig mit dem Alter. Mit 57,7 % nutzt von den 16- bis 29-Jährigen mit Abstand der größte Anteil hierfür auch Social Media. Danach folgen die 30- bis 39-Jährigen mit 42,8 %. Bei klassischen Suchmaschinen sieht es hingegen anders herum aus: Deren Bedeutung nimmt mit steigendem Alter kontinuierlich zu.„Agentic Commerce“ noch am Anfang
„Wir stehen erst am Beginn der Ära des ‚Agentic Commerce‘, also der kund*innenseitigen Nutzung von KI im Kaufprozess. Aktuell kommt sie vorrangig in der Produktsuche zum Einsatz. In Zukunft ist aber davon auszugehen, dass uns KI-Agenten auch die Entscheidung und den Kauf abnehmen werden“, erklärt Alexandra Vetrovsky-Brychta, Chief Growth Officer von CELUM. Unternehmen empfiehlt sie: „Marken und Händler müssen die Inhalte zu ihren Produkten schon jetzt so aufbereiten, dass diese von der KI gefunden, verstanden und schlussendlich empfohlen beziehungsweise gekauft werden. Wer den Content nicht für Maschinen strukturiert, wird in der Entscheidungslogik der Agenten schlicht nicht mehr stattfinden.“
KI-Nutzung steigt mit Einkommen und Bildung
Neben dem Alter lassen sich auch durch andere demographische Merkmale Unterschiede im Suchverhalten erkennen. So informieren sich jeweils vier von zehn Abiturient*innen per KI-Chatbot beziehungsweise KI-Zusammenfassung über Produkte. Bei Menschen ohne Abitur macht das hingegen jeweils nur ein Viertel. Gleichzeitig zeigt sich bei vier der fünf untersuchten Kanaltypen (klassische Google-Suche, Hersteller-/ Händlerwebsites, KI-Chatbots, KI-Zusammenfassungen) ein klarer positiver Zusammenhang zwischen Einkommen und Verwendung. Bei Social Media liegen die Höchstwerte hingegen in der mittleren Einkommensschicht.Berlin führt bei KI-Suche
Vergleicht man die einzelnen Bundesländer miteinander, fällt auf, dass im Osten tendenziell weniger verschiedene Kanaltypen zum Einsatz kommen. Ausnahmen sind Brandenburg und die Bundeshauptstadt Berlin, die bei der KI-Nutzung ganz vorne liegt. Je ein Drittel nutzt hier KI-Chatbots beziehungsweise KI-Zusammenfassungen zur Produktsuche. Vergleichbare Zahlen liefern diesbezüglich Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg. Im Saarland sucht zwar nur jeder Sechste per Chatbot, dafür liest aber die Hälfte KI-Zusammenfassungen. Die Schlusslichter bei der KI-Nutzung sind Bremen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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